Jahresrückblicke 2018 -2006

Jahresrückblick 2010

Kopf2009 4 Seite23
3. Singeworkshop mit Kerstin & Plauder Foto: Fram

Bericht aus der Peter Rohland Stiftung (PRS)

Im September 2009 konnte mal wieder ein runder Geburtstag gefeiert werden, dessen Jubilar auf Geschenke verzichtete und dafür Zuwendungen an die Stiftung erbat. Das Ergebnis erreichte den vierstelligen Euro-Bereich. Sehr erfreulich, vielen Dank!

Im Oktober haben wir es dann geschafft: Wir konnten das Stiftungskapital knapp auf einen sechsstelligen Betrag anheben. Auch die Aufstockung um 5.000 € steht der ABW für die beschlossenen Investitionen langfristig zur Verfügung und bringt der PRS in Zukunft zusätzliche Zinseinnahmen als Grundlage für ihre Arbeit.

Und was macht diese Arbeit aus?

Anfang November fand mit Kerstin Schiel und Plauder (Jörg Seyffahrth) im Waldecker Schwabenhaus der dritte Singe-Workshop unter ihrer Leitung mit 25 TeilnehmerInnen aus zwei Pfadfindergruppen (Neuwied und Simmern) zum Thema „Lieder von Peter Rohland“ in guter Stimmung und mit gutem Erfolg statt. Beide Gruppen hatten sich schon an früheren Workshops beteiligt. Die Simmerner traten im September in der Kategorie „Fahrtengruppen“ mit Erfolg zum Waldecker Singewettstreit an. Die Neuwieder überlegen dies fürs kommende Jahr. Insofern tritt nun der ursprünglich beabsichtigte Effekt ein, nämlich Jugendgruppen in den Workshops im Singen so zu trainieren, dass sie beim Wettstreit Chancen haben. Der Pro-Kopf-Beitrag für die Teilnehmer beträgt für Unterkunft, Verpflegung von Freitag-Abend bis Sonntag-Nachmittag sowie Unkostenerstattung für die Kursleitung und Materialien je 25 Euro. Die Differenz auf die damit nicht abdeckbaren Kosten trägt die Stiftung.

Der Folge-Workshop mit Kerstin und Plauder ist für den Herbst 2010 bereits verabredet und wird vom 12. bis 14. November 2010 wieder auf der Waldeck stattfinden. Das Thema ist noch offen, wird aber wieder rechtzeitig publiziert.

Der nächste SingeWorkshop mit dem Team Annika Mies und Stefanie Karl ist für April 2010 verabredet und wendet sich an Gruppen mit jüngeren Kids. Annika ist dabei, weitere Helferinnen und Helfer zu mobilisieren, um für den Spiel- und Bewegungsdrang der Teilnehmer in den häufigeren Pausen Angebote bereit zu haben. Näheres dazu auf den Homepages www.peter-rohland-stiftung.de und www.burg-waldeck.de. In Papierform kann der Einladungsflyer mit dem Programm gern bei der Peter Rohland Stiftung angefordert werden – auch in kleineren Stückzahlen für die Weitergabe innerhalb von Gruppen.

Im November 09 fand auf der Waldeck auch ein weiteres A-cappella-Seminar statt, das von Ömmel geleitet und von der Stiftung finanziell gefördert wird.

Im Oktober 2009 war die Waldeck mit einem großen Konzertprogrgramm beim Kulturpunkt der Friedenskirche in Krefeld http://www.friedenskirche-krefeld.de/index.php zu Gast. Von 19.30 Uhr bis nach Mitternacht hielt das Publikum ganz überwiegend durch und sparte nicht mit Beifall. Für die Kasse der Stiftung ist ein Überschuss angekündigt. Jacky Jacobi-van Beek hat mit Joachim Watzlawik vom Kulturpunkt die Vor-Ort-Organisation perfekt hingelegt und die Künstler mal wieder – ganz herzlichen Dank! - zu gagenlosen Auftritten überreden können. Dunja steuert den Konzertbericht bei. Der gute Start könnte zu Fortsetzungen anregen.

Die vor Jahrzehnten von Peter Rohland aus Berlin auf die Waldeck gebrachte und von Heiner Kröher vor kurzem renovierte Bass-Balalaika ging beim letzten Singewettstreit zu Schulungszwecken mit befristetem Vertrag an den Zugvogel Deutscher Fahrtenbund e.V. Der Hauswart ihres Bundesheims Kochshof, Bölkes, hat sie in Verwahrung. Leider verstarb der für solche Schulungsaufgaben besonders qualifizierte Freund beim Zugvogel, Skynnie, Anfang Oktober 09 völlig unerwartet mit dreiunddreißig Jahren an einer Gehirnblutung. Das ist eine tragische Parallele zu Peter Rohland, dessen Leben 1966 im selben Alter an derselben Ursache ebenfalls abrupt endete. Beide waren nicht nur musikalisch hoch begabt, sondern auch als Menschen hoch geschätzt. Auch deshalb wurde der unerwartete Verlust von den jeweiligen Freundeskreisen besonders schmerzhaft empfunden.

Manche Eisen im Feuer der Stiftung müssen noch geschmiedet werden. Darüber wird dann berichtet, sobald Ergebnisse vorgezeigt werden können. Dem Hunsrücker Projekt „Der unbekannte Krieg“ wurde eine Förderung zugesagt.

Einstweilen bitten wir weiter um die Gunst geneigter Jubilare, die mit irdischen Gütern so weit versorgt sind, dass sie was für die Gemeinnützigkeit tun und statt Geschenken Dotationen an unsere Stiftung erbitten können. Das zuständige Finanzamt in Simmern hat nach Prüfung unserer Finanzen im Oktober ausdrücklich bestätigt, dass wir weiter steuerlich wirksame Spendenbescheinigungen ausstellen dürfen. Das tun wir gern für alle Spender, auch wenn kein Jubiläum zu feiern ist.

molo

Köpfchen 4/2009, Seite 22f.

