Jahresrückblicke 2018 -2006

Jahresrückblick 2014

2013 3 4 S14
Chisum, Plauder & Herbert Foto: mike

Neues von der Peter Rohland Stiftung

Was wir uns für das Jahr 2013 vorgenommen hatten, konnten wir ein gutes Stück voranbringen:

  • Einmal ist da das von der ABW gemeinsam mit der Peter Rohland Stiftung beschlossene Projekt der Auslobung eines WaldeckKulturStipendiums, das wir in Zusammenarbeit mit Sago, der Akademie für Poesie und Musik von Christof Stählin, im Sommer erstmals praktisch testen konnten. Ende August zogen die beiden „Sagonauten“- Liedermacher Holger Saarmann und Masha Potempa, als „Teststipendiaten“ in das neue Mohrihaus ein.
    Während ihres Aufenthalts auf der Waldeck von gut drei Wochen (Masha) bzw. fünf Wochen (Holger) hatten sie Gelegenheit, sich bei einem Jour Fixe dem Verein vorzustellen, am Peter Rohland Singewettstreit und am Waldeck-Freakquenz-Festival teilzunehmen und vor allem an der Weiterentwicklung ihres Liedrepertoires zu arbeiten. Der sprichwörtliche genius loci der Waldeck erwies sich wieder einmal als verlässlicher Stimulator, diesmal für das Schaffen der beiden Stipendiaten.
    Eine gute Nachbarschaft mit Happy und dem Burgteam war schnell hergestellt. Unterkunft, Arbeitsplatz und Eigenverpflegung erwiesen sich als praktikabel; die vorgesehene finanzielle Unterstützung erschien auskömmlich.
    Kurz gesagt: Der Testlauf ist erfolgreich verlaufen, nachzulesen auf den Websites von Holger und Masha, wiedergegeben in dieser Ausgabe des Köpfchen.

Wie soll es nun weitergehen? Mit der Unterstützung von Holger werden wir zunächst weitere Interessenten aus dem Sago-Umkreis ansprechen, um die Zusammenarbeit mit Sago zu vertiefen, aber auch um weitere Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung der Idee des Stipendiums zu sammeln und es weiter bekannt zu machen.
Im Gespräch für 2014 sind Dota Kehr und Martin Betz. In einem weiteren Anlauf soll dann das Stipendium, wie ja in dem Begriff WaldeckKulturStipendium bereits angelegt, auch jungen Interessenten anderer Kunstrichtungen und Umfelder offen stehen.

  • Aus Rudolstadt haben wir inzwischen die Einladung erhalten, auf der TFF 2014 Anfang Juli 2014 unsere Ausstellung Peter Rohland Leben und Werk zu zeigen, und zwar mit unserem 1848er-Lied- und Vortragsprogramm, ergänzt, aus Anlass des fünfzigjährigen Jubiläums der Waldeck-Festivals, durch die Waldeck-Festival-Plakate, die uns der Verein Lied und soziale Bewegungen, Berlin, zur Verfügung gestellt hat. Schön wäre es, wir könnten die Ausstellung noch um ein paar neue Tafeln ergänzen, auf denen wir das Waldeck-Geschehen nach 1969 bis heute aufzeigen.

Neben den Filmen „Falado“ und „Die Waldeck“ von Gabi Bollinger soll ein weiterer Film von den Waldeck-Festivals in den 60er-Jahren gezeigt werden. Gedacht ist an den zweiteiligen Film von Christel Priemer „Das Fest fand im Freien statt“ vom SR, um dessen Aufführungsrechte wir uns gerade bemühen.

Drei weitere Konzerte mit Peter-Rohland-Bezug und ein Podiumsgespräch zu „Waldeck heute“ sind ebenfalls für die TFF 2014 in der Planung.

  • Aus unserem Workshop-Programm ist zu berichten, dass Ömmel (Helmut Alba) mit unserer Unterstützung am Wochenende 22./24. November 2013 ein weiteres, sein – wieder gut besuchtes - Vierzehntes A-cappella-Seminar auf der Waldeck abgehalten hat.

Zusammen mit Plauder (Jörg Seyffarth) und Herbert (Herbert Schmidt) haben wir eine Woche später selbst zum sechsten Singeworkshop für Gruppen und Gruppenleiter auf die Waldeck eingeladen, diesmal unter dem von Plauder gewählten Motto „Lied Global“. Reges Interesse kam wieder aus den Reihen der BdP-Stämme Pilgrim Falconi und Piraten und der Waldjugend Haßloch.

Diese Veranstaltungen liegen uns sehr am Herzen, zumal sie, ganz im Sinne der Ziele der Stiftung, unmittelbar der Förderung des Singens und des Liedes dienen. Unseren ehrenamtlichen Referenten und ihrem segensreichen Tun gilt daher wieder unser ganz besonderer Dank.

