Jahresrückblicke 2018 -2006

Jahresrückblick 2008

PRS – Blick zurück und nach vorn

Gesucht: Stifter, Spender – und Power!

Zum Jahreswechsel 2007/2008 kann die Peter Rohland Stiftung auf rund eineinhalb Jahre zurückblicken. Im Vergleich zur Geschichte des Vereins ABW oder gar der Burg Waldeck relativ wenig. Trotzdem muss sich die Stiftung nicht verstecken.

Das optimistische Ziel von Hunderttausend Euro Stiftungskapital, das Mitgründer mike (Joachim Michael) bei der Vorstellung der PRS auf der ABW-Mitgliederversammlung im November 2006 anvisierte, konnte zwar noch nicht ganz erreicht werden. Der größte Teil der Wegstrecke ist aber geschafft.

Die ABW erhielt von der Stiftung als Darlehen frisches Geld für Investitionen, und die Stiftung erhält im Gegenzug Zinsen, um damit, ergänzend zu Spendengeldern, Projekte zu finanzieren.

Zustiftungen und Spenden von außen können vermeldet werden. Vielen Dank an Peter Haller in Stuttgart, an die Geschwister von Peter Rohland und an Helga Wyss-Paasche, die Tochter von Hans Paasche, einer wichtigen Gestalt in der Geschichte der Jugendbewegung. Auch Helm König und den Brüdern Kröher ist zu danken. Sie haben auf Jubiläumsfesten mit Erfolg für Spenden an die Stiftung geworben – anstelle von Geschenken.

Spendern und Zustiftern kann aufgrund der nun endgültigen Anerkennung der Stiftung durch das Finanzamt Simmern-Zell vom 13.11.2007 die steuerwirksame Zuwendungsbestätigung mit bester Berechtigung ausgestellt werden. Das neue Gesetz zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements schafft zusätzliche Möglichkeiten der steuerlichen Absetzbarkeit. Dies als Signal an alle, die jetzt oder demnächst wieder mit ihrer Steuererklärung kämpfen müssen und noch Wege zur Minderung ihrer Steuerlast suchen. Die Stiftung kann raten und helfen!

Was macht die Stiftung?
Sie ist mit ehrenamtlichen Kräften selber aktiv. Etwa zur Wiederbelebung der Jour-fixe-Veranstaltungen auf oder nahe der Waldeck. Zuletzt mit der Vorstellung des Ost-Liedermachers Gerhard Gundermann und demnächst, am 7. Juni 08, des legendären amerikanischen Folksängers Phil Ochs durch Gerd Schinkel.

Vor allem ist es gelungen, in Ergänzung zum Peter-Rohland-Singewettstreit ein Projekt zur Förderung des Singens in Jugendgruppen in Gang zu bringen. Dank an Kerstin Schiel und Jörg Seyffahrth (Plauder), die den ersten Singeworkshop für die PRS leiten, und zwar vom 15. bis zum 17. Februar 2008 auf dem Kochshof des Jugendbundes Zugvogel in Odenthal nahe Köln. Wenn dieser erste Probelauf erfolgreich ist, soll die Reihe fortgesetzt werden. Auf dem Kochshof, auf der Waldeck. Wo sich eben günstige Voraussetzungen bieten. Auch andere Workshop-Leiter, ggf. an anderen Orten, sind willkommen.

Ein anspruchsvolles, ehrgeiziges Projekt ist auch die Zusammenarbeit mit dem Plattenlabel Bear Family Records, wo eine Auswahl von zehn CDs aus den geretteten und archivierten Aufnahmen der legendären Festivals Chanson Folklore International der sechziger Jahre (147 CDs) samt einem ansehnlichen Text- und Bildband vorbereitet wird. Das wird im vierzigsten Jahr nach dem turbulenten Festival von 1968 die erste umfassende Ton/Bild/Text-Darstellung dieser bislang bekanntesten Waldeck-Ereignisse sein.

Die Stiftung fördert im Übrigen

  • das „Festival des kritischen Liedes“, 7. bis 9. März 2008 im Saarland,
  • das von Hotte und anderen organisierte internationale Theater- und Musik-Treffen für junge Künstler zwischen 17 und 27 Jahren vom 25. Juli bis 3. August 2008 auf der Waldeck, genannt Summer Stage Waldeck,
  • die Beschaffung eines neuen (intakten, gebrauchten, abschließbaren) Klaviers für die Waldeck, das den Könnern als Übungsinstrument vorbehalten sein soll.

Verhandelt wird über die Beschaffung des ersten Films, der mit Festivalkünstlern von 1964 gedreht und im Februar 1965 vom SFB gesendet wurde – damals noch mit Peter Rohland. Da die Beschaffung durch die notwendigen Umformatierungen nicht ganz billig ist, werden noch noble Spender gesucht – z.B. unter den damals beteiligten Künstlern.

Auch die weitere Vermittlung der Ausstellung Peter Rohland - Leben und Werk, die zu Pfingsten 2007 auf der Waldeck ihren erfolgreichen Einstand hatte, wird betrieben. Zurzeit hängt die Ausstellung im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein. Die Komprimierung der Ausstellung in eine A4-Broschüre und gleichzeitig in eine Internetpräsentation steht auf der Agenda.

Die PRS-Homepage wurde, wie die ABW-Homepage, auf die Rechner des Köpfchen-Layouters GsbXmedia überführt und wird inhaltlich weiter ausgebaut.

 

Die PRS ist die Gründung von Waldeck-Oldies. Aber keineswegs allein auf Oldie-Themen fokussiert. Von Oldies wurde mit der Stiftung eine Plattform geschaffen, die waldecknahe Themen fördert und dafür Mittel mit optimaler Steuerbegünstigung einwirbt.

Die Stiftung ist aber ausdrücklich auch für junge Mitmacher offen. In bewährter Waldecktradition können in der Stiftung junge, ältere und alte Waldecker produktiv zusammenwirken. Vielleicht ist bei den Alten mehr Moos zu holen, dafür sollten die Jungen ihre Power einbringen!

molo

PRS-Konto Nr. 12 117 770
KSK Rhein-Hunsrück
BLZ 560 517 90
IBAN DE48 5605 1790 0012 1777 70

Köpfchen 4/2007, Seite12f.

 

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Was macht die Peter Rohland Stiftung (PRS)?

Die Vorstellung der CD-Edition über die alten Festivals (10 CDs samt 240seitigem Begleitbuch) durch Bear Family Records beendete eine dreivierteljährige Parforce-Tour, in der Mitglieder des Stiftungsrates dem kreativen Team um Bear-Chef Richard Weize (der auch die Bildredaktion verantwortete sowie Jürgen Feuß, Bremen, als Meister der Töne und Michael Kleff, Bonn/New York, als Beschaffer und Verfasser der Texte) zuzuarbeiten und vielerlei Fragen zu beantworten hatten. Das vorgelegte Werk rechtfertigt alle Anstrengungen – und erste Kommentare bestätigen es überschwänglich. Auch unser kritischer Altmeister und ehedem Festivalmanager Jürgen Kahle konnte in das Lob einstimmen.

Parallel zum pfingstlichen Liederfest konnte in der Waldeck-Bühne die Ausstellung „Hai & Topsy – Bilder, Lieder & Geschichten“ gezeigt werden, die im letzten Herbst schon am früheren Wohnort von Hai Frankl, in Wiesbaden, zu sehen war. Die Ausstellungsmacher Anne und Ede Bolland-Bück füllten den hohen Bühnenraum perfekt und bauten – mit demselben Ausstellungsmaterial wie in Wiesbaden – eine andere, optisch sehr beeindruckende Schau auf. Das Festivalpublikum nutzte den kurzen Weg vom Festzelt und Festwiese zu ausgiebigen Besuchen. Die Stiftung unterstützte auch dieses Projekt finanziell und durch kräftiges Anpacken beim Auf- und Abbau.

Im Juni erinnerte Gerd Schinkel auf Einladung der PRS an die amerikanische Folklegende Phil Ochs – vierzig Jahre nach dessen Waldeck-Festival-Auftritt. Ein guter Vortrag mit Engagement und tiefer Sachkunde und ein Angebot zum Jour fixe als Treffpunkt für Mitglieder des Vereins und für Freunde der Waldeck. Der Zuspruch blieb trotz einiger Werbung recht begrenzt. Dafür konnte man einige dem Insider unbekannte Gesichter wahrnehmen, die sich als Fans des Waldecker Musikangebots an Pfingsten und anderen Terminen vorstellten. Ein weither angereister Besucher kompensierte den nicht erhobenen Eintritt durch eine beachtliche nachträgliche Spende an die Stiftung. Also doch eine gewisse Bestätigung der investierten Arbeit!