 

 


 

 

Kopf2010 1 Seite16a
Logo „Der unbekannte Krieg“

Peter Rohland Stiftung

Im November 2009 trafen sich 25 Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit Kerstin Schiel und Plauder im Waldecker Schwabenhaus zum dritten von der PRS organisierten SingeWorkshop unter dem Motto „Hilfe, meine Gruppe singt nicht“. Man konnte bereits auf die beiden vorangegangenen Workshops aufbauen. Nachdem das Thema des Workshops das Liedrepertoire von Peter Rohland war, war das Schwabenhaus, an dem Peter Rohland anfänglich noch intensiv mitgebaut hatte, der passende Rahmen. Auch der fünfzehnminütige Landstreicherfilm mit Peter Rohland in der Hauptrolle kam nach Überwindung der üblichen technischen Anlaufschwierigkeiten zur Vorführung. Der vierte Workshop in dieser Reihe ist für November 2010 verabredet.

Ebenfalls im November 09 konnte Ömmel (Helmut Alba) vom Zugvogelbund wie geplant sein A-cappella-Seminar auf der Waldeck durchführen. Die Stiftung förderte es finanziell. Das geplante Frühjahrsseminar 2010 musste Ömmel leider absagen, da er sich nochmals einer schwierigen Operation unterziehen muss. Wir wünschen ihm dafür alles Gute.

Nun steht in 2010 erstmal in zweiten Durchgang der Frühjahrs-Singeworkshop für jüngere Gruppen mit Annika Mies und Stefanie Karl an.

Und dann kann das große Musik- und Theater-Spektakel „Der unbekannte Krieg“ im Mai in Kirchberg und Simmern erwartet werden. Hotte Schneider probte nach Weihnachten 09 im Sälchen mit jungen Hunsrückern für den Theaterteil. Einen Eindruck davon vermittelt der ins Netz gestellte Film von Barlo, siehe http://www.der-unbekannte-krieg.de/Theater.html. Das von der Landesmusikjugend RLP initiierte Projekt wird von der PRS finanziell unterstützt.

Ebenfalls finanziell gefördert wurde das Projekt „Das Pferd im See“. Unter diesem Titel hat Kai Engelke die vergessenen Lieder, Gedichte, Lebensdaten seines Vaters Jooschen Engelke zusammengetragen, publiziert und mit Freunden daraus ein Vortragsprogramm gestaltet. Es wurde 2009 sowohl auf der Waldeck, beim Waldecker Benefizkonzert in Krefeld wie auch andernorts mit Erfolg präsentiert. Nun wird eine CD produziert.

Die Arbeit der Stiftung geht also weiter, ja, sie nimmt langsam Routine an, was Vor- und Nachteile haben kann.

Auf jeden Fall steht das

Konto 12 177 770 bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, BLZ 560 517 90,

für steuerlich absetzbare Spenden weiterhin offen. Nachdem die neue Bundesregierung die Steuerzahler mit ihrem ersten Gesetz so großzügig entlastet, gibt es ja doch mancherorts Luft, unsere ehrenamtlich, also besonders kostengünstig betriebene Stiftung mit einem kontowirksamen Wachstumsschub zu bedenken.

Einnahmen der Stiftung kommen einerseits musischen Projekten zugute, die meist auf Burg Waldeck stattfinden. Andererseits erhöhen Überschüsse der Einnahmen über die Ausgaben schrittweise das Stiftungskapital, mit dem nicht etwa am Finanzmarkt gezockt wird. Es wird ganz seriös der ABW als Darlehen für die notwendigen Investitionen zur Verfügung gestellt. Der Stiftung wachsen daraus Zinseinnahmen für ihre Arbeit zu.

In 2009 konnte das Kapital um 10.000 € erhöht werden, wozu auch ein runder Geburtstag beigetragen hat, dessen Jubilar auf Geschenke verzichtete und dafür um Spenden für die Stiftung bat. Das schon mehrfach praktizierte Beispiel kann empfohlen werden.

Für weitere Zuwendungen vielen Dank im Voraus!

molo

Köpfchen 1/2010, Seite 15f.

 

 


 

 

Kopf2010 1 Seite17a

Einladung zum

Singeworkshop für Kinder und Jugendliche

(Lagerfeuer-)Lieder aus aller Welt

für alle etwa Elf- bis Fünfzehnjährigen

vom 9. bis 11. April 2010 im gemütlichen Schwabenhaus auf Burg Waldeck

Beim Singewochenende lernen wir neue einstimmige und mehrstimmige Lieder, die ihr in eure Gruppen mitnehmen könnt. Auch einige Grundlagen zum Gitarrenspielen könnt ihr lernen. Unser Ziel ist es eine CD zu erstellen, mit der ihr dann zuhause weiter üben könnt.

Jedes Jahr im September wird auf der Waldeck ein Singewettstreit veranstaltet und die von der Peter Rohland Stiftung unterstützten Singeworkshops sind eine Ergänzung dazu. Die Peter Rohland Stiftung wurde 2006 auf Burg Waldeck gegründet und fördert im Sinne des Sängers und Liedhistorikers Peter Rohland das Singen und das Lied.

Den Workshop leiten Stefanie Karl und Annika Mies

Spannendes Programm:

Freitag: Treffen um 18 Uhr auf Burg Waldeck

Lustige Kennenlern-Runde

Singeabend zum Aufwärmen

 

Samstag: Wir lernen gemeinsam neue Lieder

Freizeit zum Gegend-Erkunden

Workshops: mehrstimmiger Gesang und Gitarrenbegleitung

Wir musizieren zusammen und nehmen uns auf CD auf

„Bunter Abend“: selbstgemachte Musik

 

Sonntag: Wir singen noch einmal alle Lieder

Abschlussrunde (etwa 14/15 Uhr)

Freiwillig: Gästen etwas vorsingen

Jeder darf das Liederheft und eine CD mit nach Hause nehmen um weiter zu üben

Infos:

Kosten für das Liederheft, CD, die Übernachtungen und leckeres Essen:

nur 25 Euro pro Teilnehmer

(nach der Zusage direkt auf das Stiftungskonto (siehe unten) überweisen!)

Bitte mitbringen: Schlafsack, Waschzeug, Matschschuhe, deine Freunde und vielleicht eine Gitarre

Anmeldung möglichst früh oder bis 15. März 2010 an:

Annika Mies, 0176-206 51 607, steffenshof@gmx.net

(ihr könnt mir auch Fragen stellen!)