  • Wir freuen uns, dass die Arbeiten an dem von helm (Helmut König) betreuten Peter Rohland Liederbuch „pitters lieder“ so weit vorangeschritten sind, dass es wohl im Frühjahr 2014 erscheinen kann. Um einem vielfach geäußerten Missverständnis entgegenzutreten: Das Buch erscheint natürlich mit Noten. Manche der Lieder, insbesondere die von Villon, sind sogar erstmals in Noten gesetzt. Auch soll dem Buch eine DVD beigefügt werden, die alle im Buch enthaltenen Lieder in der von den CDs bekannten Interpretation durch pitter enthält.
  • Ohne Noten soll dagegen das in Vorbereitung befindliche Waldeck-Liederbuch erscheinen, da vorausgesetzt werden kann, dass der waldeck-typische Benutzer, für den das Buch gedacht ist, die Melodie des betreffenden Liedes kennt, aber (noch oder inzwischen) Schwierigkeiten mit dem Text hat.

Zum Schluss unser ceterum censeo: Kommt und macht mit bei der Stiftungsarbeit! Auch und gerade mit Euren eigenen Musikprojekten seid Ihr, in bester Waldeck-Tradition, herzlich willkommen!

mike

Köpfchen 3+4/2013, Seite 14f.

 

 


 

 

WaldeckKulturStipendium

Aus dem Bericht des Verwaltungsrats 2014

Ganz wichtig: Dadurch, dass im Mohrihaus Platz geschaffen wurde, konnte das geplante WaldeckKulturStipendium umgesetzt werden, welches als Idee aus dem Workshop „Quo vadis ABW?“ (siehe Köpfchen 1/11, Seite 11f) hervorging und durch die Peter Rohland Stiftung ihre Konkretisierung fand. Aus der Sago-Gruppe um Christof Stählin kamen im Oktober 2013 zwei Stipendiaten zu uns und arbeiteten mehrere Wochen auf der Waldeck an ihren Liedern: Holger Saarmann und Masha Potempa. Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten die beiden Künstler sehr stimmungsvoll an einem Jour-fixe-Termin. Von den beiden weiteren Stipendiaten, Dota Kehr und Max Prosa, habt ihr gestern Dota im Konzert hören können. Dank der intensiven Bemühungen von Mike und vor allem auch der finanziellen Unterstützung der Künstler von Seiten der Peter Rohland Stiftung konnten und können weitere Künstler-Stipendien realisiert werden; und so wird dann Martin Betz im Juli als Stipendiat auf der Waldeck verweilen. Diese Stipendien sind für die Waldeck außerordentlich wichtig, kann dadurch doch eine immens positive Außenwirkung in bestimmten Künstlerkreisen erzielt werden, die letztendlich auch wieder positiv auf die Waldeck zurück strahlen wird.

Sandra Kupfer

Köpfchen 1+2/2014, Seite 14

 

 


 

 

Mitgliederversammlung 2014:

Einladung

Liebe Mitglieder,
am Vorabend der Mitgliederversammlung 2014 möchten wir euch zu einem Konzert von

Doto Kehr (angefragt)

einladen

„Dota (bis 2013: Dota und die Stadtpiraten bzw. Die Kleingeldprinzessin und die Stadtpiraten) ist eine Band um die Berliner Sängerin und Liedermacherin Dota (Dorothea) Kehr. Die Texte sind zeitkritisch, die Musik ist von Bossa Nova und Jazz stark beeinflusst.

Die Musiker der Begleit-Band „Stadtpiraten“ sind Berliner Nachwuchs-Jazzmusiker.”

„Dorothea Kehr spielte zunächst Saxophon und begann mit 14 Jahren auf Jahrmärkten aufzutreten. Erst im Alter von 21 Jahren lernte sie Gitarre zu spielen. Sie spielte Straßenmusik, ihr erstes Album Die Kleingeldprinzessin erschien 2003 mit dem Bandnamen Dota und die Stadtpiraten. Diese frühen Aufnahmen waren von Bossa Nova beeinflusst. Die Liebe zu südamerikanischer Musik stammte noch aus ihrer Kindheit. Ein brasilianischer Babysitter hatte der Familie Kehr eine Kassette hinterlassen: Elis Regina singt Jobim. Dota Kehr konnte die Texte auswendig mitsingen, ohne portugiesisch zu verstehen.

Dota Kehr studierte in Berlin Medizin und machte ihren Abschluss 2010. 2003 bekam sie ein Stipendium für ein Auslandsstudium in Brasilien. In Fortaleza nahm sie eine Platte mit Danilo Guilherme auf (Mittelinselurlaub). Später wohnte sie in São Paulo bei dem Gitarristen Regis Damasceno, der auf dieser Platte mitspielt. Anschließend lebte sie eine Zeit lang in Ecuador.

Das 2010 erschienene Album Bis auf den Grund ist stärker von Folk Rock und Elementen aus Jazz und Kirmesmusik beeinflusst. Auf dem 2012 erschienenen Debütalbum Die Phantasie wird siegen von Max Prosa ist sie beim Lied Bis nach Haus Prosas Duettpartnerin.

Dota Kehr ist zweifache Mutter, ihr jüngstes Kind wurde im Mai 2013 geboren.“

Quelle: Wikipedia

Beginn: 20.00 Uhr im Sälchen, Burg Waldeck

Herzliche Grüße

Sandra Kupfer

Köpfchen 3+4/2013, Seite 3

 

 2014 1 2 S17
Dota Kehr 2009 auf der Waldeck Foto: molo

Unplugged und solo:

Die Kleingeldprinzessin auf der Waldeck

Dota Kehr, die schon anno 2009 beim Waldeck-Liederfest im Festzelt das Publikum zum Staunen gebracht hatte, gab am Vorabend der diesjährigen ABW-Mitgliederversammlung den Waldeckern ein Konzert im Sälchen, unplugged und solo – ein kleiner, aber feiner Einblick in ihr virtuoses Gitarrenspiel und in ihr Repertoire aus eigenen Liedern. An denen hatte sie zuvor eine Woche lang als WaldeckKulturStipendiatin im Mohrihaus gearbeitet.