Parallel zum Vortrag übte Ömmel mit seiner Barbershop-Gruppe den mehrstimmigen A-cappella-Gesang. Mitternächtlich im Café gab er der sich erquickenden Jour-fixe-Runde eine Kostprobe, die so überzeugend ausfiel, dass sich der Stiftungsrat demnächst einem Förderantrag kaum wird entziehen können.

Nebenbei unterstützte die PRS den unermüdlichen Marcus bei der Komplettierung der Beleuchtung in der Bühne. Gerd Schinkel und sein Publikum profitierten vom neuen, eigentlich selbstverständlichen Lichtkomfort.

Vom 8. Juli bis 10. August 2008 wird die Stadt Göppingen im städtischen Museum ihren früheren Schüler, Abiturienten und Jungendgruppenleiter aus der Schwäbischen Jungenschaft, in ihrer Reihe „Göppinger Köpfe“ mit der von der PRS erarbeiteten Ausstellung ehren. Peter Rohland wird damit von seiner Heimatstadt als „Sänger, Liedermacher, Volksliedforscher“ in eine lange Liste von Geehrten eingereiht. Überregional bekannt sind davon vor allem Hermann Hesse und Matthias Erzberger.

Im Juli/August unterstützt die PRS die An- und Abreise von jungen Osteuropäern zur Waldecker Summer Stage.

Im September wird die BDP-MTK-Initiative, der Workshop „Lieder schreiben“, in der Berliner Hütte gefördert, für den neben Lutz Eichhorn auch Martin Sommer als Referent gewonnen werden konnten.

Und am letzten Wochenende im Oktober/Beginn November steht der schon erprobte Singeworkshop mit Plauder und Kerstin wieder an, diesmal auf der Waldeck. Bei dieser Initiative der Stiftung ist die PRS nicht nur finanziell, sondern auch organisierend engagiert.

Zu Beginn der Sommerpause 2008 werden die an der PRS als Spender und Stifter Beteiligten über den Stand und den Verbleib ihres Geldes und die Stiftungsaktivitäten per Brief informiert. In Verbindung damit wird eine Broschüre verschickt undvorgestellt, die den Inhalt der Peter-Rohland-Ausstellung im handlichen Format A 4 in gutem Farbdruck wiedergibt. Nicht nur die Arbeit, auch die Kosten wurden aus den Reihen der Stiftung und durch Spenden aufgebracht. Vom Verkauf der Broschüre à 20 € erhofft sich die PRS, wie schon durch den Vertrieb der Peter-Rohland-CD „Die frühen Lieder“, weitere Schübe in ihre Kasse.

Von dem Ende April vorgestellten Neunzig-Minuten-Film „Falado“ über Leben und Werk der Volkssänger Hein & Oss Kröher hat die Autorin Gabi Helleen Bollinger als Dank für aus Stiftungskreisen geleistete Unterstützung fünfzehn Kopien auf DVD zur Verfügung gestellt. Sie sind zugunsten der Stiftung für je 20 € im Angebot.

Zwei Jahre besteht die Stiftung nun. Die hochgesteckten Anfangsziele beim Aufbau des Stiftungskapitals konnten noch nicht erreicht werden. Aber einigermaßen bekannt wurde die Stiftung inzwischen durch ihre Aktivitäten, auch über die engeren Grenzen des Waldeck-Umfeldes hinaus.

Hoffentlich reicht es zum kommenden Jahresende, das Stiftungskapital auf einen sechsstelligen Betrag zu hieven. Jedenfalls machen sich die Zins-Ertäge auf der Förderseite bereits sehr positiv bemerkbar.

molo

Spenden und Zustiftungen an:
Peter Rohland Stiftung
Konto 12 177 770
KSK Rhein-Hunsrück, BLZ 560 517 90
IBAN DE48 5605 1790 0012 1777 70

Köpfchen 2/2008, Seite 21f

 

 


 

 

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Einladung

„Hilfe, meine Gruppe singt nicht!!“

Workshop für das Singen in Gruppen

Die Peter Rohland Stiftung fördert im Sinne Peter Rohlands in guter Waldeck-Tradition das Singen und das Lied. Ergänzend zum Peter-Rohland-Singewettstreit, der im September 2007 im achten Jahr ausgetragen wurde, bieten wir Singeworkshops an, die auf dem Kochshof oder auf Burg Waldeck stattfinden sollen.

Die Stiftung hat für die Sänger/innen des Singewettstreits als Förderpreis die Teilnahme an einem dieser Singeworkshops ausgelobt.

Die Peter Rohland Stiftung lädt ein zum

ersten Singeworkshop
für Gruppen, Gruppenführerinnen und Gruppenführer
vom 15. bis 17. Februar 2008
auf dem Kochshof, Bundessitz des Zugvogel, in Odenthal nahe Köln.

Auf dem Programm stehen Fahrtenlieder, Abendlieder, Wohlseinslieder, Essenslieder.

Den Workshop leiten Kerstin Schiel und Jörg Seyffarth (Plauder).

Uns ist wichtig, dass nicht nur die Vermittlung von Liedern im Mittelpunkt steht, sondern auch der kreative Umgang mit ihnen (gezieltes Einsetzen der Mehrstimmigkeit, weg vom Rundumschlag als Gitarrenbegleitung, gezieltes Einsetzen der Tempiwechsel und der Dynamik).

Programm

Freitag: Anreise bis etwa 20.00 Uhr

  • Gemeinsames Abendessen –
  • Absprachen zum Programm
  • Gemütliches Singen –

Samstag: Frühstück

  • Gemeinsames Erlernen der Lieder
  • Mittagessen
  • Aufteilen in 2 Gruppen:
    1. Gitarrenspiel zu den Liedern
    2. leichte Mehrstimmigkeit
  • Abendessen
  • Zusammensetzen des Erlernten
  • Festlicher Ausklang

Sonntag Aufnahme der Stücke auf CD,
um sie jedem Teilnehmer als Gedächtnisstütze zukommen zu lassen

Kosten pro Kopf: 25 €
(2 Übernachtungen, Essen, Material und CD).

Rückfragen und Anmeldung bis 15.01.2008 an:
Peter Rohland Stiftung per molo@burg-waldeck.de

Die Anmeldung wird wirksam und verbindlich mit Überweisung des Teilnehmerbeitrags auf das
Konto der Peter Rohland Stiftung Nr. 12 – 177 770 bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, BLZ 560 517 90.

Bei großem Interesse werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge berücksichtigt.

www.peter-rohland-stiftung.de,
www.zugvogel.org/

Köpfchen 3/2007, Seite 10

 

„Hilfe, meine Gruppe singt nicht!!“

Singeworkshop für Gruppen

Der erste Singeworkshop der Peter Rohland Stiftung hat, wie in Köpfchen 3/07 angekündigt, vom 15. bis 17. Februar 08 auf dem Kochshof stattgefunden. Das Interesse war so groß, dass Bewerber abgewiesen und auf einen weiteren Termin vertröstet werden mussten. Außer Kerstin und Plauder als „künstlerische Leiter“ engagierten sich auch Helferinnen und Helfer von Freischar und Zugvogel und trugen zum Erfolg des Workshops bei, indem sie für das leibliche Wohl der 39 lernwilligen Sängerinnen und Sänger sorgten.

Offensichtlich herrschte rundum Zufriedenheit mit dem Ablauf des Wochenendes, so dass für das Wochenende

31. Oktober bis 2. November

ein weiterer Singeworkshop mit Kerstin und Plauder vereinbart wurde, der diesmal auf der Waldeck stattfinden wird.. Als Anregung für dieses Singetreffen nehmen wir die Erfahrung vom letzten Mal auf, dass sehr junge Gruppen einen anderen Arbeitsrhythmus haben als ältere und deshalb gesondert betreut werden sollten, wie auch aus den folgenden beiden Berichten hervorgeht.

Für den Fall, dass sich wieder sehr junge Gruppen bewerben, suchen wir deshalb Verstärkung für Kerstin und Plauder, eine Person, die bereit und in der Lage ist, mit den Jüngsten zu singen. Hier die Berichte einer der jüngsten Teilnehmerinnen und ihrer Gruppenführerin:

Am Freitag, dem 15. Februar, war Ankunft. Die Begrüßungsrunde fand gegen zwanzig Uhr statt. Als alle eingetroffen waren, haben wir uns im Rittersaal getroffen. Wir haben uns alle vorgestellt. Plauder und Kerstin hatten schon Zettel, wo Lieder draufstanden, verteilt. An dem Abend haben sie uns die Aussprache mancher Lieder beigebracht. So gegen zehn Uhr haben wir dann eine Singerunde gemacht. Dort konnte jeder, der wollte, bleiben.