Der Workshop wird unterstützt von der Peter Rohland Stiftung zur Förderung des Liedes

www.peter-rohland-stiftung.de und www.burg-waldeck.de

Köpfchen 1/2010, Seite 17

 

kpf10 02 3Netz 639179 Seite22
Abschlusskonzert Foto: Annika

PRS-Singeworkshop mit Annika & ihrem Team

Vamos a Burg Waldeck

Ich schreibe diese Zeilen noch mit dem Duft von Lagerfeuer in der Nase, denn neben mir auf dem Stuhl liegen die rauchigen Klamotten vom Singeworkshop-Wochenende, das von der Peter Rohland Stiftung veranstaltet wurde und vom 9. bis zum 11. April 2010 stattfand. Die Fingernägel sind zwar schon wieder sauber, aber der Kopf schwingt noch voller Melodien. Hach ja, was haben wir gesungen! Drei Tage und zwei Nächte. Lieder aus vielen Ecken der Welt. Laut und leise. Leise und laut. Selbst beim Spülen nach dem leckeren Essen haben wir die gute Akustik in der Küche genutzt und weiter gesungen.

Zwischendurch haben wir gruppenweise Gitarre spielen gelernt oder uns mit verrückten Gruppenspielen ausgetobt, wir haben sehr viel Feuerholz im Wald gesammelt, daraus allerlei Werkzeuge geschnitzt und gemütliche Lagerfeuer gemacht; wir haben lustig über alles Mögliche diskutiert, mit Diabolos jongliert und Prinzessin auf der Erbse gespielt. Ein besonderes Highlight war die Wanderung zur Burgruine, denn auf dem Rückweg konnten wir an steilen Berghängen hochklettern. Auch besuchten wir unsere netten Nachbarn, die bei einem Pfadfinder-Kurs neben unserm Gruppenhaus zelteten. Sie zeigten uns und den Waldeck-Zivis, wie man aus „Plörre“ einen leckeren Tschai zaubert und sangen die ganze Nacht schöne Lieder. Dafür haben wir ihnen das legendäre Kubb-Spiel für ein großes Spieleturnier ausgeliehen.

Dieses Jahr waren beim Singeworkshop wieder viele Teilnehmer vom Hunsrück und seiner Umgebung dabei, und einige kamen extra aus Aachen oder Hessen, und wir hatten sogar Gäste aus Frankreich. Wir wohnten gemeinsam im Schwabenhaus und im Baumhaus auf Burg Waldeck. Einige Sänger kannten die Lieder schon aus der Schule oder ihrer Pfadfindergruppe, aber manche Lieder waren für alle neu. Deshalb durfte jeder ein tolles Liederbuch mit über hundert Liedern und vielen Seiten Gitarrenspiel-Tipps mit nach Hause nehmen.

Zehn tolle, meist mehrstimmig selbstgesungene Lieder kann ich mir anhören, wenn ich jetzt beim Schreiben dieser Zeilen die CD einlege, die jeder Teilnehmer schon direkt vom Workshop mit nach Hause nehmen konnte. Natürlich haben wir bei den Singe-Abenden noch viel mehr Lieder aus dem Liederbuch gesungen. Neben unseren eigenen gesungenen Liedern sind auch die Titel aus dem Liederbuch mit auf der Platte, die wir noch gar nicht gesungen haben. So kann sich jede Sängergruppe weitere Songs zu Hause selbst beibringen. Auch viele lustige Fotos sind mit auf der CD drauf. Wenn ihr noch mehr von den Fotos sehen wollt, könnt ihr euch die Webseite www.singeworkshop.de.vu anschauen, wo wir auch einige Liedtexte sowie die Infos zu unserm nächsten Frühlings-Workshop im Frühjahr 2011 veröffentlichen werden.

Wir Singeworkshoper wollen uns alle zum Pfingstfestival 2010 und auch bei den Singewettstreiten im September wieder auf der Waldeck treffen und mal sehen, ob die Festivalbesucher am Lagerfeuer auch Lieder singen, die wir gelernt haben. Bis dahin lernen wir fleißig Gitarrespielen mit den Tipps im Liederbuch und alle Teilnehmer können mit der praktischen Adressenliste das Leitungsteam jederzeit nach weiteren Zupfmustern, Akkorden und Liedtexten fragen. Beim Singeworkshop haben wir unseren Eltern und Freunden ja schon ein kleines Konzert gegeben und vielleicht singen wir auch an Pfingsten und im September gemeinsam einige Liedchen.

Ihr könnt alle schon mal den Rhythmus-Klatsch-Kanon lernen, damit ihr demnächst mit uns Workshopern mitklatschen könnt. Zum Üben zählt ihr einfach immer die Schläge mit: Drei und drei und sieben und fünf und neun und. Die zweite Kanongruppe setzt mit dem Anfang ein, wenn die erste Gruppe bei fünf ist. Das schafft ihr schon! Fragt uns einfach an Pfingsten, wie es geht. Mit acht Wörtern in jeder Zeile und einem Enjambement in der vorletzten Zeile könnt ihr den Kanon vielleicht besser lernen:

Hand, Bumm, Bumm, und, Hand, Bumm, Bumm, und,

Hand, Bumm, Bumm, Bein, Bein, Po, Po, und,

Hand, Bumm, Bumm, Bein, Bein, und, Hand, Bumm,

Bumm, Bein, Bein, Po, Po, Fuß, Fuß, und.

Annika und die Singe-Workshoper

Auf der Website www.singeworkshop.de.vu findet Ihr unter anderem viele Fotos von den Sängern 2010 und sogar ein Video, Liedtexte, Klatschrhythmen, Gitarrentipps und auch alles über den Workshop vom vorigen Jahr.

Köpfchen 2+3/2010, Seite 21ff.

