Jahresrückblicke 2018 -2006

Jahresrückblick 2013

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Peter Rohland im Rastätter Schloss Foto: Ingrid Thörner

Sieben Jahre Peter Rohland Stiftung

Vor bald sieben Jahren, am 23. April 2006, wurde die Peter Rohland Stiftung zur Förderung des Liedes als gemeinnützige Einrichtung unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V. gegründet mit im Wesentlichen zwei Zielrichtungen:

  • Die Aufarbeitung und Vorstellung des künstlerischen Nachlasses von Peter Rohland für eine breitere Öffentlichkeit und
  • Die Förderung des Liedes, des Singens und des Musizierens.

Im Rahmen der ersten Zielsetzung konnte unsere Peter Rohland Ausstellung, die zu Pfingsten 2007 beim Internationalen Liederfest auf Burg Waldeck erstmals präsentiert wurde, inzwischen an sechs weiteren Orten gezeigt werden, darunter an so prominenten Erinnerungsorten wie

  • dem Rheinland-Pfälzischen Landtag in Mainz,
  • dem Willy-Brandt-Haus in Berlin

und, als vorläufiger Höhepunkt,

  • der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Rastatter Schloss (vom 18. April bis 18. Juli 2012, siehe den separaten Bericht von ali)

Das Motto der jeweiligen Eröffnungsveranstaltung war „Das politische Lied“. Dazu sprach Professor Dr. Holger Böning, Uni Bremen, zum Thema: „Peter Rohland, die Waldeck-Festivals und das politische Lied der Revolution von 1848“. Das musikalische Begleitprogramm wurde in unterschiedlicher Zusammensetzung von Black, Bömmes, Joana, Adax Dörsam und dem Duo Körbel & Letz bestritten. Der Vortrag von Holger Böning (nachzulesen auf unserer Website peter-rohland-stiftung.de) spannt einen weiten Bogen von den 48er-Liedern zu den Waldeck-Festivals mit Peter Rohland als Mittlerfigur. Die vom Berliner Verein „Lied und soziale Bewegungen“ übernommenen Bildtafeln zu den Waldeck-Festivals wurden jeweils mit gezeigt, so dass neben Peter Rohland immer auch die Waldeck im Fokus unserer Veranstaltungen war.

Das Presse-Echo unserer letzten Veranstaltung in Rastatt war besonders positiv. Neben Berichten in den örtlichen Zeitungen brachte die Stuttgarter Zeitung am 22. Mai 2012 einen ganzseitigen Artikel von Heinz Siebold über Peter Rohland unter dem originellen Titel „Der Liederwiederentdecker“ (nachzulesen auf unserer Website), der übrigens aus Anlass des achtzigsten Geburtstags von Peter Rohland am 22. Februar 2013 nochmals in den Badischen Zeitung und in der Südwest Presse in Göppingen erschienen ist.

Aus Anlass der fünfzigsten Wiederkehr des ersten Waldeck-Festivals 1964 im Jahre 2014 ist für 2014 ein weiterer Auftritt der Ausstellung zum Thema „Politisches Lied“ beim Festival TFF Rudolstadt angedacht. Ansonsten arbeiten wir an einer weiteren Präsentation der Ausstellung unter dem Motto „Jiddisches Lied“ vorwiegend in jüdischen Einrichtungen.

 

Der Schwerpunkt unserer Arbeit in den kommenden Jahren wird in der Förderung des Liedes, des Singens und des Musizierens liegen. Auch hier konnten wir in den vergangenen Jahren mit tatkräftiger Unterstützung u. a. von Plauder und Kerstin, von Annika und Stefanie sowie von Ömmel mit folgenden Veranstaltungen auf der Waldeck bereits sehr beachtliche Erfolge erzielen:

  • Singeworkshops für Gruppen, Gruppenführerinnen und Gruppenführer, bis 2011 unter Leitung von Plauder und Kerstin, ab 2012, erstmals vom 16. bis 18. März 2012, unter der Leitung von Plauder (Jörg Seyffarth), Chisum (Christoph Weber) und Herbert Schmidt. Der nächste Workshop in dieser Besetzung ist für Herbst 2013 geplant.
  • Singeworkshops für Jugendliche (11- bis 18-Jährige) unter Leitung von Annika Mies und Stefanie Karl, zuletzt im April 2011, zur Fortsetzung geplant im Frühjahr 2014.
  • A-cappella-Workshop unter der Leitung von Ömmel (Helmut Alba), zuletzt vom 26. bis 28. Oktober 2012, zur Fortsetzung geplant im 1. Halbjahr 2013.
  • Workshop „Eigene Lieder schreiben“, Pilotprojekt unter Mitwirkung von Theo Hoffmann, Lutz Eichhorn (Rhythmus Global/BDP MTK) und Martin Sommer (Sago) im September 2008.

Allen Mitwirkenden herzlichen Dank für ihren äußerst kreativen (ehrenamtlichen) Einsatz und die dabei erzielten tollen Erfolge, die uns ermutigen, diese Förderung, u. a. auch in Ergänzung zu den jährlich auf der Waldeck stattfindenden Peter-Rohland-Singewettstreiten, fortzusetzen und auszuweiten.

 

Zwei weitere Projekte der Stiftung betreffen die Herausgabe eines Waldeck-Liederbuchs als reine Textausgabe sowie die Unterstützung des WaldeckKulturStipendiums zusammen mit der ABW, zunächst einmal in einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Christof Stählin und der Sago.

 

Aus Anlass des achtzigsten Geburtstages von Peter Rohland in diesem Jahr hoffen wir schließlich, noch im Jubiläumsjahr unter Federführung von Helm König ein Peter-Rohland-Liederbuch „pitters lieder“ herauszubringen.

 

Fazit: Der Peter Rohland Stiftung ist es in den ersten sieben Jahren ihres Wirkens gelungen, aus dem Schatten der ABW herauszutreten und eigenes Profil zu gewinnen und damit auch das Ansehen der Waldeck zu mehren. Diesen Weg möchten wir in den kommenden Jahren kraftvoll fortsetzen. Damit dies gelingen kann, fordern wir kreative junge Menschen innerhalb und außerhalb der ABW auf, uns mit dem Ziel zu unterstützen, das Steuer unseres Schiffchens eines nicht zu fernen Tages selbst zu übernehmen.

mike

Köpfchen 3+4/2012, Seite 21ff.

 

 


 

 

WaldeckKulturStipendium

In einem offiziellen Faltblatt der Universität Mainz wird die Burg Waldeck als einer der wenigen „Erinnerungsorte“ von Rheinland-Pfalz genannt (u. a. neben dem Betzenberg-Stadion in Kaiserslautern).

Wenn sich Nicht-Waldeckianer an die Burg erinnern, so hat dies bis heute immer noch sehr viel mit der Geschichte der Jugendbewegung und vor allem mit den Festivals der sechziger Jahre zu tun.

Also mit der Vergangenheit.

Dabei wird oft übersehen, dass die Burg auch heute ein überaus lebendiger und anregender Rahmen für musische und intellektuelle Ereignisse ist, die es wert sind, sich an sie zu erinnern. Und dass die diese Ereignisse tragende und gestaltende Organisation, die ABW, eine Fülle von zum Teil chaotischen, in jedem Fall aber kreativen Mitgliedern hat, die in unregelmäßigen Abständen von der Vereinsleitung aufgefordert werden, darüber nachzudenken, was man denn auf der Burg noch so alles veranstalten könnte. Und vor allem: wer dies denn dann auch organisieren würde.

So geschehen im März 2011 unter dem anspruchsvollen Titel „Quo vadis ABW?“ Das Ergebnis dieser Debatte war eine Fülle von sehr originellen und überraschenderweise zum Teil sogar realisierbaren Vorschlägen.