Beim diesjährigen Jubiläums-Liederfest an Pfingsten wird Dota Kehr wieder im Zelt zusammen mit ihrer Band auftreten. Wir sind gespannt, was sie uns im größeren Rahmen zu bieten hat.

Dido über Dota

Die Woche vor ihrem Auftritt hatte Dota, gefördert durch ein Stipendium der Peter Rohland Stiftung, bei uns auf der Waldeck verbracht. Hinter doppelten Türen schalldicht und sicher verpackt, arbeitete sie an neuen Liedern.

Während gemeinsamer Mittagessen fanden wir etwas Zeit, uns ein bisschen kennen zu lernen, und der häufige Ausruf von ihr: „Ich ringe mit den Worten ...“ hat mich natürlich neugierig gemacht, zumal ich bis dato musikalisch noch nicht viel von Dota gehört hatte. So saß ich, zusammen mit ca. hundert anderen Leuten, gespannt im Konzert und lauschte und kann nur sagen, dass ich vom ersten Ton an im Bann ihrer Lieder stand. Nur mit einer Akustikgitarre bestückt gelang es ihr mühelos mich, die ich weit hinten im Sälchen saß, einzufangen. Bei den quirligen, groovigen Rhythmen fiel es mir schwer, still auf meinem Stuhl sitzen zu bleiben. Aber am meisten hatten es mir ihre Texte angetan. So schöne Wortspiele und überraschende Wendungen gesungener Gedankengänge! Klasse. Oft hatte ich das Gefühl, ich schaue mit meinen Ohren durch ein Mikroskop auf Dinge, die ich normalerweise nicht beachte. Vielleicht ist es ihre Art, die Welt zu sehen?

GMP/Dido

Köpfchen 1+2/2014, Seite 16

 

Erschlossenes Land

Durch die stürmenden Nächte von den Wogen gehoben sind wir angespült an einen menschenleeren Strand, im verlassensten Winkel der Welt und alles, was wir sehen, ist –

Durch die Mühen der Ebenen und Schründe der Berge stehen wir schweißbedeckt und von der Sonne verbrannt, blicken über Hügel und Wälder und alles, was wir sehen, ist – erschlossenes Land, erschlossenes Land.

Nach vielen Jahren im Labor an seiner Bank, nimmt der Neurobiologe die Kulturen aus dem Schrank, und er sieht im Mikroskop die Strukturen, die er fand, physiologisch und logisch und längst – erschlossenes Land, erschlossenes Land.

Die Erde ist eine Scheibe und bis zu ihrem Rand - erschlossenes Land.

Vor der großen Premiere eines jungen Stars wird heftig diskutiert in den Feuilletons und Bars, Kritiker und Publikum warten gespannt und betreten betreten – erschlossenes Land, erschlossenes Land.

Die Erde ist eine Scheibe und bis zu ihrem Rand - erschlossenes Land.

Der Fluss steht einen Meter überm Ufer und es regnet immer weiter und die Deiche weichen auf. Das Wasser schwappt durch Fenster auf Balkone und es klettert auf den Straßen bis zum höchsten Platz der Stadt hinauf. Es trägt die Autos fort, egal ob Benz oder Trabant. Ich hör das Wasser flüstern, hörst Du´s auch? Es spricht von – erschlossenem Land, erschlossenem Land.

Die Erde ist eine Scheibe und bis zu ihrem Rand-

Wir sind durch die Institutionen marschiert und hatten das Kommunenleben ausprobiert. Seit damals ist viel passiert und hat doch nicht zum Frieden auf der Welt geführt. Jetzt sitzt Du im Büro, sagst, es ist wie es ist, man wird Kapitalist. Du bist woran Du Dich misst. Und steckst genau da, wo Du bist, den Kopf in den Sand und dann ist alles, was Du siehst – erschlossenes Land.

Der Kopf ist ein Gefängnis, wenn man glaubt, man sieht die Wand.

Dota Kehr

Köpfchen 1+2/2014, Seite 17f.

 

 


 

 

2014 1 2 S25

Zum Singen:

pitters lieder. Die Lieder von Peter Rohland, im Auftrag der Peter Rohland Stiftung herausgegeben von Helmut König, unter Mitarbeit von Hanno Botsch, Hai Frankl und Helga König, 96148 Baunach (Spurbuchverlag) 2014 (erscheint demnächst), 244 Seiten, ISBN 978-3-88778-407-2.

Das Liederbuch enthält in fünf Kapiteln die Texte und Melodien der fünf Liederzyklen, die der früh verstorbene Peter Rohland in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt, gesammelt, zum Teil neu vertont und gesungen hat:

  1. Die Landstreicherballaden,
  2. Lieder des François Villon,
  3. Un as der Rebbe singt – Jiddische Lieder,
  4. Lieder der deutschen Demokraten,
  5. Die frühen Lieder.