Am Samstag haben wir uns nach dem Frühstück zusammengesetzt, um weiter zu singen. Nach jedem Lied, das wir geübt hatten, haben wir es noch mal gesungen. Dabei haben wir es aufgenommen. Gegen Mittag wurden wir aufgeteilt. Die Gitarrenspieler gingen mit Plauder runter, während die anderen oben das Zweistimmig-Singen probten. Allgemein probten alle, damit es sich nachher, wenn es auf CD aufgenommen wurde, schön anhörte. Und tatsächlich hörte es sich nicht schlecht an.

Dann gab es eine große Pause. Jeder konnte machen, was er wollte. Manche sind in den Wald gegangen, manche lagen faul in der Ecke rum und manche haben weiter geübt.

Gegen Abend gab es wieder eine Singerunde. Es war sehr gemütlich.

Am Sonntag wurde nach dem Frühstück direkt alles aufgeräumt und geputzt. Draußen wurden Kartons verbrannt und gespielt. In der Abschiedsrunde haben wir noch mal gesungen. Dann sind die meisten auch schon gefahren.

Jabonah

Gesa

Das Motto des Workshops passte zwar nicht ganz auf meine Gruppe, denn die „Waldgeister“ singen ganz gern, trotzdem meldete ich uns an. Wir wollten uns an den mehrstimmigen Gesang wagen – und die Mädels zog es sicherlich auch zum Kochshof, weil sie dort im letzten Jahr ein paar schöne Tage verbracht hatten.

Die Waldgeister waren die jüngsten Teilnehmer (sechs bis dreizehn Jahre) und stießen an die Grenzen ihrer Konzentrationsfähigkeit. Dazu zog sie der Wald magisch an („Unser alter Staudamm steht noch!“). Trotzdem hielten sie durch und wollten vor allem immer wieder ihr Lieblingslied singen, das sie schon aus den Gruppenstunden kannten. Auch die neuen Lieder lernten sie schnell und bekamen sie in der nächsten Gruppenstunde auch noch ganz gut hin – wenn auch nicht alle mehrstimmig.

Alle fühlten sich wohl und ließen sich von Kerstin und Plauder immer neu motivieren. Die beiden haben ihren Job wirklich klasse gemacht. Vielen Dank auch an Martina und das Küchenteam!

Wir freuen uns schon auf den nächsten Singeworkshop. Dafür wünschen wir uns ein paar spielerische Elemente zur Auflockerung und dass sich die verschiedenen Gruppen besser kennen lernen.

Und ich habe meinen Mädchen versprochen: Wenn wir wieder auf dem Kochshof sind, können sie den ganzen Tag im Wald verbringen – ohne Programm.
Jabonah

Pucky
Sippe „Waldgeister“ – Pfadfinderschaft Grauer Reiter

Köpfchen 1/2008, Seite 6f.

 

 


 

 

Die Peter Rohland Stiftung fördert das

Festival des kritischen Liedes im Saarland

Aus dem Programm-Vorspruch:
„Als Linke geben wir Flöte und Noten aus der Hand, mit denen rechte Rattenfänger die Kinder einsammeln können. Im gegenläufigen Trend liegt der Reiz eines solchen Unternehmens. Wir wollen feststellen, ob unter Jugendlichen ein Bewusstsein für den Stellenwert von ‚Protestliedgut’ vorhanden ist.“

2007 4 Seite14 7KritikKulturSaarDas Programm:

  • Am Samstag, 1. März 2008, wird mit der Ausstellung „Burg Waldeck und die Folgen – Songfestivals in Deutschland“ und dem anschließenden Kabarett-Abend das Festival eröffnet. (Arbeitskammer des Saarlandes in Kirkel)
  • Am Freitag, 7. März 2008, findet eine Veranstaltung mit Liedermachern und Kulturgruppen aus der Region statt. (Kino acht1/2, Saarbrücken)
  • Am Samstag, 8. März 2008, findet im Jugendzentrum Saarbrücken ein Bandcontest statt.
  • Am Sonntag, 9.März 2008, wollen wir mit einem Brunch das Festival beenden. (SOS-Kinderdorf-Zentrum, Saarbrücken)

Auskunft: Initiative „Kritik und Kultur“ gisela.ruge@online.de.

Köpfchen 4/2007, Seite14

 

Kritisches Lied im Saarland

„Trotz alledem“

Als Auftakt des „Festivals des kritischen Liedes“ der Initiative „Kritik und Kultur“ im Saarland wurde am 1. März 08 in dem idyllisch gelegenen Bildungszentrum der Arbeitskammer Kirkel am Rande von Saarbrücken die Ausstellung „Burg Waldeck und die Folgen“ eröffnet, die seinerzeit vom Verein Lied und soziale Bewegungen in Zusammenarbeit mit der ABW erstellt und u. a. 2004 auf der Waldeck gezeigt worden war. Die Peter Rohland Stiftung hat mit einem Zuschuss dazu beigetragen, dass diese Ausstellung im Saarland gezeigt werden konnte.

Frau Gisela Ruge, die Organisatorin des Festivals, betonte in ihrer Begrüßung die Absicht der Initiative, die Tradition der Waldeck-Festivals aufzugreifen und dem kritischen Lied ein Forum zu geben. Lutz Kirchenwitz ging in seiner Einführung auf die Festivals der sechziger Jahre auf der Waldeck und auf das Berliner Festival Musik und Politik ein.

Der Gastgeber, Leiter der Bildungsstätte Erwin Irmisch, erwies sich nicht nur als liebenswürdiger und großzügiger Gastgeber, sondern auch als ein Freund des kritischen Liedes, der seinen Blick auch nach außen richtet und eine Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten begrüßt.

Das sich anschließende Kabarett-Konzert „Trotz alledem. Linke Lieder zur rechten Zeit“ mit dem Trio Marx, Ruge & Holzhauser bekräftigte im übervollen Saal die Absicht der Initiative: Es stand im Zeichen des kritischen Liedes und seiner Tradition. Kunstvolle Spannung kam dadurch zustande, dass Jürgen Holzhauser (Gitarre und Akkordeon) und Hans Ruge (Gitarre), die u. a. die klassischen Arbeiterlieder (einschließlich der Internationalen!) in ihrem Programm hatten, mit dem Conférencier Reiner Marx kontrastierten, der den Part des neoliberalen Zynikers übernommen hatte.

GMP

Köpfchen 1/2008, Seite 7

 

 


 

 

2007 3 Seite12 7RolandEckert
Roland Eckert Foto: molo

Jour Fixe – Vorschau 2008

Dynamik und Folgen gewalttätiger Konflikte

Vortrag mit aktuellen Bezügen

Roland Eckert wird am

Samstag, 8. März 2008, 20.30 Uhr,

also am Vorabend der Hauptversammlung 2008 (die bekanntlich auf Beschluss der Hauptversammlung 2006 nicht mehr im Herbst, sondern am zweiten Wochenende im März stattfinden wird, siehe Köpfchen 4/06, Seite 13) zum oben genannten Thema sprechen.

In der Konflikt- und Gewaltforschung wird zumeist unterstellt, dass Gewalt über Einstellungen prognostizierbar oder ex post erklärbar sei. Die Analyse der Konfliktverläufe (bei Demonstrationen, auf dem Balkan, im Nahostkonflikt und im Terrorismus) zeigt jedoch, dass nicht nur Einstellungen zu Gewalt führen können, sondern gewalttätige Ereignisse neue Einstellungen erzeugen.

Spektakuläre, insbesondere blutige Ereignisse führen über Empörung, Hoffnung auf Herrschaft und/oder Furcht vor Vernichtung zu neuen Interpretations-Rahmen und produzieren damit neue und zumeist polarisierte soziale Wirklichkeiten, die über wachsende Solidarität einerseits und Feindschaft andererseits den weiteren Prozess bestimmen.

Ereignisse sind schwer prognostizierbar: Manche entstehen „zufällig“, andere werden als Risiko in Kauf genommen, wieder andere werden von einer oder beiden Seiten geplant, um Weltbilder zu befestigen.

Am Beispiel eines Interviews mit gewaltfreien Demonstranten vor und nach den G8-Demos in Rostock und im Umkreis Heiligendamm lässt sich zeigen, dass die „Fisch-im-Wasser“-Strategie (Ho Chi Minh) von Gewalt zur Erzeugung von Kollektivbewusstsein unter der Mitwirkung von Polizeieinheiten immer noch gut funktioniert. Von vier Stufen ist berichtet worden:

  • Vor der Demo: „Gewalt – nicht durch uns!“
  • Entsetzen angesichts der Steinewerfer vom Schwarzen Block
  • Wasserwerfer und Tränengas gegen gewaltfreie Demonstranten führen zu einem Gefühl der Solidarität (auch mit dem Schwarzen Block).
  • Schließlich greift die Vorstellung um sich, vom Schwarzen Block beschützt zu werden, „weil er die Polizei so beschäftigt, dass diese nicht in dem Maße gegen gewaltfreie Blockaden vorgehen konnte, wie sie es wohl sonst getan hätte.“

Eine weitere Eskalation durch neue Ereignisse ist nach den Untersuchungen aus den achtziger Jahren nicht auszuschließen.