 

 


 

 

Kopf2009 4 Seite25
Auf der Präsentationsveranstaltung für das Projekt „Der unbekannte Krieg“
in Kastellaun setzte die Frauen-Brass-Band „Wonderbrass“ gekonnt ein
Kompositionsbeispiel von Carsten Braun um. Foto: Gisela Wagner

Waldeck auf der Bühne

„Der unbekannte Krieg“

Ein spannendes Projekt der Landesmusikjugend gegen das Vergessen

Geschehnisse auf Burg Waldeck rund um den Zweiten Weltkrieg sind Teil eines Bühnenwerkes, das zur Zeit von der Landesmusikjugend Rheinland-Pfalz vorbereitet wird und am 8. und 9. Mai 2010 zur Aufführung kommen wird. Es handelt sich um ein aufwendiges Projekt mit Chor, Orchester, Schauspielern und Videoprojektionen. Der Titel ist „Der Unbekannte Krieg“. Am Titel erkennt man schon, dass hier die Zielgruppe „Junge Leute“ angesprochen wird. Denn während für Erwachsene die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges gegenwärtig sind, haben Jugendliche heutzutage oft wenig oder gar keine Kenntnis über die Schrecken dieser Zeit.
Die Landesmusikjugend hat für dieses Projekt, das unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten steht, Spezialisten engagiert, die für einzelne Genres verantwortlich sind, z.B. Carsten Braun als Komponist und mich als Autor und Regisseur der Theater-Elemente. Carsten hat ein Requiem zum Krieg komponiert, ich habe die Aufgabe, in Ergänzung Geschehnisse vor dem Krieg zu inszenieren. Genauer gesagt, werde ich dabei Ereignisse spiegeln, die sich damals in Dorweiler und auf Burg Waldeck zugetragen haben.

Dazu verarbeite ich Ereignisse wie die Ruinenbesetzung und das Hungerleiden im Winter 1922/23, der Überfall auf die Burg durch Hitlerjugend und SA im Juni 1933, Weltfahrer in Peking im September 1933, als sie per Brief von den Geschehnissen in Deutschland erfahren, oder die Razzia am Silvesterabend 1935 in Dorweiler, als die Gestapo Werner Helwig suchte.

Dabei werde ich die Handlung und die Personen mit den Schauspielern nicht nur realistisch, eins zu eins umsetzen, sondern auch frei gestalten zugunsten einer verständlichen Vermittlung für heutige Jugendliche. Zum Beispiel könnte im Spiel aus einer reinen Jungensbewegung auch eine gemischte Bewegung werden. Namen können verändert werden. Wir werden sehen. Ort und Zeit bleiben in jedem Fall authentisch.

Zentrales Element der Aufführung wird eine Komposition von Carsten Braun (www.carstenbraun.de) sein. Diese wird etwa eine Stunde Spieldauer haben und ganz anders klingen als alles, was Ihr vielleicht von einem herkömmlichen Requiem erwartet. Carsten wollte dieses schwierige Thema mit einer entsprechenden Musik nicht noch schwerer verdaulich machen. Stattdessen verwendet er Sounds und Stile, die Jugendliche auch in ihrer Freizeit hören: Drum & Bass, Trip Hop, Electronic, Rock, Pop – sogar Techno! Das kombiniert er jeweils mit klassischem Orchester und Chorgesang. Eine ungewöhnliche Mischung, aber sie funktioniert fantastisch.

Carsten hat hier deutsche, englische, französische und russische Gedichte vertont, die sich alle mit den Themen „Krieg“ und „Frieden“ beschäftigen. Seine Beats und Klangflächen werden dazu über eine große Soundanlage als Halbplayback eingespielt, der Jugendchor No Limits wird dazu singen, das Kammerorchester der Kreismusikschule sowie das Kreisjugendorchester werden dazu spielen.

Timo und Maik sind für die „multimediale“ Umsetzung der Musik und Inhalte verantwortlich. Neben der Veranstaltungstechnik werden hier mit Jugendlichen Licht-Präsentations- und Installationskonzepte als unterstützendes oder eigenständiges Element zur Musik und zum Theater erarbeitet und umgesetzt.

Für meine Schauspiel-Abteilung werden zur Zeit Teilnehmer rekrutiert. Es können also noch Leute einsteigen. Ich würde mich freuen, wenn auch einige Waldecker dabei wären. Wir werden an drei Wochenenden im Frühjahr daran arbeiten. Bitte meldet Euch bald bei mir.

Aufführungen: 8. und 9. Mai 2010 in Kirchberg und Simmern, zum 65. Jahrestag des Kriegsendes.

Das Projekt ist inzwischen Preisträger beim bundesweiten Wettbewerb „plus-punkt-kultur“ geworden, http://plus-punkt-kultur.de.

Hotte Schneider

Veranstalter:
Landesmusikjugend Rheinland-Pfalz, JuBiRef Roland Unger, Kurfürstenstr. 16a, 54516 Wittlich,
Tel.: 06571 – 14 97 15, Fax: 06571 – 14 97 16, E-Mail: geschaeftsstelle@lmj-rlp.de
URL: www.lmj-rlp.de

Köpfchen 4/2009, Seite 24f.

 

kpf10 02 3Netz 639179 Seite24
1933: SA überfällt die Waldeck Foto: molo

Weltkrieg und Waldeck

„Der unbekannte Krieg“

Aufführung in Hallen des Hunsrück

Manchmal wird behauptet, junge Leute hätten die Nase voll von alten Geschichten über Nazizeit, Krieg etc. Am 65. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs war die Stadthalle im Hunsrück-Ort Kirchberg ausverkauft und bis auf den letzten Platz gefüllt. Die jungen Leute waren allerdings überwiegend mit Engagement auf der Bühne aktiv, im Publikum waren Erwachsene in der Mehrheit. Thema des Abends war das nunmehr rund eine Generation zurückliegende Kriegsende am 8. Mai 1945. Am Ende zeigte lang anhaltender Beifall, dass die gegen das Vergessen gerichtete Show niemand unberührt gelassen hatte.

 

In zwei Etappen wurde an das Ereignis erinnert: zunächst in einer von Hotte Schneider wirkungsvoll inszenierten Theater- und Multimedia-Show, die historisch belegte Vorgänge aus Dorweiler und der Burg Waldeck darstellt. Im Mittelpunkt stehen die dramatische Landung des Dorweilerer Lehrersohns und Jagdfliegers German Moskopp auf einer Obstwiese nahe seinem Heimatort am letzten Kriegstag. Und die brutale Besetzung der Wandervogelburg Waldeck durch SA und HJ zu Beginn der Naziherrschaft im Juni 1933.

