pitters lieder – eine Verführung

8 2014 Barbara Boock Zoche mit Ehren Ruth Ingo Nordhofen w250Das schöne Buch mit Pitters Liedern wurde mir beim TFF-Festival in Rudolstadt von Joachim Michael zum Geschenk gemacht.

Dort hatte ich auch die Gelegenheit, die Wanderausstellung über Peter Rohland in der Säulenhalle der Heidecksburg nochmals anzusehen. Abgesehen von den Plakaten, Photos und den Reproduktionen verschiedener Programmzettel und anderer Materialien aus dem Nachlass, die von der Peter Rohland Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Volksliedarchiv vor einigen Jahren ausgewählt worden waren, konnte man die Hörstation nutzen, um – für manche zum ersten Mal – die Stimme Peter Rohlands in Originalaufnahmen zu hören oder in vier verschiedenen Filmen über die Waldeck und die dortigen Festivals etwas von der Stimmung wahrzunehmen, die Pitters Auftritte dort begleitete. Während der Festivaltage nutzten sehr viele Besucher die Pausen während der Konzerte im Schlosshof für einen Gang durch die Ausstellung. Sowohl im Programmheft als auch bei diversen Konzerten war darauf hingewiesen worden.

„Die Grenzgänger“ hatten die Ausstellungseröffnung musikalisch illustriert.

Christoph Lambertz und David Saam hatten ein Programm „Peter Rohland zum Mitsingen“ zusammengestellt, zu dem sich zahlreiche Mitsängerinnen und -sänger einfanden.

Auf der großen Hauptbühne im Schlosshof interpretierten Damir Bakacin, Monika Drasch, Daniel Kahn, David Saam, Hendrik Smock, Jan Tengeler, Andreas und Johannes Uhlmann, Gleb Vascenko Pitters Lieder. Die Vorbereitungszeit für dieses Konzert war wohl etwas knapp gewesen, denn nicht alle Lieder überzeugten in der vorgetragenen Version. Besonders schade fand ich das für Monika Drasch, deren Stimme nicht richtig zur Geltung kam und durch die Instrumentalbegleitung eher zugedeckt wurde. Daniel Kahn brillierte mit jiddischen Liedern und ergänzte Pitters Lieder noch durch einen fabelhaften Vortrag von Degenhardts „Wo sind unsre Lieder...“, der sicher nicht nur mir im Gedächtnis bleiben wird.

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Nun aber zum Liederbuch, von dessen Entstehen ich bereits durch die Anfragen Helm Königs nach einigen Quellen für Pitters Lieder noch in meiner Zeit als Bibliothekarin im Deutschen Volksliedarchiv informiert war. Er hat leider auch von mir kaum Angaben bekommen können, als er erfahren wollte, was die Vorlage zu einigen ins Deutsche übersetzten Liedern gewesen war.

Er hat die Ausgabe thematisch geordnet und jeweils eine ausführliche Einführung zu den Landstreicherballaden, den Liedern des François Villon, den jiddischen Liedern, den Liedern deutscher Demokraten und den frühen Liedern vorangestellt, in der er erklärt hat, was Peter Rohland motiviert hatte, sich mit diesen Liedern zu beschäftigen.

Dabei hat er auch vieles erwähnt, das zu Pitters Zeiten noch nicht genau bekannt war. Dass einige Texte, die Paul Zech als Übersetzungen von Texten François Villons bezeichnet hatte, in Wirklichkeit von ihm selbst verfasst worden waren, ist inzwischen durch neuere Forschung belegt. Es ist gerade in so einem Fall wichtig, den inzwischen populären Irrtum zu korrigieren.

Eindrucksvoll war Peter Rohlands frühes Interesse an jiddischen Liedern und seine intensive Beschäftigung mit der Aussprache des Jiddischen. Die Mutter von Hanno Botsch hat dem Deutschen Volksliedarchiv einen Teil der Liederbuchsammlung überlassen, die sie mit ihrem Mann über viele Jahre zusammengetragen hatte. In den Gesprächen, die ich aus diesem Grund mit ihr führte, hat sie begeistert von den Besuchen Peter Rohlands erzählt und davon, dass die Interpretationen der jiddischen Lieder für ihren Sohn Hanno, Gesine Köhler und Peter Rohland eine Herzensangelegenheit war.

Bei den Liedern deutscher Demokraten war ich traurig, dass Helm König nicht auf das Liederlexikon: liederlexikon.de hingewiesen hat, das als Projekt des Deutschen Volksliedarchivs von Eckhard John vor etlichen Jahren initiiert wurde, denn dort kann man zu einigen Liedern sehr viel ausführlichere Angaben finden, als sie in einem Liederbuch bei den Quellen-Vermerken möglich sind.

Insgesamt ist das Liederbuch aber ein wunderschöner Zugang zu Pitters Liedern, aus dem man auch gut singen und sich mit der Gitarre begleiten kann. Das alphabetische Inhaltsverzeichnis erleichtert den Zugriff auf jedes einzelne Lied, und für alle, die eher Schwierigkeiten mit Musiknoten haben und besser mitsingen können, ist die beigegebene DVD mit allen Liedern, so wie sie Peter Rohland auf Band gesungen hat, eine Verführung ganz besonderer Art.

Barbara Boock-Zoche

pitters lieder. Die Lieder von Peter Rohland. Im Auftrag der Peter Rohland Stiftung hg. von Helmut König, unter Mitarbeit von Hanno Botsch, Hai Frankl und Helga König. 1. Auflage Baunach (Spurbuchverlag) 2014, 246 Seiten, Noten, DVD, ISBN 978-3-88778-407-2.

Köpfchen 3+4/2014, Seite 17f.