Was folgt daraus?

  • Die Kausal-Attribution auf Einstellungen ist zu relativieren.
  • Die fatale Wirkmacht von Ereignissen ist anzuerkennen.
  • Die kritischen Situationen sind in Blick zu nehmen. In ihnen können die Akteure am ehesten die weitere Entwicklung des Konfliktes beeinflussen.
  • Wenn man davon ausgeht, dass Konflikte, auch grundlegende, in einer demokratischen Gesellschaft unvermeidlich und für Kurskorrekturen notwendig sind, aber auch friedlich ausgetragen werden können, muss eine de-eskalative Strategie den Verzicht oder die Verhinderung von Gewaltanwendung ins Zentrum rücken.

Dr. phil. Roland Eckert, em. Professor für Soziologie an der Universität Trier. Schwerpunkte: Jugendliche Cliquen, Fremdenfeindliche und rechtsextreme Gewalt, Konflikt und Konfliktregulierung, Terrorismus. Mitglied u.a. im Beirat des Bündnis für Demokratie und Toleranz – Gegen Extremismus und Gewalt.

Siehe auch seinen Vortrag Xenos, Entimon, Civitas – Wirkungen und Grenzen der Aktionsprogramme aus externer wissenschaftlicher Perspektive, in: Gemeinsam für Demokratie, Dokumentation der Ergebniskonferenz des Aktionsprogramms „Jugend für Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“, Hg. Bundsministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, November 2006. www.aktiv-gegen-hass.de.

GMP/Roland Eckert

Köpfchen 3/2007, Seite11f.

 

 


 

 

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Pfingstgespräch 08

Unsere sechziger Jahre

Das diesjährige Pfingstgespräch ist ein besonderer Termin.

Am

Pfingstsonntag um 11 Uhr im Sälchen

wird die Edition

Die Burg-Waldeck-Festivals 1964 -1969
Chansons Folklore International“

Zehn-CD-Edition mit Buch im Schuber
von Bear Family Records

vorgestellt.

Niemand dachte damals daran, dass Musikwissenschaftler später einmal vom Anfang einer neuen musikgeschichtlichen Epoche, Historiker von einem kulturrevolutionären Ereignis sprechen würden“ schrieb Holger Böning 2004 über die Waldeck-Festivals im Freitag.

An Pfingsten wird Holger Böning zur Präsentation der ersten umfassenden Dokumentation der alten Waldeck-Festivals mit Tönen, Bildern und Texten sprechen. Böning ist Professor an der Uni Bremen. Er hat sich in mehreren Publikationen mit den Festivals befasst.

Mit der Präsentation endet die lange Geschichte der Bewahrung eines Stücks Waldeck-Geschichte.

  • 1997 schlug Helm König Alarm: die bei ihm im Keller lagernden Tonbänder der Festivals schwanden dahin, er brauchte Hilfe.
  • Stephan Rögner reagierte, wohnte monatelang im Hause König und arbeitete Tag für Tag die alten Bänder durch, legte eine Datei der Inhalte an (2000 Positionen) und übertrug alles auf digitale Datenträger.
  • Das Deutsche Rundfunkarchiv kopierte den so erhaltenen kulturhistorischen Schatz und lieferte der ABW 147 CDs zurück.

Auf Umwegen landeten die CDs schließlich bei Bear Family Records, dem transatlantischen Label für historische Töne (www.bear-family.de). Dessen Gründer und Inhaber Richard Weize hatte den Mut zu einem aufwendigen Publikationsprojekt. Er sicherte sich die Unterstützung von Jürgen Feuß für die Auswahl der besten Titel auf zehn CDs – fast fünfzehn Stunden bislang zum größten Teil unveröffentlichte Musik – und von Michael Kleff als Autor des 240-seitigen Begleitbuches, das neben zahlreichen Fotos einen Text zur Geschichte der Festivals, Erinnerungen und Anmerkungen einiger der damaligen Veranstalter, sowie vieler Musikerinnen und Musiker enthält.

Eine Reihe von Waldeck-Freunden, voran Jürgen Kahle, und von Festival-Interpreten trugen Bilder, Texte und Erinnerungen bei. Molos digitales Bildarchiv lieferte 2 GigaByte Fotos.
Richard Weize wird an Pfingsten mit seinem Team anwesend sein.

molo

Köpfchen 1/2008, Seite 1f.

 

Pfingstgespräch
Die Präsentation

Zum Zeitpunkt des traditionellen Pfingstgespräches am Pfingstsonntag-Morgen wurde in diesem Jahr die

Zehn-CD-Edition mit Begleitbuch

Die Burg-Waldeck-Festivals 1964–1969“

der Bear Family Records einem großen, interessierten Publikum vorgestellt.

Im Mittelpunkt stand dabei ein Referat von Prof. Dr. Holger Böning von der Uni Bremen, der den Festivals eine eindrucksvolle Rolle in der kulturhistorischen Entwicklung des Liedes und seiner Bedeutung zuwies.

 

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Holger Böning Foto: molo

Der Vortrag

Johann Gottfried Herder hätte sich mit Peter Rohland und vielen anderen Waldecker Sängerinnen und Sängern gut verstanden – schließlich hatte er mit aufklärerischem und völkerverbindendem Impetus die Volkslied-Erforschung in Deutschland begonnen und damit auch die In-Wert-Setzung des Volksliedes.

Dass das Liedersingen in der Zeit des Dritten Reiches instrumentalisiert und missbraucht wurde, führte in den ersten Jahren danach zu „adornitischer Schweigezeit“ und „ideologiekritischer Gesangsverweigerung“ (Walter Mossmann und Peter Schleuning). Auch ein Teil des bündischen Liedgutes wurde in der Nachkriegszeit als Nazilieder verunglimpft. „Franz Josef Degenhardt berichtet, er habe in einer Straßenbahn die Drohung mit Prügel erlebt, sänge er weiter diese Nazilieder.“ Die Deutschen waren in dieser Zeit „ein Volk ohne Lieder“.

Aus Bönings Sicht gab es damals nur wenige Orte in Deutschland, von denen eine Wiederbelebung des Liedes ausgehen konnte, und dazu zählte die Waldeck. „Hier lebte weiterhin die Tradition des gemeinsamen Singens, man kannte, sammelte und sang mit Respekt die Lieder fremder Völker, auch andere Verbindungen, zum poetischen Kunstlied etwa oder zu den Kabarettliedern der Weimarer Zeit, waren nicht völlig abgeschnitten.“ Peter Rohland z.B. hatte seit 1952 auf der Waldeck mit den Singewettstreiten zu dieser Valorisierung und Weiterentwicklung des traditionellen bündischen Liedgutes beigetragen.

So war es kein Zufall, dass Ende 1962 von Peter Rohland, Rolf Gekeler, Diethart Kerbs und Jürgen Kahle die Idee der Festivals entworfen wurde. Und auf der Waldeck fand dann 1964 das erste Open-Air-Festival in der BRD statt, konzipiert als „Werkstatt“ (Diethart Kerbs), „Bauhaus der Folklore“ (Oss & Hein Kröher). Ein Austausch von Liedern, aber auch von Ideen – und dies bei größtmöglicher Freiheit für die Meinung des Anderen.

Die Festivals schaffen eine produktive Atmosphäre des Singens und Diskutierens, in der junge Künstler sich ausprobieren können und Resonanz erhalten. Rund um die Uhr wird gesungen und gestritten. Walter Mossmann etwa, bald einer der wichtigsten deutschen Chansonniers, erhält 1964 den Anstoß zu eigenen Liedern. Schon 1965 trägt er sie mit großem Erfolg vor, nach dem Auftritt des Jahres 1966 nennt ihn die FAZ als größte Entdeckung des Festivals. Seine Vorbilder sind Boris Vian und mit Georges Brassens jener Poet, der ‚eine ganze Nation zum Singen gebracht hat’. Durch Sänger wie Mossmann entstand tatsächlich so etwas wie das auf der Waldeck angestrebte ‚Bauhaus des europäischen Liedes’.“

Neu für Deutschland war vor allem das Chanson. Das selbstgeschriebene und selbstvertonte Lied spielte eine immer wichtigere Rolle: Ein Chanson ist „keine Manifestation eines rauschhaften Gemeinschaftsgefühls“ (Diethart Kerbs). Es ist dazu bestimmt, vorgetragen und nicht in Chorformation gesungen zu werden, und es braucht den Zuhörer.