Theaterszenen mit jungen Hobbyschauspielern – darunter mit Franz Riemann und Barlo Hillen auch Nachwuchs von Waldeckern – wechseln sich auf der Bühne ab mit der Projektion alter Waldecker Filmaufnahmen und Interview-Ausschnitten mit dem Zeitzeugen German Moskopp, der zwei jungen Frauen von seiner Flucht vor der roten Armee per Flieger aus der Tschechoslowakei in den Hunsrück erzählt. Eine Szene zeigt, wie er dann im Ort von den Opfern erfährt, die der Krieg in seiner Familie und im Dorf gefordert hat. Auch der Tod des dekorierten Weltkrieg-I-Soldaten und Jugendburg-Gründers Robert Oelbermann im KZ Dachau 1941 samt seiner Schilderung der mörderischen Somme-Schlacht von 1916 – „Tod, nichts als Tod“ – ist Teil einer Szene. Viele unter den mehreren hundert Zuschauern werden sich nach der spannenden Darstellung von Ereignissen aus der Hunsrücker Nachbarschaft wohl gefragt haben, wo denn diese Burg Waldeck nun liegt.

 

Nach einer Pause wurde dann die Requiem-Komposition des jungen Kastellauner Musiklehrers Carsten Braun nach Texten u. a. von Trakl, Apollinaire, Lersch, Wysozkij, Meckel und Kaschnitz aufgeführt. Man hatte den Eindruck, dass alle Kinder und jungen Leute, die im Hunsrück Musik machen und singen können, eng gedrängt auf Bühne versammelt waren, gut zweihundert Personen. Das in fünf Sektionen unterteilte Requiem gab akustisch ein gewaltiges Panorama der weit zurückliegenden Kriegszeit, unterteilt in fünf Sektionen von „Der Krieg wirft sein Schatten voraus“ über „Im Gefecht“ bis zu „Hoffnung, Aussicht, Frieden“.

 

Unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsident Joachim Mertes war eine ganze Garde junger Leute für das Projekt engagiert: Landesmusikjugendleiter Ralf Piroth, das Projektleitungsteam Roland Unger, Christoph Schnaß, Peter Schulz sowie Maik Helfrich und Timo Ludwig für Multimedia und Licht/Ton. Last not least Volker Klein, der das große Orchester und den stimmstarken Chor dirigierte.

Erstaunlich, welche Begabungen eine Landschaft mobilisieren und zu intensiver Kooperation zusammenbringen kann, wenn eine zündende Idee über längere Zeit zielstrebig verfolgt wird. Dem Hunsrück kann zu diesem bundesweit einmaligen Projekt gratuliert werden, an dem außer der Landesmusikjugend der Landesverband der Musikschulen RLP, die Kreismusikjugend und die Kreismusikschule Rhein-Hunsrück, das Musikforum Kastellaun e.V., der Caritasverband Boppard, der Ev. Kirchenkreis Simmern und die IGS Kastellaun aktiv mitwirkten.

Wie das Programm ausweist, wurde das Projekt von einer ganzen Reihe kommunal und kulturell engagierter Einrichtungen gefördert und gesponsert. Die Peter Rohland Stiftung hatte sich schon früh für einen Förderbetrag entschieden, den man als gut angelegt betrachten kann.

molo

Einen Eindruck von der Veranstaltung gewinnt man von einem Trailer unter http://www.youtube.com/watch?v=xQc3Sot6pQc.
Ein Mitschnitt erscheint im Juli als DVD.
Kontakt: www.der-unbekannte-krieg.de, hotte.schneider@web.de.

Köpfchen 2+3/2010, Seite 23ff.

 

Landesmusikjugend kann weitermachen

Ausgezeichnet: Der unbekannte Krieg

Das musikalische, multimediale Projekt der Landesmusikjugend Rheinland-Pfalz „Der unbekannte Krieg“ ist am 13. September 2011 auf Schloss Genshagen bei Berlin von Staatsminister Bernd Neumann mit dem „BKM-Preis kulturelle Bildung“ausgezeichnet worden.

Der „BKM-Preis für Kulturelle Bildung“ [BKM = Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien] honoriert seit 2009 alljährlich hervorragende Projekte der künstlerisch-kulturellen Vermittlung. Der Preis ist mit insgesamt 60.000 € dotiert. In der Regel werden drei Preise verliehen.

„Der unbekannte Krieg“ ist das erste rheinland-pfälzische Projekt, das mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Die LMJ wurde für die Fortführung ihres ambitionierten Projekts mit 20.000 € prämiert.

Der Projektleiter Roland Unger schrieb an molo: „Wir sind uns bewusst, dass wir ohne die Unterstützung der Peter Rohland Stiftung nicht so weit gekommen wären. Und dafür möchten wir uns noch einmal sehr herzlich bei Ihnen bedanken.“ Die frühe Unterstützung bestand in einem Scheck, wesentlich bescheidener als der des BKM. Aber zu einem Zeitpunkt als das Projekt noch am Anfang war.

Weitere Informationen zur Preisverleihung auf den Internetseiten der Bundesregierung:
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2011/09/2011-09-13-bkm-preis-kulturelle-bildung,layoutVariant=Druckansicht.html

und der Landesregierung RLP:
http://www.rlp.de/no_cache/einzelansicht/archive/2011/september/article/preis-fuer-kulturelle-bildung-par-excellence-2/

Köpfchen 3+4/2011, Seite 31

 

 


 

 

kpf 11 01 web Seite30
Black begleitet die Ausstellung Foto: molo

Die Peter Rohland Stiftung lädt herzlich ein zur Eröffnung der Ausstellung

Peter Rohland, die Waldeck-Festivals 1964- 1969

und das politische Lied der Revolution von 1848

am Montag, 11. Oktober 2010, abends

im Institut für Bildung, Medien und Kunst

der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

in 32791 Lage, Teutoburger-Wald-Straße 105.