Jedem Kapitel geht ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis, ein Foto aus der entsprechenden Epoche und eine Einführung voraus. In der Einführung zum jeweiligen Zyklus wird erklärt, wie die Lieder und Peter Rohlands Interesse an ihnen entstanden sind.

Bei jedem Lied werden der Ursprung von Text und Melodie genannt und – wo nötig – weitere Erläuterungen gegeben.

Im Anhang findet man Lebensdaten von Peter Rohland, Discographie und ein alphabetisches Gesamt-Inhaltsverzeichnis der Liedanfänge und Titel.

Köpfchen 1+2/2014, Seite 25

 

Peter-Rohland-Liederbuch erschienen

pitters lieder – eine Verführung

Das schöne Buch mit Pitters Liedern wurde mir beim TFF-Festival in Rudolstadt von Joachim Michael zum Geschenk gemacht.

Dort hatte ich auch die Gelegenheit, die Wanderausstellung über Peter Rohland in der Säulenhalle der Heidecksburg nochmals anzusehen. Abgesehen von den Plakaten, Photos und den Reproduktionen verschiedener Programmzettel und anderer Materialien aus dem Nachlass, die von der Peter Rohland Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Volksliedarchiv vor einigen Jahren ausgewählt worden waren, konnte man die Hörstation nutzen, um – für manche zum ersten Mal – die Stimme Peter Rohlands in Originalaufnahmen zu hören oder in vier verschiedenen Filmen über die Waldeck und die dortigen Festivals etwas von der Stimmung wahrzunehmen, die Pitters Auftritte dort begleitete. Während der Festivaltage nutzten sehr viele Besucher die Pausen während der Konzerte im Schlosshof für einen Gang durch die Ausstellung. Sowohl im Programmheft als auch bei diversen Konzerten war darauf hingewiesen worden.

„Die Grenzgänger“ hatten die Ausstellungseröffnung musikalisch illustriert.

Christoph Lambertz und David Saam hatten ein Programm „Peter Rohland zum Mitsingen“ zusammengestellt, zu dem sich zahlreiche Mitsängerinnen und -sänger einfanden.

Auf der großen Hauptbühne im Schlosshof interpretierten Damir Bakacin, Monika Drasch, Daniel Kahn, David Saam, Hendrik Smock, Jan Tengeler, Andreas und Johannes Uhlmann, Gleb Vascenko Pitters Lieder. Die Vorbereitungszeit für dieses Konzert war wohl etwas knapp gewesen, denn nicht alle Lieder überzeugten in der vorgetragenen Version. Besonders schade fand ich das für Monika Drasch, deren Stimme nicht richtig zur Geltung kam und durch die Instrumentalbegleitung eher zugedeckt wurde. Daniel Kahn brillierte mit jiddischen Liedern und ergänzte Pitters Lieder noch durch einen fabelhaften Vortrag von Degenhardts „Wo sind unsre Lieder...“, der sicher nicht nur mir im Gedächtnis bleiben wird.

 

Nun aber zum Liederbuch, von dessen Entstehen ich bereits durch die Anfragen Helm Königs nach einigen Quellen für Pitters Lieder noch in meiner Zeit als Bibliothekarin im Deutschen Volksliedarchiv informiert war. Er hat leider auch von mir kaum Angaben bekommen können, als er erfahren wollte, was die Vorlage zu einigen ins Deutsche übersetzten Liedern gewesen war.

Er hat die Ausgabe thematisch geordnet und jeweils eine ausführliche Einführung zu den Landstreicherballaden, den Liedern des François Villon, den jiddischen Liedern, den Liedern deutscher Demokraten und den frühen Liedern vorangestellt, in der er erklärt hat, was Peter Rohland motiviert hatte, sich mit diesen Liedern zu beschäftigen.

Dabei hat er auch vieles erwähnt, das zu Pitters Zeiten noch nicht genau bekannt war. Dass einige Texte, die Paul Zech als Übersetzungen von Texten François Villons bezeichnet hatte, in Wirklichkeit von ihm selbst verfasst worden waren, ist inzwischen durch neuere Forschung belegt. Es ist gerade in so einem Fall wichtig, den inzwischen populären Irrtum zu korrigieren.

Eindrucksvoll war Peter Rohlands frühes Interesse an jiddischen Liedern und seine intensive Beschäftigung mit der Aussprache des Jiddischen. Die Mutter von Hanno Botsch hat dem Deutschen Volksliedarchiv einen Teil der Liederbuchsammlung überlassen, die sie mit ihrem Mann über viele Jahre zusammengetragen hatte. In den Gesprächen, die ich aus diesem Grund mit ihr führte, hat sie begeistert von den Besuchen Peter Rohlands erzählt und davon, dass die Interpretationen der jiddischen Lieder für ihren Sohn Hanno, Gesine Köhler und Peter Rohland eine Herzensangelegenheit war.

Bei den Liedern deutscher Demokraten war ich traurig, dass Helm König nicht auf das Liederlexikon: liederlexikon.de hingewiesen hat, das als Projekt des Deutschen Volksliedarchivs von Eckhard John vor etlichen Jahren initiiert wurde, denn dort kann man zu einigen Liedern sehr viel ausführlichere Angaben finden, als sie in einem Liederbuch bei den Quellen-Vermerken möglich sind.