Vor den Festivals hatte es in deutscher Sprache nur Schlager gegeben. Die Öffentlichkeit begann wahrzunehmen, dass es deutsche Lieder gab, die zu singen Spaß machte. Durch Hörfunk und Fernsehen, aber auch durch kursierende private Tonband-Mitschnitte („deren Qualität von Kopie zu Kopie immer schlechter wurde“) erfuhr der Jugendliche, dass er mit seinem Unbehagen an der restaurativ erstarrten Gesellschaft am Ende der Adenauer-Ära nicht allein war.

Bald wurden auch aktuelle politische Bezüge hergestellt: zu der Ostermarschbewegung, zum Auschwitz-Prozess. „Wo man durch den Auschwitz-Prozess gerade erfahren hatte, was gut zwanzig Jahre zuvor Unfassbares geschehen war, hörte man mit Dieter Süverkrüps ‚Kirschen auf Sahne’ ein erstes Lied mitfühlender Solidarität.“ Degenhardt formulierte das diffuse Unbehagen an der Gesellschaft am Ende der Adenauer-Ära, die den Kindern die Vergangenheit verweigerte und damit Zweifel an der Integrität der Eltern schürte.

1967 erhält das Festival den Untertitel „Das engagierte Lied“. Damit zeichnete sich der Beginn einer Radikalisierung ab. Diese „wird durch den Anspruch charakterisiert, vom Unbehagen an gesellschaftlichen Symptomen zu deren Ursachen im gesellschaftlichen System vorstoßen zu wollen.“ Der Militärputsch in Griechenland, die Situation im Iran, der Vietnamkrieg, aber auch der Rassismus in den USA, all dies hatte zur Glaubwürdigkeitskrise beigetragen und führte zur Fundamentalopposition gegen die herrschende Politik. Auf dem Festival entwickelte z.B. die Gruppe Floh de Cologne die Utopie eines freien, selbstbestimmten Lebens.

1969 dann das Ende: die aufeinander prallenden Meinungen waren nicht mehr vereinbar.

Ein besonders wichtiges, bleibendes Ergebnis der Festivals ist für Böning die Wiederentdeckung des Singens, das nach Yehudi Menuhin die „eigentliche Muttersprache“ des Menschen ist.

 

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Richard Weize Foto: Stephan Rögner

Die Edition
Im Anschluss an das Referat wurde die Waldeck-Festival-Edition von deren „Machern“ vorgestellt. Richard Weize, Initiator und Leiter von Bear Family, schildert den mühsamen und langwierigen Weg

  • von Helm Königs vom Schwund bedrohten Materialbeständen in Form der ursprünglichen, analogen Tonbänder von 1964 bis 1967,
  • über deren Übertragung auf digitale Datenträger (DAT-Kassetten) und kleinteilige Dokumentation durch Stephan Rögner,
  • über die digitale Bearbeitung der Bänder durch das Deutsche Rundfunkarchiv, aus der ein Paket von 147 CDs hervorging und der ABW zur Verfügung gestellt wurde,
  • über die Beschaffung der Tonbänder von 1968 und 1969, die sich im Besitz von Wilfried Zahn befanden, der ab 1968 die Aufnahme weitergeführt hatte,
  • über die Bearbeitung dieses Materials durch den von Bear Family beauftragten Fachmann Jürgen Feuß, der das Material sichtete, bearbeitete und in jahrelanger Arbeit herausfilterte, was tontechnisch und qualitativ seinen Ansprüchen an eine CD-Edition genügte,
  • bis zu den Arbeiten an der detailreichen und reich bebilderten Dokumentation in dem 240 Seiten starken Begleitbuch von Michael Kleff, mit Beiträgen vieler Zeitzeugen, unter anderen von Jürgen Kahle, sowie Fotos und Kurz-Charakteristiken der Künstlerinnen und Künstler.

So liegt schließlich, komprimiert aus 147 CDRs, eine Dokumentation aller Waldeck-Festivals der sechziger Jahre vor: Zehn – übrigens wunderschön und sehr praktisch präsentierte – CDs mit Life-Mitschnitten (inklusive zahlreicher O-Töne aus Vorträgen und Diskussionen von damals), insgesamt fünfzehn Stunden bislang zum größten Teil unveröffentlichte Musik von mehr als achtzig nationalen und internationalen Interpretinnen und Interpreten

  • von Franz Josef Degenhardt bis Reinhard Mey,
  • von Odetta bis Phil Ochs,
  • von Walter Moßmann bis Hannes Wader,
  • von Lin Jaldati bis Perry Friedman,
  • von Peter Rohland bis Hein & Oss Kröher,
  • von Hedy West bis Guy Carawan,
  • von Xhol Caravan bis zu Floh de Cologne,
  • von Christof Stählin bis Schobert & Black,
  • von Colin Wilkie & Shirley Hart bis Fausto Amodei,
  • von Dieter Süverkrüp bis Rolf Schwendter.


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Michael Kleff Foto: molo

Für das umfangreiche Begleitbuch zeichnet der Chefredakteur des Folker! Michael Kleff verantwortlich, der auch die Bear-Family-Edition „Für wen wir singen“ (besprochen in Köpfchen1-4/07) samt Begleitbuch zusammengestellt hat. Es enthält

  • eine „Annäherung an eine Festivalgeschichte“ von Michael Kleff,
  • „Erinnerungen: Der Stoff aus dem Legenden sind“
    mit Beiträgen von Eckard Holler, Hanns Dieter Hüsch, Jürgen Kahle, Diethart Kerbs, Helmut König, Oss & Hein Kröher, Carsten Linde, Thomas Rothschild, Lothar Sauer, Hotte Schneider, Tom Schroeder, Günter Zint,
  • Texte und Fotos zu den einzelnen Sängern.

Besonders hervorzuheben an dem Begleitbuch ist die Tatsache, dass im Mittelpunkt die authentischen Erklärungen, Stellungnahmen und Bewertungen der Sängerinnen und Sänger stehen.

Die Fülle von Informationen über Entstehungsgeschichte und Hintergründe der Edition, die anlässlich der Präsentation dargestellt wurden, machten insbesondere für diejenigen der Anwesenden, die selbst in irgendeiner Funktion etwas mit den Festivals zu tun gehabt hatten, den Vormittag zu einem emotionalen Akt des Wieder-Erlebens.

Aber – und das zeigte die sich anschließende Diskussion – eben nur für diese Gruppe. Von anderen gab es Fragen nach dem „Davor“ und „Danach“ der Festivals, deren Beantwortung den Rahmen der Veranstaltung gesprengt hätte.

Diese Fragen führten aber zu einer sehr kreativen Ergänzung: Mike lud alle Neugierigen zu einer gesonderten Gesprächsrunde ein. Die Einladung fand regen Zuspruch und führte zu der Empfehlung, bei zukünftigen Liederfesten ein offenes Informationsangebot an alle zu machen, die sich für geschichtliche Zusammenhänge auf der Burg Waldeck interessieren.

Insgesamt zeigte die Veranstaltung: die präsentierte Edition ist weit mehr als „nur“ eine verlegerische Großtat der Bear Family Records um und mit Richard Weize. Sie ist zu einer überaus gelungenen und gut zugänglichen Dokumentation einer für die Waldeck und die ABW an Bedeutung für ihre Geschichte wahrscheinlich einmaligen Epoche geworden. Und sie ist so gut geworden, weil ungewöhnlich viele engagierte Menschen sehr viel mehr als nur Arbeitszeit und professionelle Kenntnisse eingebracht haben.

Reiner Kraetsch

Die Burg Waldeck Festivals 1964–1969. Chansons Folklore International. Eine Ko-Operation mit Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V. und die tageszeitung, 10 CDs und ein Begleitbuch von Michael Kleff, 240 Seiten, Hambergen (Bear Family Records) 2008, BCD 16017 JC, ISBN 978-3-89916-394-0.

Köpfchen 2/2008, Seite 14ff.

 

Presse-Echo:
Über die „68er-Bewegung“ wird im Jubiläumsjahr viel geschrieben. Auch der neuen Singekultur, die auf der Waldeck ihren Anfang nahm, wird gedacht. So z.B. in der Zeit vom 24. April, in der taz vom 26./27. April, in der Süddeutschen Zeitung vom 4. Juni und in 3Sat „Kulturzeit“ vom 13.Mai 08.

Leider wird in den meisten dieser Rückblicke die Bear-Family-Edition – wenn überhaupt – nur am Rande erwähnt. Detaillierte Besprechungen dieser Edition stehen noch aus. Nur im Folker! 04/08 erschien eine Besprechung von Kai Engelke. Im WDR 5 wird am 28. September, 21 Uhr, eine einstündige Würdigung der Edition durch Hans Jacobshagen gesendet.