Das Institut, am Teutoburger Wald zwischen Bielefeld und Detmold gelegen, ist eine Bildungsstätte von ver.di für Kurse mit Teilnehmergruppe von 10 bis 80 Personen. Das Veranstaltungs- und Ausstellungprogramm des Instituts in der eigenen Galerie zieht auch Publikum aus der Umgebung an.

Programm: Begrüßung durch den Hausherrn

Vortrag zum Ausstellungsthema:

Prof. Dr. Holger Böning, Universität Bremen

Einführung:

Josef Haverkamp

Wolfgang Züfle, beide Peter Rohland Stiftung

Lieder zum Ausstellungsthema:

Black – Lothar Lechleiter, Bonn

Die Ausstellung wird dort für vier Wochen zu sehen sein.

Informationen: www.peter-rohland-stiftung.de
www.burg-waldeck.de

molo

Köpfchen 2+3/2010, Seite 21

 

 


 

 

2010 CD

Hallo A-cappella-Freunde –

und solche, die es werden wollen!

Unser achtes A-cappella-Seminar findet vom 10. bis zum 12. September und das neunte vom 26. bis zum 28. November 2010 im Säulenhaus der ABW statt.

Die Teilnehmerzahl ist jeweils auf maximal sechzehn Personen beschränkt.

Die Kosten für das Seminar incl. Vollverpflegung und Seminargebühr betragen 95 Euro und sind mit der Anmeldung per Mail oder Fax zu entrichten.

Auf ein Wochenende in Harmonie und mit vielen Harmonien freut sich

Helmut Alba (Ömmel)

Gefördert durch die Peter Rohland Stiftung

Köpfchen 2+3/2010, Seite 20

 

Rückblick und Ausblick

A-cappella-Workshops mit Helmut Alba (Ömmel)

Die Teilnehmer am November-Workshop 2010 haben eine starke musikalische Steigerung verspürt. Eine Teilnehmerin bedankte sich und schrieb:

„Es war total intensiv und auf einem sehr hohen Niveau. Klasse! Hat Spaß gemacht und ich habe heute immer noch viele „Stimmen im Ohr!“

Leider hatten kurzfristig drei Sänger wegen Krankheit und dem plötzlichen Wintereinbruch absagen müssen.

Das Highlight fand am Sonntag statt, als wir im Flur des Säulenhauses ein kleines Platzkonzert für alle Besucher, die an diesem Wochenende auf der Waldeck waren, geben mussten – durften! Eingefädelt hatte das eine dreizehnköpfige Frauengruppe aus dem Schwabenhaus, die uns beim Proben einen Tag zuvor belauscht hatte.

Die nächsten beiden Termine für das Jahr 2011 stehen schon fest:

1. Der zehnte A-cappella-Workshop findet statt vom 7. – 9. Oktober 2011

2. Der elfte A-cappella-Workshop findet statt vom 21. – 23. Oktober 2011

Aus dem Kreise der begeisterten Zuhörerinnen vom letzten Workshop sind schon erste Anmeldungen für den nächsten eingegangen, inklusive einer Chorleiterin aus Bonn. Ebenfalls hat sich eine Gruppe aus Flensburg mit fünf Sängern angemeldet.

Helmut Alba (Ömmel)

Die A-cappella-Workshops von Helmut Alba werden gefördert von der Peter Rohland Stiftung.

info@helmut-alba.de

Köpfchen 1/2011, Seite 29

 

 


 

 

kpf 11 01 web Seite26
Zu Gast beim Zugvogel Foto: molo

Skomorochi-Fest auf dem Kochshof

Die wundersame Reise

von pitters Bassbalalaika:

ihr Abschied vom Kochshof

Es war die schöne Idee von plauder, die Übergabe der Bassbalalaika durch die Peter Rohland Stiftung vom Zugvogel an den BdP-Stamm Pilgrim Falkoni, Neuwied, wo sie ein neues Zuhause auf Zeit finden soll*, im Rahmen eines eigens dafür anberaumten russischen Skomorochi-Festes** zu vollziehen. Ein geeigneter Termin, der 6. November 2010, war schnell gefunden. Als, wie sich herausstellen sollte, idealer Festplatz kam nur der Kochshof in Frage.

Bestens eingestimmt durch plauders inspirierende Einladung machten wir uns (d.h. ein großer Teil des PR-Stiftungsrats: Gisela, molo, Josef, dex und ich, der Rest war leider verhindert) auf den Weg, den letzten Teil, wie sich das gehört, zu Fuß, gespannt, was uns gleich erwarten würde.

Wir müssen gestehen, dass wir vom Kochshof zwar viel Rühmliches gehört, ihn aber – mit Ausnahme von Josef – nie persönlich erlebt hatten. Noch unterwegs lesen wir auf einer Hinweistafel vom „Bergischen Dreiklang“ aus schwarzen Balken, weiß gekalkten Gefachen und grünen Schlagläden, den ein typischer Bergischer Hof aus Fachwerkhäusern wie den Kochshof auszeichnet.

Und dann blicken wir auch schon hinab auf die mächtige Hofanlage, wo am Eingang in Stein gemeißelt steht:

Kochshof erbaut um 1149

seit 1987 Bundessitz des Zugvogel Dt. Fahrtenbund

Kaum angekommen erhalten wir eine persönliche Führung von pit mit einem packenden Bericht über die lange Geschichte des Hofs von seinen Anfängen als Lehenshof, seinem schenkweisen Übergang 1327 an die nahe Zisterzienser Abtei Berge, seinem Rückfall an die Landesherrn im Zuge der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin zu den dramatischen Jahren 1985-87, als es dem Zugvogel mit Unterstützung der Bevölkerung und der Gemeinde Odenthal gelang, die mittlerweile schon hinfälligen Baulichkeiten vor dem Abbruch zu retten, sie mit Hilfe des rasch gegründeten Vereins zum Erhalt und Betrieb des Denkmals Kochshof vom Land NRW zu erwerben und in zwanzigjähriger eigener harter Arbeit der Bauhütte des Zugvogel von Grund auf zu sanieren und wiederherzustellen. Was das bedeutete und welches Maß an Energie, Durchhaltevermögen und handwerklichem Geschick notwendig war, konnten wir an den neu erstandenen Baulichkeiten und pits Erläuterungen dazu erkennen:

Da ist das wunderbare alte Backhaus, „Bakkes“ genannt, der erste Bauabschnitt der Bauhütte, das wieder voll funktionsfähig ist und in dem mindestens einmal im Jahr zum großen Patentreffen wieder Brot gebacken wird; die stattliche Remise, in der die Werkstätten und die Kanzlei des Zugvogel untergebracht sind und das Haupthaus mit der Residenz des Hofvogts, der Chronistenstube, der Bibliothek und, pits besonderer Stolz, dem Archiv.