Eine kleine Gruppe übernahm es, den Vorschlag: „WaldeckKulturStipendium“ weiter auszuarbeiten. Die Idee dahinter: Die Waldeck verdankt es u. a. den vielen Künstlerinnen und Künstlern, die überwiegend ohne Honorarforderungen z. B. das Internationale Liederfest zu Pfingsten und den Peter-Rohland-Singewettstreit bereichern, dass sie ein Ort ist, an dem Kultur in unterschiedlichsten Formen einfach stattfinden kann. Und diesen Kultur-Akteuren will die ABW eine kleine Gegenleistung anbieten, indem einige von ihnen für eine befristete Zeit als Gäste der ABW auf der Waldeck leben und an ihrer Kultur arbeiten können. Kleiner Nebeneffekt: Wenn dieses neue Angebot der ABW mal erfolgreich in die Gänge gekommen ist (was überaus erfreulicherweise ja jetzt geschehen ist) und sich dies auch rumgesprochen hat, dann gibt es einen guten Grund mehr, die Rolle der Waldeck als Erinnerungsort selbst über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus wahrzunehmen.

Reiner Kraetsch /Brummel

Köpfchen 3+4/2013, Seite 13

 

 


 

 

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Die ersten WaldeckKunstStipendiaten: Mascha Potempa und Holger Saarmann Foto: mike

Ein „Burgschreiber“ berichtet

Im Oktober 2013

Liebe Kenner der Kleinen Künste,

da vernachlässigt man ein Jahr lang die notwendige Veranstalter-Akquise und legt somit seinen Künstlerruf in Gottes Hand – und es passieren einem die tollsten Sachen:

Ich blicke aus meinem Arbeitszimmer nicht in den gewohnten Prenzlberger Innenhof, sondern aufs Gelände der sogenannten Burg Waldeck, der großen Lichtung oberhalb einer verfallenen Burganlage, die dort liegt, wo der Hunsrück vermutlich am schönsten ist: in der Baybach-Klamm. Da sehe ich nun auf die waldigen Hügel und kann die herbstlichen Farbtöne nicht mehr wegleugnen. Eigentlich ist dies der beste Ort, um – mit einer Flasche Pfälzer Federweißer – den Sommer zu verabschieden. Etwas wärmer hätte ich mir den Spätsommer gewünscht, aber ich will mich ja nicht beklagen, sondern jubeln:

Die Waldeck, namentlich die Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V. und die Peter Rohland Stiftung haben mir nämlich ein WaldeckKulturStipendium gewährt: einen mehrwöchigen kreativen Arbeitsaufenthalt – inklusive finanzieller Beihilfe!
„Burgschreiber“ könnte man das vielleicht auch nennen.

Seit Jahren träume ich vom Landleben, und davon, wie positiv sich ein solches auf mein künstlerisches Output auswirken könnte – prompt und von unverhoffter Seite schenkt man mir davon fünf Wochen!

Und tatsächlich, die optimistische Annahme hat sich bestätigt: Unter anderem habe ich geschrieben über ein imaginiertes Klassentreffen, die kleinen Straßen in der Hinterwelt, über das Radfahren in Berlin, eine aufrüttelnde Begegnung zur Geisterstunde, über Erkenntnisse zum gestrigen Tag, eine beinahe authentische Bamberg-Nostalgie und ein zufälliges Wiedersehen mit einer alten Freundin namens Momo.

Nicht, dass das alles von vorn bis hinten hier entstanden wäre: Vieles davon lag seit Jahren unangetastet in Kladden und Dateien, weil mir Muße und Geduld fehlten, jene Punkte, an denen es nicht weitergeht, zu überwinden. Die Waldeck inspirierte zu neuen Anläufen und zu Ausdauer bei der Fertigstellung.