Hier einige der bisherigen Erwähnungen:

„…gibt es hier mit dieser Jubiläumsausgabe einen Fundus, der für unser deutsches Liedgut in dieser Menge und Qualität selten, wenn nicht gar einmalig ist. …“
hh, Folkmagazin 277, Heft 3/2008, Seite 43.

„Wie … heimische Liedermacherkunst, Bänkelsängerei, Kabarett, Folklore, Gegenkultur, Protest, Widerstand und Chanson … langsam zu einer eigenen Sprache fanden, erklärt nun die verdiente Erinnerungsfabrik Bear Family Records aus dem kleinen Hambergen. …“
Jan Wigger, Spiegel online, Kultur – 17. Juni 08, www.spiegel.de.

„Umfangreiche Aufarbeitung des deutschen Liedermacher-Phänomens am Beispiel des legenden-umrankten Festivals, entsprechend voluminös aufgemacht, kenntnisreich erarbeitet und liebevoll ausgestattet vom Bear Family Label.“
www.schattenblick.de.

„Eine Box wie ein Monument, ein rundum gelungenes Projekt von passabler Song- und herausragender Editionsqualität.“
mw, www.kulturnews.de.

 

Anmerkung der Redaktion:

Aus gegebenem Anlass weisen wir darauf hin, dass das Waldeck-Festival-Plakat mit den fünf Linien und den Fingerabdruck-Spatzen von Prof. Walter Breker von der Kunstakademie Düsseldorf entworfen wurde und nicht vom Bildhauer Arno Breker, der in Dritten Reich berühmt wurde. Siehe dazu Köpfchen 4/1999, Seite 8.

Köpfchen 2/2008, Seite 14ff.

 

Festival-Dokumentation preisgekrönt

Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik

für die Waldeck-Festivals-CD-Edition

Die Dokumentation zur Geschichte der Burg Waldeck-Festivals Chanson Folklore International 1964 bis 1969 wurde mit dem Jahrespreis des „Preises der Deutschen Schallplattenkritik“ 1 ausgezeichnet. Aus der Würdigung:

Ein überzeugendes Dokument der Geburt einer damals neuen Musikrichtung: So begann hierzulande die Folk- und Liedermacherszene.“

Die Edition wurde in der Öffentlichkeit schon bisher auf breiter Ebene wahrgenommen. In den Kulturteilen der großen Blätter erschienen eine ganze Reihe von Besprechungen, wobei die meisten weniger auf die Edition selbst als auf die Geschichte der sechziger Jahre eingingen, was auch zu heftigen Auseinandersetzungen führte

  • um die 68-Vorgänge auf der Waldeck,
  • um die Bedeutung der Waldeck-Festivals für die Studentenbewegung
  • um deren Bedeutung in der damaligen Musikszene, und
  • ganz allgemein um die Bewertung von „Achtundsechzig“ und dessen Folgen.

Siehe dazu http://www.burg-waldeck.de/artikel-article.articleid-382-Titel-CD-Edition.htm

Dazu schrieb uns Andreas Räsch:

Noch interessanter als die CDs finde ich die Tatsache, dass die Waldeckfestivals wohl immer noch polarisieren. Die einen halten sie für bedeutende Kulturgeschichte, die anderen für provinziell und unbedeutend, die einen rechtfertigen die Politisierung des Festivals, die andern verdammen die Auswirkungen, nochmals andere finden alles, was nach Achtundsechzigern riecht, per se uncool.

Was zählt, ist aber doch, dass die Waldeckfestivals nach vier Jahrzehnten endlich dokumentiert sind (neuerdings sogar im Online-Lexikon Wikipedia), was die Voraussetzung dafür ist, dass man überhaupt kontrovers darüber diskutieren kann.“

Die Betrachtung und Bewertung der Edition selbst und der damit verbundenen Arbeit (einschließlich der jahrelangen, kontinuierlichen Vorbereitung durch ABW und Deutsches Rundfunkarchiv) gerät über dem im Jubiläumsjahr neu entfachten Kontroverse um die Bewertung der 1960er Jahre in den Hintergrund.

Einer, der genau hingeschaut hat und die CD-Edition beschreibt und bewertet, ist Kai Engelke, der im Folker! 4.08, Seite 85, dazu folgendes schreibt:

„ … Glücklicherweise sind nahezu alle Konzerte (und auch die Diskussionen) der damaligen Zeit aufgezeichnet worden, so dass aus diesem reichhaltigen Material (unzählige Tonbänder wurden zunächst auf 147 CDs kopiert) eine ganz außergewöhnliche Zehn-CD-Edition zusammengestellt werden konnte, die ohne Weiteres als ein kulturhistorischer Schatz bezeichnet werden kann. Das Gesamtwerk wird komplettiert durch ein großformatiges 240 Seiten starkes Buch, herausgegeben von Folker!-Chefredakteur Michael Kleff.

Die zehn CDs enthalten 281 Stücke, die meisten davon bisher unveröffentlicht, insgesamt fast fünfzehn Stunden Musik. Die Aufnahmen sind nach der Reihenfolge der Festivals geordnet (1964 bis 1969). Die zehnte CD enthält neben Liedern auch einige Diskussionsbeiträge, die den Geist der damaligen Zeit ein Stück aufleben lassen, sowie etliche O-Töne bzw. Interviewauszüge z.B. von Franz Josef Degenhardt, Hanns Dieter Hüsch, Walter Moßmann, Hannes Wader und Reinhard Mey.

Man kann mit Hilfe dieser CDs auf Abenteuerreise gehen: Neues ist im Alten zu entdecken, Verloren-Geglaubtes wieder zu finden, Erinnerungen, Überraschungen – alles ist möglich.

Apropos Überraschungen: Die Tonqualität der Aufnahmen ist durchgehend gut, was in erster Linie dem damaligen Tonmeister Helmut König zu verdanken ist, sicherlich aber auch dem Deutschen Rundfunkarchiv, das die von Stephan Rögner erstellten digitalen Bänder in den Jahren 2001 bis 2004 erstbearbeitete, übernahm und auf CDs brannte, und Jürgen Feuß, der dieses Material im Auftrag von Bear Family Records sichtete, auswählte und für die Veröffentlichung bearbeitete.

Das dazugehörige, reich bebilderte Buch – Michael Kleff erstellte es in ständiger Zusammenarbeit mit Stephan Rögner, dem Festival-Fachmann der ABW, – ist eine Mixtur aus Fakten und persönlichen Erinnerungen der beteiligten Künstler und Veranstalter. Die sechs Festivals werden chronologisch abgehandelt und jeweils von einem anderen Autor dargestellt. Auf diese Weise entstand ein Mosaik unterschiedlicher Sichtweisen, das in seiner Gesamtheit den wahren, heute oft verklärt dargestellten Geschehnissen und Entwicklungen während der Waldeck-Festivals wohl recht nahe kommt. Quasi als (ziemlich umfangreicher) Anhang findet sich im Buch eine „Alphabetische Künstlerliste“ der auf den CDs zu hörenden Musikerinnen und Musiker, die eigentlich eher ein Künstlerlexikon voller Geschichten und Anekdoten ist.

Man muss dieses Buch nicht von vorne nach hinten lesen. Man kann darin blättern, sich treiben lassen und – ähnlich wie bei den CDs – immer wieder Entdeckungen machen.

Erschienen ist das Gesamtwerk bei Bear Family Records, dessen Gründer und Inhaber Richard Weize für seinen unternehmerischen Mut zu loben ist, ein derart aufwendiges, grafisch sehr ansprechendes (Nischen)-Werk zu produzieren. Interessenten sollten sich beeilen, die Auflage ist nicht sehr hoch.“

Und hier noch die Meinung eines Folker!-Lesers:

„ … Es ist eine Schande, dass diese Aufnahmen so lange in Archiven schmoren mussten und erst zu einem Zeitpunkt erscheinen, in dem der Niedergang des Tonträgers CD offensichtlich ist. Abschließend sei also nochmals gesagt: Das haben Sie gut gemacht, Michael Kleff.“ (Lothar Stadler in Folker! 05.08, Seite 4.)

GMP

Die Burg Waldeck Festivals 1964–1969 – Chansons Folklore International, 10-CD-Edition mit Buch im Schuber, Hambergen (Bear Family Records) 2008, ISBN 978-3-89916-394-0, BCD 16017 JC.

Die CD-Edition ist bei Conträr, bei der Büchergilde Gutenberg und bei Zweitausendeins erhältlich.