Auf Schritt und Tritt wird deutlich: Hier waren Profis am Werk. Hunderttausend Arbeitsstunden Eigenleistung hat man errechnet. Da fallen uns unsere vergleichsweise bescheidenen Bemühungen um den Umbau des Schwabenhauses auf der Waldeck in den fünfziger Jahren wieder ein, wo Profis später unsere teilweise sehr unzureichenden „Handstreiche“ überarbeiten, sprich „rückbauen“ mussten.

Dann stoßen wir zum Herzstück des Kochshofs vor, dem alten Stall- und Scheunengebäude. Inzwischen ist es dunkel geworden. Vom Rittersaal kommend schauen wir von der Empore hinab in den riesigen Sängersaal, dem über achthundert Jahre alten Bruchsteinteil des ehemaligen Stalles. Der große offene Kamin ist bereits angezündet, der Raum mit langen Tischen festlich beleuchtet, von der hohen Decke, die bis hinauf zu den freigelegten Dachsparren reicht, hängt ein riesiger eiserner Radleuchter herab, dessen Entstehung dem Genius von fotler zugeschrieben wird. An den Wänden sind in das Thema des Abends einstimmende Photographien von russischen Szenen mit den Protagonisten des Abends: hexe, fotler und plauder aufgehängt.

Das Stimmengewirr von unten aus dem Saal nimmt deutlich zu. Es sind generationsübergreifend, von gero mit 85 Jahren bis zu den Pfadi-Kids aus Neuwied, an die hundert Gäste versammelt vom Zugvogel, von der Freischar, darunter die Bergische Klingel, und natürlich ein großer bunter Haufen vom BdP Neuwied, die sich heute Abend die Bassbalalaika abholen wollen. Einige Gäste sind einschlägig kostümiert. Auffallend fotler als Operetten-Rotarmist. Wir steigen hinab. Das Fest kann beginnen.

Mit leichter Hand moderiert plauder den Abend. Es gibt köstlichen Borschtsch aus der Küche von hexe, weitere russische Spezialitäten vom Buffet und gegen eigens hergestellte Rubel-Noten (in kleinen Medaillons auf den Scheinen erkennt man das Konterfei von pitter, plauder oder anderen Sängerpersönlichkeiten) erhält man reichlich Getränke.

Es beginnt ein buntes Programm von teils improvisierten szenischen Lesungen, Sketchen, Liedern und Tanzeinlagen aus allen Gruppen. Die Neuwieder Kids überraschen mit einem a cappella gesungenen russischen Lied aus ihrem Waldorfschule-Repertoire und gewinnen der Bassbalalaika bereits beachtliche Tonfolgen ab. molo gibt einen Rückblick auf die bisherigen Stationen der Bassbalalaika auf ihrer wundersamen Reise.***

Dann folgt der Höhepunkt des offiziellen Teils des Abends: Die Bassbalalaika wird aus der Hand des Zugvogel feierlich an den BdP-Stamm Pilgrim Falkoni Neuwied übergeben. Die Peter Rohland Stiftung wünscht einen kreativen Umgang und viel Spaß mit dem Instrument. Und damit beginnt der inoffizielle Teil des Abends.

Unter dem großen Radleuchter vor dem Kamin des Sängersaals formiert sich ein im Laufe des Abends bereits wunderbar eingesungener Chor mit allen verfügbaren Instrumenten. Es beginnt eine große musikalische Reise durch das weite Russland. Auf ihrer Baikalgroßfahrt im Sommer 2010 hatte der Zugvogel mit fotler gerade wieder Gelegenheit, „Russische Seele“ aufzutanken. Die Stimmen werden von Lied zu Lied intensiver, der Gesang dichter und homogener, das Haus, der Saal bis unter das hohe Dach schwingen mit. Wir kennen die oft prämierten Stimmen des Zugvogel, der Freischar und neuerdings auch des BdP Neuwied vom Singewettstreit auf der Waldeck und von vielen anderen Gelegenheiten. Die Musik und der Gesang, den wir an diesem Abend bis in den frühen Morgen hinein gehört haben, war aber von einer anderen Dimension, er klingt bis heute in uns nach.

So, das musste noch gesagt werden. Der Zugvogel kann eben nicht nur bauen, er kann auch feiern.

Wir danken dem Dreigestirn hexe, fotler und plauder und allen anderen, die das Fest möglich gemacht haben, für den so gelungenen Abend auf dem Kochshof und pit für seine engagierte Führung und wünschen der ganzen Zugvogelfamilie noch viele glückliche Jahre auf dem wunderschönen Anwesen. Es versteht sich von selbst, dass ich nach so einem Abend eine Patenschaft für den Kochshof übernehme und alle anderen, die dies noch nicht getan haben, herzlich dazu einlade.

mike

* Die Peter Rohland Stiftung stellt interessierten Gruppen pitters Bassbalalaika auf Zeit leihweise zum Spiel zur Verfügung.

** Die Skomorochi, so die Beschreibung in der Festeinladung von plauder, waren eine Art Gaukler, die den Zaren, die russische Kirche und die Gesellschaft aufs Korn nahmen. Musikalisch untermalt wurden die Narreteien oft mit Balalaikamusik. Aus diesem Grund wurde das Balalaikaspiel wiederholt in Russland verboten.