Was fertig wurde, habe ich spaßeshalber schon mal auf holger-saarmann.de – als “Neu!“ – meiner Repertoire-Seite hinzugefügt, allerdings vorerst ohne die sonst üblichen Links zu den Liedtexten: Die möchte ich euch doch lieber erst einige Male vorgesungen haben – Details dazu in meinem Terminkalender – ehe ich sie zum Online-Schmökern freigebe.

Der Waldecker Schaffensdrang konkurriert durchaus gegen den Landschafts-Erkundungsdrang, denn diese unglaubliche Umgebung, die schon vor hundert Jahren die sangesfreudigen Wandervögel und vor fünfzig Jahren die zunehmend politisch bewegten Besucher der legendären Festivals „Chanson Folklore International“ (1964-69) anlockte, will unbedingt entdeckt werden!

 

Eigentlich hatte man mich (auf Anregung Christof Stählins) im Rahmen des „Internationalen Liederfestes“ zu Pfingsten nur gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, solche Stipendien koordinieren zu helfen, weil das halt irgendeiner machen müsse, der die Liedermacherei von innen her kennt. Ich sagte zu und grübelte daraufhin, was ich denn den künftigen Bewerbern über die Waldeck und das Stipendium erzählen solle. Ich selber hatte so viele Fragen, dass ich mich zum Selbstversuch anbot. Meine befreundete Kollegin Masha Potempa bekam Wind von der Sache und fragte, ob denn da nicht Platz für zwei sei; sie trete ohnehin beim Peter-Rohland-Singewettstreit auf.

So kam es, dass ich zumindest die ersten drei Wochen nicht allein hier verbringen musste, und das war auch gut so: Liedermacher sollten sich untereinander austauschen können, sollten testen können, ob die neuen Verse für andere Ohren überhaupt verständlich sind. 

Im Idealfall treten sie sogar gemeinsam auf: So durfte ich Masha beim Singewettstreit mit einer zweiten Gitarrenstimme unterstützen.

Wir haben unseren Aufenthalt fotografisch dokumentiert. Und da dieser Bericht auch zukünftigen Bewerbern als Info dienen soll, seht ihr auf holger-saarmann.de eine stattliche Auswahl an Bildern.

 

Eigentlich könnte man hier, im 2012 wiedererrichteten Mohrihaus, sogar Liedermacher mitsamt Familie einquartieren (wie Christof Stählin es angeregt hatte), wenn nicht die Unterkunft so hellhörig wäre, dass dann vermutlich für die Bufdis ein neues Quartier gefunden werden müsste. 

Klar, da gibt es (neben den allzeit gut ausgelasteten Gästehäusern) auch diverse bewohnbare Hütten auf dem Gelände, aber deren Pächter genießen natürlich das Vorrecht. Steht tatsächlich mal eine leer, so wie diesmal die Wiesbadener Hütte, so darf sich ein Liedermacher gern dort zum Arbeiten und Musizieren aufhalten. Man kann dort auch übernachten, wenn man es etwas atmosphärischer, etwas abenteuerlicher mag und auf den Komfort einer schnell erreichbaren Dusche oder Küche verzichten kann.

Natürlich habe ich das alles ausprobiert, sitze nun aber doch wieder in der (inzwischen zentralgeheizten) Konferenzstube des Mohrihauses: Um die Wiesbadener Hütte warm zu kriegen, hätte ich erst Holz sammeln oder kaufen müssen.

 

Peer, der Archivar, stellt mir neben informativen Büchern und Aufsätzen auch die 10-CD-Box „Die Waldeck-Festivals 1964-69“ zur Verfügung (deren offiziellem Erscheinen ich Pfingsten 2008, bei meinem ersten Waldeck-Besuch, beiwohnen durfte). Ich staune, während ich mich da nach und nach durchhöre: Neben all den frühen deutschen Liedermachern, denen die Festivals als Sprungbrett ins große Geschäft dienten, wurden hier bereits Mitte der Sechziger sämtliche Folk-Strömungen der Siebziger und Achtziger vorweggenommen:

Peter Rohland sang bereits jiddische Lieder und – neben Hein & Oss Kröher – aufmüpfige deutsche Volkslieder, so wie später Hannes Wader, die Bands Liederjan und Zupfgeigenhansel und unzählige Andere – und ab Mitte der Neunziger ich selber!