1 Der Verein Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. vergibt zweierlei Auszeichnungen für künstlerisch und aufnahmetechnisch hervorragende Veröffentlichungen auf Tonträgern (siehe www.schallplattenkritik.de):

    • Vierteljährlich erscheint eine Bestenliste von Neuerscheinungen aus den verschiedensten Bereichen. In jeder der 29 Musik-Kategorien, die von „Alte Musik“ bis zu „Weltmusik“, von „Orchestermusik“ bis zu „Lieder und Songs“ reichen, bestimmt eine Jury von fünf Fachleuten die auszuzeichnenden Werke.
    • Der Jahrespreis wird kategorie-übergreifend an insgesamt maximal zehn Tonträger vergeben. Er wird auf der Basis von Jurorenvorschlägen durch den „Jahresausschuss“ ermittelt, dem jeweils vier Juroren aus den Bereichen „Klassik“ und „Popmusik“ angehören.

Köpfchen 3+4/2008, Seite 30ff.

 

Die mit dem Jahrespreis 2008 der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete Zehn-CD-Edition

Die Burg Waldeck Festivals 1964 – 1969“

von Bear Family Recordsist in der ersten Auflage vergriffen.

Sie ist jedoch in der zweiten Auflage schon wieder im Handel, wobei in dem 240-seitigen Begleitbuch von Michael Kleff einige Fehler beseitigt wurden.

Erhältlich bei Conträr, der Büchergilde und bei Zweitausendeins.

Köpfchen 1/2009, Seite 16

 

 


 

 

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Ömmel Foto: molo

Drittes Barbershop-Seminar

Hallo A-cappella-Freunde und solche, die es werden wollen!

Nun kann es endlich weitergehen. Unser geplantes drittes A-cappella-Aufbauseminar findet

vom 6. bis 8. Juni 2008 im Säulenhaus

statt. Die Teilnehmerzahl wird allerdings auch dieses Mal zwölf bis sechzehn Personen nicht überschreiten dürfen, alldieweil wir ein Ensemble bilden werden und keinen Chor. Daher meldet Euch möglichst gleich an, wer zuerst kommt, mahlt zuerst!! Und außerdem (das soll keine Drohung sein) liegen mir schon einige feste Anmeldungen vor. Bei entsprechend großem Interesse wird es natürlich Wiederholungsseminare geben.

Außer unseren beliebten „TAGs" werden wir unsere Lieder der letzten Übungs-CD ("story of the rose, sweet and lovely, shine on me"), singen. Und wir werden uns – wie beim letzten Mal – wieder in entsprechende Quartette aufteilen.

Auf ein Wochenende in Harmonie mit Euch freut sich

Helmut Alba (Ömmel)

Köpfchen 1/2008, Seite 4

 

Barbershop-Seminar mit Ömmel

Die Lust am Dominantsept-Akkord

Nun habe ich schon etliche Jahrzehnte meines Lebens der Sangeskunst gewidmet – nicht beruflich, aber mit viel Spaß in wechselnden Chören. Maxime war für mich immer, es muss Spaß machen, und gut klingen soll es auch. So kann ich sagen, dass ich schon einige seltene Musikrichtungen wie zum Beispiel Obertonsingen (mit Christian Bollmann) ausgeübt und teilweise auch für gut befunden habe.

Aber nach meinem ersten intensiven Zusammentreffen mit der Barbershop-Musik war meine Neugier auf mehr geweckt.... Und so verwundert es den geneigten Leser sicher nicht, wenn ich nunmehr von meinem zweiten – bei einigen Teilnehmern war es bereits das dritte oder vierte – Seminar mit Helmut Alba (Fahrtenname Ömmel ) berichten kann.

Die Voraussetzungen waren einfach perfekt: Gutes Wetter, eine motivierte Burgbesatzung (die ausnahmsweise einmal ohne die gute Burgfee auskommen musste, da diese selbst auf der Teilnehmerliste stand), sowie ein Dirigent, der einfach nicht zu bremsen war.

Der Rheinländer an sich hat ja eigentlich gerne geregelte Arbeitszeiten, auch Pausen nimmt er nicht undankbar zur Kenntnis, und am Wochenende lässt er es gerne ruhiger angehen.

Aber nicht beim Barbershop-Singen!

Mit welcher Begeisterung alle dabei waren, lässt sich an den Trainingszeiten leicht ablesen:

  • Freitagabend bis nach Mitternacht,
  • Samstagmorgen zum Frühstücksbeginn der erste „Tag“ gesungen,
  • Samstagabend bis in die tiefe Nacht geprobt –
  • und dann den noch fast vollständig anwesenden Verwaltungsräten von ABW und Peter-Rohland-Stiftung ein kleines Konzert gegeben. Und schon waren auch diese für den Barbershop gewonnen. Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogar davon ausgehen, dass der eine oder andere am nächsten Seminar teilnehmen wird.

Es war einfach faszinierend zu erleben, wie Ömmel seine eigene Begeisterung an dieser Musik auch uns vermittelte, so dass der Funke immer sehr schnell übersprang.

Hinzu kam die hervorragende Versorgung mit den nötigen Kalorienreserven und Getränken. An dieser Stelle nochmals eine herzliches Dankeschön an die Burgbesatzung!

Ist es verwunderlich, dass nach einem solchen Event sehr schnell Einigkeit über den nächsten Termin geschaffen werden konnte? So treffen sich also die Barbershopper bereits im Herbst,

vom Freitag, dem 17. bis zum Sonntag, dem 19.Oktober 2008

wieder auf der Burg, um weiter am Repertoire zu feilen.

Meine Anmeldung habe ich bereits abgeschickt.

Hørbi

Köpfchen 2/2008, Seite 22f.

 

 


 

 

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Phil Ochs Waldeck 1966 Foto Schiffler

Jour fixe mit Gerd Schinkel

Phil Ochs – der Orpheus mit dem Januskopf

An Pfingsten 1968 hat Phil Ochs auf dem fünften Waldeckfestival „Chanson Folklore International“ auf die Burg Waldeck gesungen. Vier Jahrzehnte nach seinen einzigen Konzerten in Deutschland ist dies ein Anlass, sich an ihn zu erinnern. Am

Samstag, 7. Juni 08, um 20 Uhr

stellt Gerd Schinkel auf der Waldeck sein Phil-Ochs-Portrait-Programm vor.

Im Programmheft des 68er Waldeck-Festivals wurde Phil Ochs vor vierzig Jahren so vorgestellt:

Phil Ochs wurde 1940 in El Paso/Texas geboren. Er studierte in Ohio Journalistik, merkte aber bald, dass er aufgrund der amerikanischen Tabus nicht das veröffentlichen konnte, was er dachte. Er entwickelte sich zum politisch wachsamen, zornigen jungen Mann. Durch eine Wette bei der Wahl J. F. Kennedys zum Präsidenten der USA gewann Ochs eine Gitarre. Er schrieb und textete satirisch-aggressive Verse und Lieder, die von den jungen Coffee-House-Sängern aufgegriffen wurden und sich schnell verbreiteten. Seine Songs setzten sich mit der Kuba-Krise, dem schmutzigen Krieg in Vietnam, dem Militarismus, der Bürgerrechtsbewegung, den Gewerkschaften und Parteien auseinander.
Es ist keine überspitzte Polemik, keine Effekthascherei in seinen Liedern. Sie fordern zum Nachdenken, zum Gebrauch seines eigenen Verstandes auf. Phil Ochs begann als Protestsänger, aber seine letzte LP (Pleasures of The Harbor) zeigt, dass er als singender Journalist zu einem Exponenten der Untergrund-Musik wurde. Seine Melodien sind sehr poppig geworden, während die Texte immer noch Missstände aufdecken und unnachgiebig die ‚Große Gesellschaft’ attackieren.“

Phil Ochs war einer der wichtigsten „Liedermacher“ der USA. Anfang der sechziger Jahre haben er und andere alte und junge Folksänger, vor allem in New York, nicht nur neue kämpferische Lieder geschrieben und gesungen, sondern sich auch in sozialen Bewegungen engagiert. Beim Newport-Folkfestival 1964 war Bob Dylan die Rolle des singenden Protest-Gurus leid und griff zur E-Gitarre. Phil Ochs beanspruchte als Kronprinz, dem auch niemand den Anspruch streitig machte, den nun verwaisten Thron als „King of Protest“ - doch den hatte Dylan nicht nur geräumt, sondern gleich mitgenommen. Rastlos hetzte Ochs hin und her zwischen Solidaritätskonzerten und politischen Aktionen, getrieben von der Idee, mit Liedern die Welt zu verbessern, aber auch in der Hoffnung auf einen kommerziellen Erfolg, wie ihn Dylan schon erzielt hatte. Warum hat es ihn mit eigenen, noch dazu politischen Liedern auf die Bühne gezogen, um von dort aus die Welt zu verändern – bei gleichzeitiger, illusorischer Hoffnung auf kommerziellen Erfolg? War es Geltungsdrang oder nur Mitteilungsbedürfnis, Eitelkeit, gar Fanatismus oder Missionseifer? Seine Biographie sagt dazu wenig.