Insgesamt ist das Liederbuch aber ein wunderschöner Zugang zu Pitters Liedern, aus dem man auch gut singen und sich mit der Gitarre begleiten kann. Das alphabetische Inhaltsverzeichnis erleichtert den Zugriff auf jedes einzelne Lied, und für alle, die eher Schwierigkeiten mit Musiknoten haben und besser mitsingen können, ist die beigegebene DVD mit allen Liedern, so wie sie Peter Rohland auf Band gesungen hat, eine Verführung ganz besonderer Art.

Barbara Boock-Zoche

pitters lieder. Die Lieder von Peter Rohland. Im Auftrag der Peter Rohland Stiftung hg. von Helmut König, unter Mitarbeit von Hanno Botsch, Hai Frankl und Helga König. 1. Auflage Baunach (Spurbuchverlag) 2014, 246 Seiten, Noten, DVD, ISBN 978-3-88778-407-2.

Kai Engelke hat pitters lieder im Folker 05.14, Seite 70 besprochen.

Köpfchen 3+4/2014, Seite 17f.

 

2015 23 Seite11
Hanno & pitter Waldeck 1964

pitters lieder – Das Liederbuch

„Wo sind unsere alten Lieder?“ dichtete Franz Josef Degenhardt. Man könnte auch fragen: Was sind unsere alten Lieder? Denn das Singen in deutscher Sprache ist nicht unproblematisch.

In dem jetzt erschienenen Liederbuch „pitters lieder“ (Spurbuchverlag) liegt eine große Liedersammlung vor. Anstatt betrübt zu räsonieren, hat pitter (Peter Rohland 1933 – 1966) Lieder neu entdeckt. Er hat dabei nicht nur einzelne Lieder einem erstaunten Publikum vorgesungen, sondern ganze Welten von Liedern, die bis dato nahezu unbekannt waren: jiddische Lieder, Lieder der Landstreicher; Lieder Deutscher Demokraten. Wer kannte diese Lieder vorher schon? Diese große Liedsammlung bringt alle (oder fast alle) Lieder, die pitter gesungen und auf Tonträger hinterlassen hat.

Sie sind nicht in der Reihenfolge der Darbietung angeordnet. Es ist aber reizvoll, den Spuren dieser „Entdeckungsreise“ zu folgen. Am Anfang sang pitter Lieder, die er von der Jugendbewegung her kannte, und die er mit dem Titel „Vertäut am Abendstern“ als Schallplatte herausbrachte („Die frühen Lieder“, ab Seite 191)

„Die jiddischen Lieder“ (ab Seite 87) waren seine erste große Entdeckung. Das zahlreiche Publikum wusste noch nicht einmal, dass es solche Lieder überhaupt gab. Wie zahlreiche Interpreten nach ihm, hätte pitter bei diesen Liedern bleiben können.

Aber er sah schon Neuland. Eigene Vertonungen waren angesagt: Was lag näher, als die Lieder des François Villon in der Nachübersetzung von Paul Zech, die durch Klaus Kinski damals sehr bekannt waren, zu vertonen? Zusammen mit Schobert und mir schuf er einen ganzen Liederzyklus, der in diesem Buch übrigens erstmalig in Noten aufgezeichnet vorliegt (ab Seite 55).

Wieder eine neue Entdeckung: Die Landstreicherballaden. (ab S. 16). Mit Schobert zusammen entstand damals eine erste kommerzielle Platte (von Philips). Dieses perfekte Team, pitter und Schobert, so hätte es weitergehen können. Statt „Schobert und Black“ „pitter und Schobert“.

Pitter fand aber in seiner ungeheuren Entdeckerfreude wieder neue Lieder: Die „Lieder Deutscher Demokraten“ (ab Seite139). Diese Lieder, gerade noch bei den beginnenden Studentenprotesten, waren ein unerwartetes und freudig aufgenommenes Geschenk für die Studentenbewegung der sechziger Jahre.

Pitter hatte für sein ganzes Schaffen nur knapp vier Jahre.

Bei der Thematik der Lieder lohnt ein Vergleich der Themen deutscher Liedermacher und der amerikanischen Folkszene. In letzterer gibt es Lieder über Heimat und Familie, über die Arbeit, über (wahre) Abenteuer, über große Armut, und es gibt viele Balladen. Alles Themen, die man in der deutschen Liedermacher-Szene mehr oder weniger vermisst. Bei pitter sind diese Themen alle vorhanden:

  • Familie: „un as di jontefdike Tejg“,
  • Arbeit: „bin ich mir ein Schnajderl“, „Solange wie die Kesselflickerei noch lebt“,
  • große Armut: „Fordre niemand mein Schicksal zu hören“, „Luise“.
  • Zahlreiche Balladen: von „Herr Glomme“ bis zu den Landstreicherballaden und den Balladen der jiddischen Lieder.

Pitter war kein „Liedermacher“ im engeren Sinn. Er war aber ein „Pionier des neuen deutschen Chansons“ wie die FAZ schrieb.

Pioniere werden schnell vergessen. Wer ein Lied über „Schmuddelkinder“ oder „grenzenlose Freiheit über den Wolken“ schreibt, bleibt eher im kollektiven Gedächtnis. Daher ist es ein Verdienst dieses Buches, gleichzeitig mit der Liedersammlung eine einzigartige Hommage für Peter Rohland gemacht zu haben. Ausführliche Texte und Bilder machen das Buch geradezu zu einer Biografie.