Michael Wachsmann interpretierte – mit Christof Stählin an der Gitarre – u. a. englische Lieder der Shakespeare-Zeit; auch das Jahre bevor sich eine Szene etablierte – sogar in der finstersten Provinz der Grafschaft Bentheim, wo ich mir Anfang der Neunziger, inspiriert durch Repertoire und Aktivitäten meiner Musiklehrer, Lautenlieder der Renaissance zu eigen machte.

François Villon – ja, war der überhaupt jemals vergessen? – Jeder, der was auf sich hielt, vertonte und sang Mitte der Sechziger seine Lyrik, auch auf der Waldeck. Und selbst das Mittelalter war bereits durch den Drehleier-Barden Karl Wolfram repräsentiert.

Die Nachbarländer (inkl. DDR), aber auch Amerika, Russland, Südeuropa und sogar Israel, sie alle waren auf den Festivals vertreten. Ich hebe hier nur das hervor, was in meiner eigenen Musikerbiographie eine Rolle spielte – ganz ohne dass ich dabei an die Waldeck gedacht hätte. Die nahm ich eigentlich erst wahr durch den Kontakt zu Christof Stählin. Aber diese Festivals, die ja ihrerseits auch in der Tradition der weltweit liedersammelnden Wandervögel wurzeln, haben fortgewirkt bis hinein in mein eigenes Schaffen.

All die auf der Waldeck präsentierten Genres und Künstler waren in den Medien nicht vorgekommen. Das änderte sich durch den Erfolg der Festivals. Von den Impulsen, die hier zusammenfanden, zehrte die Folk- und Chanson-Szene – befeuert durch (vorübergehendes) mediales Interesse – noch zwei Jahrzehnte. Heute herrschen in Funk & TV – von immer enger werdenden Nischen abgesehen – längst wieder Vor-Waldeck-Zustände.

„Überrascht uns!“, lautete die Aufforderung an die Musiker, mit der Diethart Krebs 1964 seine Begrüßungsrede beschloss. Ist das nicht ein wunderbarer Anspruch? Man stelle sich vor, nach diesem Kriterium würde ein heutiger Kleinkunst- oder Festivalveranstalter sein Profil erweitern – es wäre unerhört!

 

An dieser Stelle sei der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck und der Peter Rohland Stiftung, namentlich allen voran mike (alias Joachim Michael) ganz herzlich für ihre Gastfreundschaft, ihr Engagement und jedwede Form der Zuwendung gedankt.
Danke ebenfalls an das Burgvogt-Paar Dido & Happy Freund und ihr Team, insbesondere Martin Wimberg für angenehme Wochen des Zusammenwohnens.

Dies war mein vierter und mit Abstand längster Besuch auf der Waldeck, und ich reise ab mit dem Gefühl, dass da noch Einiges kommen wird.

Wenn demnächst das WaldeckKulturStipendium offiziell ausgeschrieben wird, werde ich mich als Koordinator üben.

Herzliche Grüße aus Berlin sendet Euch und Ihnen

Holger Saarmann

holger-saarmann.de

Köpfchen 3+4/2013, Seite 1 und 17f.

 

Kleine Straßen

Abgeschirmt vom Lärm der großen Straßen,

den mancher für das wahre Leben hält,

erstreckt sich ein völlig andre Welt,

eine Welt von außerordentlichen Maßen.

Das Leben und wodurch es Sinn erhält,

wohnt in den kleinen Straßen dieser Hinterwelt.

Die meisten Autos werden hier nie fahren,

denn Straßen, die das GPS nicht nennt,

die sind für manchen schlicht nicht existent.

