digitalfreakquenz 20201

Die Absage ist abgesagt!

Das Festival „Waldeck Freakquenz“ auf Burg Waldeck im Hunsrück verlagert sein zehnjähriges Jubiläum ins Internet
Pressetext erschien in der Rhein-Hunsrück Zeitung

Wer heute an Musikfestivals denkt, der stellt sich vor allem riesige Partys vor: Tausende oder gar zehntausende Feierwillige auf weitläufigem Gelände, tagelanges Konzertprogramm mit nationalen und internationalen Superstars, Zeltplätze, die nach einem Wochenende voller Rausch und Exzess aufwendig vom liegengebliebenen Müll befreit werden müssen. In diesem Jahr, in dem die Kulturindustrie schwer durch die Corona-Pandemie getroffen wurde, kommt zu diesem Bild noch ein weiterer Aspekt hinzu: Abgesagt.

Ein Festivalgelände mit Geschichte erfindet sich immer wieder neu
Doch nicht alle Festivals bedienen das Klischee von der kommerziellen Massenveranstaltung. Und auch damit, dass der Festivalsommer im Corona-Jahr 2020 so ganz ausfallen soll, können sich nicht alle Veranstalter abfinden. Beides trifft z.B. auf das Festival „Waldeck Freak- quenz“ im Hunsrück zu: Die kleine, familiäre Veranstaltung fand 2011 zum ersten Mal statt und lockte seitdem jedes Jahr ein paar Besucher mehr an. Mittlerweile sind mit etwa 500 Gästen die Kapazitäten ausgeschöpft. Viel mehr Publikum würde das idyllische Gelände nämlich nicht unbeschadet verkraften. Dazu gibt es durchaus Erfahrungswerte: Auf eben diesem Platz fanden nämlich in den 1960er Jahren die allerersten Open-Air-Festivals Deutschlands statt. Mehrere tausend Teilnehmer trafen sich damals unter den skeptischen Blicken des Bürgertums auf Burg Waldeck, um gemeinsam zu musizieren, zu diskutieren und, inspiriert vom französischen Chan- son und der amerikanischen Folk-Szene, dabei das zu entwickeln, was später „Liederma- chen“ heißen sollte. Spätere Stars der Szene wie Hannes Wader, Franz Josef Degenhardt oder Reinhard Mey trafen auf ein sehr engagiertes Publikum, die Atmosphäre war geprägt von Auf- bruch zu politischer Veränderung, Suche nach neuen Formen der Gemeinschaft und des künst-
lerischen Ausdrucks, hitziger Debatte bis hin zu offenem Streit.

 

Kontakt: Marlene Görger, marlene@waldeck-freakquenz.de