Dieses Buch konnte entstehen, weil pitter auch fast fünfzig Jahre nach seinem Tod noch einen großen Fan-Kreis hat, der sich in der Peter Rohland Stiftung eine Basis geschaffen hat.

Der Herausgeber Helmut König hatte früher schon pitters Lieder in zahlreichen Schallplatten und CDs zugänglich gemacht (zu bestellen bei Bella Musica,Tel.: 07223-8083560). Unterstützt wurde er bei diesem Projekt von seiner Frau Helga, Hai Frankl, Goly Münchrath, dem Stiftungsrat und von mir.

Ein solches Projekt braucht auch einen Verlag. Der Spurbuchverlag hat dieses Buch in großartiger Weise möglich gemacht. Dem Buch beigefügt ist eine DVD, auf der man sich alle Lieder, von pitter gesungen, anhören kann. Das Ganze zu dem angemessenen Preis von 29,80 €.

Hanno Botsch

pitters lieder. Die Lieder von Peter Rohland, im Auftrag der Peter Rohland Stiftung herausgegeben von Helmut König unter Mitarbeit von Hanno Botsch, Hai Frankl und Helga König, Baunach (Spurbuchverlag) 2014, 246 Seiten und 1 DVD, ISBN 978-3-88778-407-2.

Köpfchen 2+3/2015, Seite 11f

 

 


 

 

2014 1 2 S8

Die Waldeck in Rudolstadt

Einige Waldecker besuchen das TFF Rudolstadt regelmäßig und genießen das riesige Angebot an interessanten Konzerten und das Ambiente einer Stadt voller Roots-Folk-Weltmusik-Freunde.

Dieses Jahr gibt es für Lieder- und Liedermacher-Freunde einen zusätzlichen Anreiz, für die Tage

vom Donnerstag, dem 3. bis zum Sonntag, dem 6. Juli

nach Rudolstadt zu fahren. Die ABW und die Peter Rohland Stiftung werden in diesem Jahr Gelegenheit haben, sich auf dem TFF Rudolstadt vorzustellen.

In den Säulensälen von Schloss Heidecksburg wird die – um die vom Verein Lied und soziale Bewegungen zur Verfügung gestellten Folien erweiterte –

Peter-Rohland-Ausstellung

mit fünfzehn Tafeln, drei Vitrinen und einer Hörstation gezeigt. In einer Sehstation wird neben dem Waldeckfilm von Gabi Bollinger der Festival-Film von Christel Priemer „Das Fest fand im Freien statt“ aus dem Jahr 1983 laufen.

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, den 3. Juli um 18 Uhr.

Prof. Holger Böning wird über Peter Rohland, die Waldeck und das politische Lied der Revolution von 1848 sprechen, und die Gruppe Grenzgänger um Michael Zachcial wird die Vernissage musikalisch begleiten.

 

Auf dem TFF Rudolstadt 2014 wird es neben weiteren Themenkonzerten zu Peter Rohland auch eine Gesprächsrunde zum Thema

„Hier sind unsere Lieder – Festivals auf Burg Waldeck 1964 – 2014“

geben, an der Jacky Jacobi-van Beek die ABW vertreten wird. Dabei sind auch sind die Waldeck-Kenner Michael Kleff, Walter Mossmann, Holger Böning, Michael Zachcial und Hein&Oss. Gesprächsleitung: Bernhard Hanneken.

Auf nach Rudolstadt!

GMP

Köpfchen 1+2/2014, Seite 8

 

2014 23 Seite 16 b
pitters lieder mit D. Khan, D. Saam & M. Drasch Foto: mike

Das Peter Rohland Projekt

Peter Rohland und die Waldeck zu Gast in Rudolstadt

auf dem Roots Folk Weltmusik Festival tff rudolstadt 2014 vom 3. – 6. Juli 2014

Von uns reisten an:

  • ali und Helga, Jacky und Babusch, dex,
  • Holger und Elke Böning, Dedo und Hanne Asshoff,
  • mike und Traute, Christoph und Andreas Michael

Wir trafen dort u.a.:

  • Barbara Boock, die den diesjährigen Ruth-Ehrenpreis des Festivals für ihr Lebenswerk für das Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg erhielt,
  • Kai Engelke, der das Festival schon längst für sich entdeckt hat,
  • Pauli (Paul-Thomas Hinkel), den Produzenten und Verleger unseres schönen Liederbuchs pitters lieder

Das Programm des Peter Rohland Projekts:

Donnerstag 3. Juli 18:00 Uhr in den Säulensälen von Schloss Heidecksburg

Eröffnung der Ausstellung Peter Rohland Leben und Werk 1933-1966

Begrüßung: Bernhard Hanneken, tff rudolstadt

Vortrag: Holger Böning, Bremen: "Peter Rohland, die Waldeck-Festivals und das politische Lied der Revolution von 1848"

Einführung in die Ausstellung: Joachim Michael, Peter Rohland Stiftung

Musikalische Begleitung: Die Grenzgänger

Freitag 4. Juli 17:00 Uhr und Samstag 5. Juli 14:00 Uhr, Altes Rathaus

Peter Rohland zum Mitsingen

Christoph Lambertz und David Saam: Lieder von Landstreicherei und Revolution aus dem Repertoire von Peter Rohland zum Mitsingen

Freitag 4. Juli 20:00 Uhr, Markt und Samstag 5. Juli 13:00 Uhr, Heidecksburg Burgterrasse:

Die Grenzgänger, Themenkonzert maikäfer flieg!