Dem Spaziergänger, dem wird sich offenbaren:

Die kleinste Straße, wo immer auch versteckt,

führt überall dich hin – und sei es indirekt.

Im Frühjahr stehn hier alle Fenster offen.

Von oben, hinter all der Blütenpracht

hallen Liebesseufzer in die süße Nacht.

Daß du daheim bist, Liebste, will ich hoffen:

Es steht dein Haus, das vor sich hin verfällt

in einer dieser Straßen durch die Hinterwelt.

Wir frühstückten im Sommer dort, im Vierten,

vor deinem Küchenfenster auf dem Baugerüst.

Weil noch immer keiner ausgezogen ist

gehört dein Haus zu den noch nicht Sanierten.

Manch Investor glaubt ans leicht verdiente Geld

und mancher, der nicht hergehört, erkauft sich seinen Platz in der Hinterwelt

Wir Fußgänger, die diesen Kiez bewohnen,

wir wissen: Wenn man uns den Gehweg sperrt,

dann werden Baustellen zu Fußgängerzonen,

indem man Freitagsnacht den Zaun beiseite zerrt.

Und wenn Laternenschein das Labyrinth erhellt,

dann tanz ich mit dir auf den Straßen durch die Hinterwelt.

Schaust du im Herbst hinüber zur Fassade,

erkennst du, wenn die Nacht schon früh beginnt

und die Vorhänge nicht zugezogen sind,

vom Erdgeschoss bis unter die Mansarde

durch die Dämmerung des abendlichen Graus

einen Setzkasten des Lebens im ganzen Nachbarhaus.

Als dir bestimmter Gruß von gegenüber

scheint all der bunte Fensterschmuck gedacht,

der die Kluft zwischen den Jahren lichter macht.

Ich gesteh: Ein echtes Winken wär mir lieber

und hoff auf Schnee, der früh im Winter fällt –

als Decke für die kleinen Straßen in der Hinterwelt.

Das ist die Gegend, mit der ich mich umgebe –

vom vierspurigen Trubel unberührt.

Und fragt man mich, in welcher Welt ich lebe,

wohin ich denke, daß mein Weg wohl führt,

so erklär ich: Irgendwer hat mir erzählt,

die allerkleinsten Straßen, die führen durch die ganze Welt.

Holger Saarmann

(Burg Waldeck, September 2013)

Demoversion siehe http://snd.sc/1b34eO6

Köpfchen 3+4/2013, Seite 17

 

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Der Philosophentisch Foto: Mascha Potempa

Probe-Stipendium auf der Burg Waldeck

„Auf was für ner Burg?“,

... wurde ich häufig gefragt, wenn ich versuchte, den Ort zu beschreiben, an dem ich drei Wochen des Spätsommers verbrachte.
Die Verwirrung ließ nicht nach, wenn ich erklärte, dass es ja eigentlich gar keine richtige Burg gab, höchstens eine Ruine, und dass ich nicht aus Burgtürmen, sondern aus einem wiedererrichteten Fachwerkhaus am Rande eines großen Wiesengeländes auf den Hunsrücker Wald schaute.

Doch auch ohne „richtige Burg“ ist der Ort nicht weniger magisch. So fanden hier in den sechziger Jahren die legendären Burg-Waldeck-Festivals („Chanson Folklore International“) statt, bei denen unter anderem Hanns Dieter Hüsch, Reinhard Mey, Hannes Wader und sogar Christof Stählin auftraten. Und genau an diesem Ort, an dem damals also Geschichte geschrieben wurde, durften der befreundete Liedermacher Holger Saarmann und ich nun auch etwas schreiben – neue Lieder.

Im Rahmen des geplanten Stipendiums zur Förderung des Liedes der Peter Rohland Stiftung und der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck , verbrachten Holger und ich als Probestipendiaten mehrere Wochen auf dem schönen Gelände, um Musik zu machen, Texte zu schreiben und die Örtlichkeiten für künftige Stipendiaten zu erkunden und auszutesten.