***Aus dem Kreis der Zuhörer meldet sich Helga Stoverock mit dem Hinweis zu Wort, dass pitters Bassbalalaika eigentlich einer Berliner dj-Gruppe gehörte, in der in den späten fünfziger Jahren auch pitter verkehrte. Eine Nachfrage bei takko (Horst Henschel) und williams (Wolfgang Stoverock, Helgas Vater) in Berlin (beide dj-Mitglieder) ergab, dass ein zeitweiliger dj-Angehöriger Ali Lößner (wer kennt ihn?) das Instrument in Ost-Berlin „besorgt“und nach Verlassen der Gruppe dort zurückgelassen hatte, wo sie dann mangels Verwendung offenbar in die Hände von pitter gekommen sein muss. So bleibt der Ausgangspunkt der wundersamen Reise der Balalaika nach wie vor im Dunkeln.

Köpfchen 1/2011, Seite 26ff.

 

 


 

 

kpf 11 01 web Seite34

„Mitternachtsgesänge

Die verlorenen Lieder des Jooschen Engelke (1918 – 1962)“

So hat Kai Engelke die hier besprochene CD genannt. Es sind Vertonungen von Texten seines Vaters Jooschen. „Verloren“ waren sie aber gottseidank nicht, sondern viele werden schon seit langem und bis heute in den Bünden gerne gesungen (Hier wächst kein Ahorn…).

Unter den Texten sind eigene Gedichte, aber auch Nachdichtungen aus dem Montenegrinischen. Da mir keine Originale bekannt sind, kann ich auch nicht beurteilen, ob die Nachdichtungen den ursprünglichen Texten nahe kommen. Für mich jedenfalls sind es die wichtigeren Texte, sie begleiten mich teilweise schon ein halbes Menschenleben, und ich freue mich, ihnen hier wieder zu begegnen.

Trotz der etwas unzutreffenden Etikettierung ist diese CD ein echter Gewinn.

Viele der schönsten Melodien hat tejo komponiert. Die CD ist insofern (ungewollt?) auch eine Hommage an ihn, der vor kurzem gestorben ist. Aber auch helm hat vieles vertont; dies war Kai nicht bekannt, als er die CD plante. Und so kommt es, dass einige Lieder, die längst ihre Melodie hatten, jetzt noch eine neue Melodie bekommen haben. Interessant, welche sich durchsetzen wird.

Weitere Melodien sind von Liedermachern aus Kais Freundeskreis, z.B. Black, Günter Gall, Dieter Kalka.

Gefallen hat mir vor allem das „Rosenlied“ (Nr. 3, Musik: Kai), es war tagelang ein Ohrwurm.

Aber auch andere Lieder sind durchaus „ohrwurmverdächtig“. Z.B. ist da das Lied von der „Räuberelster“ (Nr. 10, Musik: tejo). Natürlich kenne ich es seit über fünfzig Jahren, aber hier wurde mir zum ersten Male der Ablauf der erzählten Geschichte klar: die Gendarmen im Tal, die Räuber in den Bergen und die Elster, die den Räubern das Nahen der Gendarmen meldet. Worauf die fliehen und „ließen all den Raki liegen“.

Ich muss es mir versagen, zu jedem der 23 Tracks etwas zu sagen. Aber eins muss noch gesagt werden. Nr. 4 „Mein kleines Feuer…“ ist ein wahrer Edelstein. Eines der schönsten Gedichte von Jooschen

„Mein kleines Feuer, sieh, ich breche Zweige,

und lege Reis um Reis zu deiner Glut…“

vertont, gesungen und sparsam auf der Dulcimer begleitet von Günter Gall. Wer je an einem Feuer saß, kann jede Zeile dieses Liedes nachempfinden.

Natürlich kam hier der Musikgeschmack des Rezensenten ins Spiel, andere mögen anders darüber denken. Entbehrlich z.B. finde ich die Versuche, Jooschens sehr zeitbezogenen eigenen Texte „modern“ zu instrumentieren. Weder Hillbilly noch Rock scheinen mir dazu passend. Diese Art der „Aktualisierung“ hat mich nicht überzeugt.

Kai hatte die gute Idee, befreundete Musiker um einen Beitrag zu dieser CD zu bitten. So ist eine abwechslungsreiche Scheibe entstanden, die in 23 Tracks 12 Einzelinterpreten oder auch Gruppen zu Gehör bringt. Natürlich, und das gehört wohl zum Konzept, bringt diese Vielfalt nicht nur verschiedene Stile, sondern auch unterschiedliche Qualitäten mit sich. Sehr hörenswert finde ich die Interpretationen von Profis wie z.B. Black oder Günter Gall. Dagegen fallen die Stücke, die von Amateuren zu Gehör gebracht werden, deutlich ab. Zuweilen hat man den Eindruck, sie seien nicht im Studio, sondern im heimischen Wohnzimmer aufgenommen worden.

Aber das sind die Ausnahmen.

Zu loben ist auch das Booklet. Es enthält, wie es Standard sein sollte, alle Texte, nennt die Interpreten und hat zusätzlich einen einfühlsamen, erläuternden Kommentar von Kai.

Zu dem Lied über die Räuberelster hat Kai einen Kommentar gemacht, zu dem ich etwas anmerken möchte. Er bezeichnet das Lied als „Partisanenlied“. Das ist insofern richtig, als die Haiducken im osmanischen Reich sicher auch Partisanen waren. Aber im Zusammenhang mit der Jahreszahl 1944 wird so suggeriert, dass dieses Lied von den Partisanen des Zweiten Weltkrieges geschaffen wurde. Dabei ist das Lied sicher viel älter.

Und noch eine mich bedrängende Frage: Kai stellt fest, dass das Lied „Dornen und Steine“ klingen müsse „wie von zwanzig trunkenen Panduren gegrölt“. Nur zu wahr. Aber warum singt er es dann fast alleine? Waren keine zwanzig trunkene Panduren aufzutreiben?

Zu empfehlen ist diese schöne CD allen Menschen, die gerne bündisches oder bündisch inspiriertes Liedgut hören. Sie werden voll auf ihre Kosten kommen.

ali

Verschiedene: Mitternachtsgesänge. Die Verlorenen Lieder des Jooschen Engelke 1918-1962, CD, 2010, Conträr Art.Nr.: 1CDJE001-2, contraermusik.de, kaiengelke.de.

Köpfchen 1/2011, Seite 33f.