Samstag 5. Juli 15:00 Uhr, Bibliothek

Hier sind unsere Lieder! Die Festivals auf Burg Waldeck 1964 – 2014
Podiumsdiskussion mit Prof. Holger Böning, Jacky van Beek (ABW), Michael Kleff, Oskar Kröher, Michael Zachcial. Moderation: Bernhard Hanneken

Samstag 5. Juli 17.00 Uhr, Bibliothek

Vom Volkslied zum Folksong. Oss Kröher liest und singt

Sonntag 6. Juli 14:30 Uhr, Große Bühne im Burghof Heidecksburg

pitters lieder. Ein Peter Rohland Programm
mit Daniel Kahn, David Saam und Monika Drasch und Band

 

Ja, zu diesem ambitionierten Programm hatte sich unser Auftritt in Rudolstadt im Dialog mit Bernhard Hanneken, dem künstlerischen Leiter des Festivals, schließlich entwickelt.

2014 23 Seite 15Ursprünglich sollte sich unser Beitrag auf die Peter Rohland Ausstellung beschränken. Dann war da aber auch dem Jubiläum 50 Jahre Waldeck-Festivals Rechnung zu tragen und der Frage Waldeck heute nachzugehen. Das führte zu der Aufnahme einer Podiumsdiskussion, Die Festivals auf der Waldeck 1964 -2014, in das Programm, an der auch Jacky als derzeitiger Impresario der Pfingstliederfeste und Vertreter des Verwaltungsrats der ABW teilnahm.

Die Grenzgänger mit ihrem neuen Erste-Weltkriegs-Liederprogramm maikäfer flieg! kamen zum Programm hinzu, als musikalische Begleiter unserer Vernissage und in zwei weiteren Konzerten. Das bot sich insbesondere deswegen an, weil diese Musikgruppe in ihrer Projektarbeit als kongenialer Nachfolger von Peter Rohland angesehen werden kann und sich auch so versteht und von der Peter Rohland Stiftung unterstützt wird.

Von Bernhard Hanneken kam die Anregung, die zwei Mitsinge-Veranstaltungen (ein gängiges Format des Festivals) mit einem Peter-Rohland-Liedprogramm unter der Leitung von Christoph Lambertz und David Saam unter Mitwirkung von Jan Tengeler in das Programm aufzunehmen sowie, als Höhepunkt, ein großes Konzert mit pitters lieder zur Hauptveranstaltungszeit am Sonntag 14:30 Uhr im Burghof der Heidecksburg vorzusehen mit Neuinterpretationen der Lieder von Peter Rohland, gesungen von Monika Drasch, Daniel Kahn und David Saam, begleitet von einer ad-hoc-Band mit Till, Johannes und Andreas Uhlmann, Christoph Well, Gleb Vascenko, Jan Tengeler und Hendrik Smock, arrangiert von Jan Tengeler (einer der Autoren des Films Sound of Heimat).

Schön war, dass auch Oss Kröher dabei war, sowohl bei der Podiumsdiskussion als auch mit einem eigenen Lese- und Singeprogramm und mit historischen Plakaten aus dem legendären Sängerleben von Hein&Oss als Ergänzung zu unserer Ausstellung.

 

Als Rudolstadt-Neulinge machten wir uns zunächst etwas Sorgen, ob bei dem Riesenprogramm des Festivals sich überhaupt genügend Publikum bei unseren Veranstaltungen einfinden würde. Bei dreihundert Auftritten auf 31 Bühnen und Podien von 1.086 Mitwirkenden aus 35 Ländern inklusive 163 Bands einschließlich 57 Straßenmusiker könnte man als Veranstalter ja schon einmal übersehen werden.
Das Gegenteil war der Fall! Aus dem Kreis der gezählten 87.300 Besucher (Rudolstadt zählt rund 20.000 Einwohner) bekamen wir reichlich Gäste ab.
Interessant ist die Zählung in Rudolstadt: Es werden die Besucher eines Tages von durchschnittlich mehr als 20.000 kurzerhand zusammengezählt, so endet man bei vier Tagen Festival-Dauer schnell bei über 80.000. Übertragen auf die Waldeck könnten wir unser Rekordergebnis vom diesjährigen Liederfest von rund 750 Besuchern schnell mal mit dem Faktor 3 auf 2.250 Gäste hochkatapultieren, um dann immer noch feststellen zu müssen, dass wir auf der Waldeck in einer anderen, aber nicht weniger liebenswerten (!) Liga spielen.

Apropos liebenswert: Was einen vom ersten Augenblick für das Festival in Rudolstadt einnimmt und fasziniert, sind Lokalität und Publikum. Das kleine, noch völlig intakte ehemalige Residenzstädtchen mit dem etwas überdimensionierten Schloss, der Heidecksburg, hoch über der Stadt und den weiten Flussauen mit dem Heinepark jenseits der malerisch dahinfließenden Saale geben ideale Spiel- und Aufführungsplätze für das Festival ab.
Phänomenal ist das Publikum (überwiegend aus der Ü30er-Generation), das teilweise bunt gekleidet in unangestrengter Gelassenheit, heiter, aufgeschlossen, sachkundig und neugierig durch die Straßen, Höfe und Wiesen von Veranstaltung zu Veranstaltung flaniert, sicher geleitet durch ein sehr aufschlussreiches Programmheft von 240 Seiten, in dem allein fünfzehn Seiten, von Bernhard Hanneken vorzüglich verfasst, der Waldeck und dem Peter Rohland Projekt vorbehalten waren.