Das Leben auf der Waldeck schwankte zwischen fast vollkommener Stille und Idylle bis hin zu voll befüllten Wiesen mit Zelten und Festivalbesuchern. Denn es ist immer noch einiges los auf der Waldeck, rund um Lieder und internationale Chansons…

Für den 14. Peter-Rohland-Singewettstreit konnten wir uns schon mit „Pfadfinderliedern“ rüsten, um später am Lagerfeuer mitsingen zu können und nutzten die Chance zu einem kurzen Auftritt.

Eine Woche später fand auch schon das Waldeck-Freakquenz Festival statt, bei dem ich noch spontan ins Programm integriert wurde. Bilder davon gibt’s unter mashapotempa.de.

 

Insgesamt war es ein tolle Zeit, mit spannenden Eindrücken, stillen schaffensreichen Stunden und einem regen kreativen Austausch bei abendlichem Wein.

Auf diesem Wege noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Peter Rohland Stiftung, insbesondere an mike, und an die Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck, für die großzügige Förderung und die engagierte Unterstützung. Ebenfalls geht auch ein großer Dank an Happy und Dido für die freundliche Aufnahme und an Martin, den ehemaligen Bufdi für das nette Zusammenleben im Mohri-Haus.

Masha Potempa

mashapotempa.de

Köpfchen 3+4/2013, Seite 17f.

 

In einer Stadt in der Ferne

Wie die Dieselmotoren rattern
und hoch von den Balkonen
Fahnen in allen Farben flattern
und darüber Tauben thronen

Schwalben sausen durch die Gassen
und Blicke fliegen hinterher
Auf den Tischen sammeln sich Tassen
und herum der Touristenverkehr

Frauen winken mit bunten Fächern
das sehen die Störche so gerne
hoch oben von ihren Kirchendächern
In einer Stadt in der Ferne

Ein Maler steht mit gebräuntem Genick
am bevölkerten Straßenrand
und die Leute bewundern den festen Blick
und die frei tanzende Hand

Hinter seinem Pinselstrich
scheint das harte Licht etwas milder
und er weiß die Welt ist lediglich
nur ein Abbild seiner Bilder

Und er fängt einen Mann in den Strichen ein
dass er darin zu leben lerne
dann lächelt er leise in sich hinein
in einer Stadt in der Ferne

Ich wanderte durch alle Gassen
und durch viele seiner Bilder
auch wenn die Farben langsam verblassen
sie strahlten für uns beide wilder

Und in den Schwalben, den Störchen, den Tauben
hab ich stille Komplizen gefunden
sie sangen zu ihren Himmelsschrauben
den Soundtrack meiner Stunden

Ich kannte jedes dunkle Loch
jede helle Straßenlaterne
und in meinen Gedanken da leuchten sie noch
In meiner Stadt in der Ferne

Masha Potempa 2013

Preis für den besten Liedtext beim „Liedl 2013“

Köpfchen 3+4/2013, Seite 18

 

 


 

 

Einladung

14. A-cappella-Seminar

Das nunmehr vierzehnte A-cappella-Seminar:

„Auf den Spuren der Barbershop-Musik“

findet vom

Freitag, dem 22. bis zum Sonntag, dem 24. November 2013

im Säulenhaus der Burg Waldeck statt.

Für alle, die neu dazukommen hier ein paar Informationen:

Was ist Barbershop-Musik?
Ende des 19. Jahrhunderts waren Friseurbesuche genauso langweilig wie heute – es sei denn, man vertrieb sich die gemeinsame Wartezeit mit Singen. Mittlerweile hat sich diese faszinierende Musik zu einem ganz eigenen Stil entwickelt.
Barbershop wird vierstimmmig und ohne instrumentale Begleitung (a cappella) gesungen und zeichnet sich vor allem durch ein besonderes Phänomen aus: den „expanded sound“, jenen satten, obertonreichen Klängen, die dem Zuhörer ein Hörerlebnis der besonderen Art bescheren. „Expanded sound“ lässt sich nur durch die exakte Abstimmung von Vokalen, Tonabständen und Lautstärke erreichen und ist das Ziel eines jeden Barbershop-Gesangs.

Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 15 Personen beschränkt.
Die Kosten für das Seminar incl. Vollverpflegung und Seminargebühr betragen 95 Euro und sind mit der Anmeldung zu entrichten.

Auf ein Wochenende in Harmonie und mit vielen Harmonien freut sich

Ömmel (Helmut Alba)

Anmeldung an: Helmut Alba info@helmut-alba.de
Wer mehr über Helmut Alba (Ömmel) erfahren möchte, kann hier nachschauen:
helmut-alba.de

Köpfchen 1+2/2013, Seite 10

 

14. A-cappella-Workshop

Hallo mike,

Nun ist es schon wieder ein Jahr her nach dem letzten, dem 13. A-cappella-Workshop auf der Waldeck.

Auch dieses Mal, am 22. bis 24. November 2013, waren wieder neue Leute hinzugekommen.

Schön war es, dass sich Schorsch, ehemaliger Bundesführer der Freischar, genauso wohl fühlte wie die anderen Sänger mit mehr oder weniger A-cappella-Erfahrung.

Interessant ist auch, dass immer wieder neue junge Leute hinzu stoßen:

Niklas, 20 Jahre,

Sabrina, 23 Jahre,

Alex, 28 Jahre,

Markus, 33 Jahre.

Und eben das mittlere Alter, fünfzig bis sechzig, war auch vertreten.

Leider haben die vier FSJottler der Burg Ludwigstein aus dienstlichen Gründen abgesagt.

Ömmel

Aus: Mail an mike 5. 12. 13

Köpfchen 3+4/2013, Seite 19

 

 


 

 

2013 3 4 S14
chisum, plauder & Herbert Foto: mike

„Lied Global“

für Gruppen, Gruppenführerinnen und Gruppenführer

mit

  • Jörg Seyffarth (plauder),
  • Christoph Weber (chisum)

und

  • Herbert Schmidt

vom 29. November bis 1. Dezember 2013 auf Burg Waldeck, Säulenhaus

Nachdem in den vergangenen Jahren in einer Reihe von Workshops unter Anleitung von plauder (Zugvogel) und Kerstin Schiel (ABW) sowie von Annika Mies und Stefanie Karl (VCP im Hunsrück) Grundlagenarbeit geleistet wurde, die sich bei einzelnen Gruppen-Auftritten beim jährlichen Peter-Rohland-Singewettstreit schon sehr positiv bemerkbar gemacht hat, haben Plauder und Freunde eine zweite Phase der Workshop-Arbeit eingeleitet.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Workshops sollen Lieder im Zeitalter von Globalisierung und Youtube stehen. Es werden neue und alte Lieder aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt erlernt: International und fahrtentauglich, im Original oder in deutscher Nachdichtung.

  • Wir üben fremdsprachige Texte ein.
  • Wir vermitteln eine passende Instrumentalbegleitung (Schwerpunkt Gitarre).
  • Wir überlegen uns neue, spannende Arrangements.

Am Ende des Seminars sollen sich die TeilnehmerInnen mit einer begrenzten Anzahl von Liedern so auseinandergesetzt haben, dass man sie auf einem Singewettstreit oder zu einem anderen öffentlichen Anlass gerne präsentieren möchte.

Jede/r Teilnehmer/in erhält ausreichend Liedmaterial und im Anschluss einen CD-Mitschnitt der wichtigsten erlernten Lieder.

Rückfragen und Anmeldung bis 20.10.2013 an:

Peter Rohland Stiftung per Joachim Michael (mike)
t.j.michael@gmx.de; T. 069-561818.

Köpfchen 1+2-2013, Seite 10