 

Von diesem phänomenalen Publikum strömte reichlich in unsere Ausstellungsvernissage am Donnerstag in den malerischen Säulensälen der Heidecksburg. Es war richtig voll. Die Vorträge, die Musik, die Exponate und das wunderbare Ambiente der Ausstellungsräume kamen bestens an. Die Ausstellungseröffnung geriet zum Fest, das wir mit Württemberger Trollinger und Thüringer Brezel zu einem würdigen Abschluss bringen konnten.

Auch die folgenden Ausstellungstage waren ein voller Erfolg. Noch nie hatten wir einen solchen Zulauf. Hier zeigte sich, dass man es in Rudolstadt mit einem größtenteils sehr sachkundigen Publikum zu tun hat, das dem Festival über die Jahre zugewachsen ist. Es war das vierundzwanzigste des neuen Zuschnitts seit der Wende als Tanz- und Folkfest (tff). Bekanntlich war das Festival bereits 1955 von Ulbricht als reines Tanzfest aus der Taufe gehoben worden. Daher rührt der Umstand, dass manche noch heute Rudolstadt als ausschließliches Tanzfest missverstehen.

Gleichermaßen viel Zuspruch erhielten die Mitsinge-Veranstaltungen im Alten Rathaus. Wieder war es brechend voll. Das Publikum kannte die Lieder, sodass Christoph Lambertz und Davis Saam sich nicht lange mit der Einübung abgeben mussten, sondern mit Hilfe der vorbereiteten Textblätter und fetziger Instrumentalbegleitung gleich lossingen lassen konnten. Wieder eine Superstimmung im Saal.

Auch die Grenzgänger kamen mit ihrem neuen Programm bestens an, insbesondere am Samstag auf der etwas intimeren Bühne auf der Burgterrasse der Heidecksburg. Ein zeitweiser Ausverkauf der neuen CD lohnte die Mühe.

In der Podiumsdiskussion am Samstag in der Bibliothek, geschickt moderiert von Bernhard Hanneken (leider konnte Walter Mossmann nicht dabei sein), traten die offensichtlich unterschiedlichen Formate der Festivals auf der Waldeck und in Rudolstadt zutage, die, so war man sich einig, jedes für sich, ihren unverwechselbaren Charme und Sinngehalt aufweisen. Jacky gelang es herauszustellen, dass die Waldeck zu keinem Zeitpunkt aufgehört hat, Festivalort zu sein und dies mit dem gerade zu Ende gegangenen 50. Wiederkehr des ersten Liederfestes wieder unter Beweis gestellt hat. Die Beiträge von Oss Kröher bei der Podiumsdiskussion und bei seiner Lesung haben den Stellenwert der Waldeck auch in seinem Schaffen (und dem seines Zwillingsbruders Hein) eindrucksvoll unterstrichen.

Mit großer Spannung haben wir dann „pitters lieder“, das Konzert am Sonntag auf der großen Bühne im Burghof der Heidecksburg, mit Neuinterpretationen von Pitter-Liedern, arrangiert von Jan Tengeler, vorgetragen von Monika Drasch (48er-Lieder), David Saam (Landstreicherballaden) und Daniel Kahn (Jiddische Lieder) mit Band erwartet: Wieder großes Publikum, annähernd 2.000 Zuhörer. Wieder tolle Stimmung. Und sehr interessante musikalische Ergebnisse, mit aufwändiger instrumentaler Begleitung, die zu einem ganz neuen Hör-Erlebnis führten, im Arrangement etwas in der Art des musikalischen Ansatzes des Antistadl von David Saam und Christoph Lambertz bei ihrer Annäherung an das traditionelle deutsche Volkslied und dessen Wiederentdeckung. Nicht immer leicht nachzuvollziehen, insbesondere für denjenigen, der mit den Original-Pitter-Interpretationen groß geworden – und damit zwangsläufig befangen ist. Aber möglicherweise ein Weg, die Lieder von Peter Rohland einem neuen Publikum, dem Publikum von heute, das von Peter Rohland noch nie gehört hat, näher zu bringen. (Siehe dazu auch Holger Bönings Bericht im Folker 05.14 Seite 68).

Ende August wird der Mitschnitt dieses Konzerts vorliegen. Dann ist zu prüfen, ob es nicht lohnend wäre, das Konzert in der Festival-Formation an geeigneten Orten zu einer geeigneten Zeit zu wiederholen. Interesse aus dem Kreis der Protagonisten der Aufführung wurde bereits signalisiert.

Mit diesem Ausblick schließt mein Bericht. Der Ausflug nach Rudolstadt war in vielerlei Hinsicht lohnend und lädt zur Wiederkehr ein. Das Festival ist übrigens auch ein sehr anschauliches Beispiel einer inzwischen eingekehrten deutsch-deutschen Normalität.

mike

Köpfchen 3+4/2014, Seite 14ff.