Als der 27-jährige Phil Ochs 1968 zu den Konzerten in Deutschland eingeladen wurde, hatte der Protest der linken Studenten hierzulande seine ersten heißen Phasen hinter sich. Ein Jahr vorher war in Berlin bei den Demonstrationen gegen den Schah von Persien der Student Benno Ohnesorg erschossen worden, und an Gründonnerstag 1968 fielen die Schüsse auf Rudi Dutschke. In dieses aufgeheizte gesellschaftliche Klima kam mit Phil Ochs, der seine engagierten Lieder bereits auf fünf LPs veröffentlicht hatte, der politischste der amerikanischen „singer-songwriter“ nach Deutschland. Er verdiente nicht schlecht, aber die große Karriere war ihm noch nicht vergönnt. Seine „journalistische“ Phase als „topical songwriter“ glaubte er hinter sich, hatte nun neben politischen Hoffnungen auch künstlerischen Ehrgeiz.

Etwa eine Woche vor seinem Auftritt in Deutschland aber riss ihn die politische Realität aus seinen Träumen: Robert Kennedy, der Phil als Wahlhelfer hatte gewinnen können, war ermordet worden. Als nach dem Parteitag der Demokraten im August in Chicago Hubert Humphrey Präsidentschaftskandidat wurde – und erst recht, nachdem dieser die Wahl gegen Nixon verlor –, blieb Phil eher nur noch ein Getriebener seiner eigenen Träume von einer besseren Welt, als dass er noch aktiv auf Dauer dafür hätte kämpfen können. Immer häufiger versank er in Resignation, Depressionen – und im Alkohol.

In den anderthalb Jahrzehnten, seit er 1960 in Ohio seine ersten Auftritte hatte bis 1976 verlief das Leben von Phil Ochs in extremen Wellen, verstärkt durch Erfolge und Rückschläge – persönliche wie politische, die er wiederum nahezu persönlich nahm – sowie durch Depressionen und Alkoholismus, bis es schließlich in Schizophrenie, Obdachlosigkeit und Suizid endete. Am Freitag, dem 9. April 1976, als er gerade wieder stabilisiert schien, nahm Phil Ochs im Alter von fünfunddreißig Jahren im Haus seiner Schwester Sonny, nicht weit von New York City den Strick. Zehn Jahre vorher hatte am Ende einer Live-LP mit dem Titel „Phil Ochs in Concert“ ein Lied gestanden, das poetisch, aber klar beschrieb, warum es sich für einen engagierten Menschen zu leben lohnt. „When I’m Gone“ ist ein eindringliches Plädoyer gegen Mutlosigkeit und Resignation. Zehn Jahre später war es ihm selbst nicht mehr möglich, daraus Kraft zu schöpfen...

Heute machen Konservative die „Achtundsechziger“ speziell in Deutschland gerne für einen angeblichen „Anti-Amerikanismus“ hierzulande verantwortlich. Dies ignoriert Einflüsse, die in den ersten Nachkriegs-Jahrzehnten von den regierungskritischen sozialen Bewegungen in den USA selbst ausgegangen sind. Phil Ochs war in einer entscheidenden Phase dieser sozialen Bewegungen einer ihrer profiliertesten Sprecher. Und er hat ihr auch eine Singstimme gegeben.

In der deutschen Folkszene haben sich nur wenige Künstler von Phil Ochs inspirieren lassen. Walter Mossmann beispielsweise hat mit einigen Ochs-Melodien eigene Texte transportiert. Kaum jemand hat sich aber hierzulande intensiver mit Phil Ochs auseinandergesetzt als Gerd Schinkel. Er hat mehr als fünfzig Ochs-Songs in die deutsche Sprache übersetzt oder in deutsche politische Zusammenhänge übertragen, um so ihren Charakter als topical songs zu wahren: mit einer Aussage von aktueller Bedeutung, früher, oder sogar bis heute. Gerd Schinkel porträtiert Phil Ochs und sucht auf sehr persönliche Weise in den Liedern des Künstlers nach Antworten auf Fragen, die sich aus dessen Biographie stellen. Internet: http://www.gerdschinkel.de/EssayOchs.htm, & http://web.cecs.pdx.edu/~trent/ochs/.

 

Gerd Schinkel schreibt seit Anfang der siebziger Jahre eigene Lieder und übersetzt und überträgt Songs anderer Singer/Songwriter. Er war Mitbegründer der Bonner Polit-Folk-Kombo „Saitenwind“, die Ende der siebziger Jahre auch gelegentlich Mossmann musikalisch zur Seite stand, und tritt heute meist solo auf. Er ist – anders als Phil Ochs – politischer Journalist geworden und seit Jahrzehnten Hörfunkredakteur. Als nebenberuflicher Liedermacher gibt er Konzerte und hat mittlerweile mit eigenen Songs mehr als zehn CDs für Erwachsene und fünf für Kinder eingespielt und mehr als zwanzig CDs mit Übertragungen bzw. Übersetzungen. Die Themen seiner Lieder zeigen, dass sich seine Lebenswirklichkeit im Alltag kaum von der anderer Zeitgenossen unterscheidet – mit einer Ausnahme, über die er 2005 ein Buch geschrieben hat: „Bin ich ihr ähnlich?“ handelt von der erfolgreichen Suche seiner Adoptivtochter Anneli nach ihren leiblichen Eltern in Südkorea. Gerd Schinkel lebt in Köln und gibt mit hochkarätigen Gastkünstlern für ein interessiertes Publikum regelmäßig exquisite Hauskonzerte in seinem Wohnzimmer – der „Besenkammer“.

Internet: www.gerdschinkel.de

Köpfchen 1/2008, Seite 4ff.

 

Gerd Schinkels Fragen an Phil Ochs

Bound for Glory

Das Leben des amerikanischen Liedermachers Phil Ochs wurde bereits im letzten Köpfchenskizziert. Lebendig wurde seine Person und Bedeutung einem kleinen, aber interessierten Publikum beim Jour fixe, als Gerd Schinkel ihn und seine Lieder vorstellte. Gerd Schinkel, der von dem Protestsänger von Anfang an fasziniert war – von seiner Stimme, seiner Musik und seiner Poesie – hat seine Annäherung an dessen Werk und Schicksal zu einem dreistündigen „Porträt-Programm“ verdichtet.

Gerd Schinkel, selbst Sänger, Liedermacher und Veranstalter von Hauskonzerten1, der sich selbst sehr differenziert auf seinen Gitarren begleitet, geht die Präsentation auf eine faszinierende Art und Weise an. Er singt Phil-Ochs-Lieder in seiner eigenen Übersetzung bzw. Übertragung. Letzteres gilt vor allem für die für den Protest-Singer charakteristischen „topical songs“: Wenn der amerikanische Hintergrund eines dieser Lieder hierzulande unbekannt ist, macht Schinkel zur Ochs-Melodie einen eigenen Text, dessen „topic“ er der damaligen bundesrepublikanischen Wirklichkeit entnimmt, wie zum Beispiel bei dem Lied „Ablehnungsbescheid“, einem Lied über die Berufsverbote der siebziger Jahre. Er scheut sich auch nicht, Bezüge zur deutschen Gegenwart in seine Übertragungen einzuflechten, so in dem Lied „Willkommen“, das von asylsuchenden Flüchtlingen handelt. Gerd Schinkel stuft solche Lieder als „aktuelle Lieder zu zeitlosen politischen Themen“ ein.

Eingeleitet werden die Lieder durch Schinkels „Fragen ohne Antworten“, die er an den toten Liedermacher richtet – Fragen, die Erklärungen suchen für das allzu frühe Scheitern eines außergewöhnlich kreativen Talents. Lag es an seinem unsteten Charakter? War es Ehrgeiz, ungestillter Hunger nach immer mehr Anerkennung? Wurde er von Bob Dylan gemobbt?

Oft meint man aus diesen Fragen die desillusionierte Ironie eines Heinrich Heine herauszuhören:

  • „Meine Güte, warst Du naiv. Wie kann man denn einen Fernsehboykott organisieren und trotzdem noch darauf hoffen, dass man in einer Fernsehshow vor die Kamera geholt wird...“
  • „Der Schlüssel zum kommerziellen Erfolg, Phil – das hat Bob Dylan Dir doch gezeigt – der liegt im Nebel, genauer gesagt: im Unverbindlichen – Du musst eben Deine Texte verschlüsseln, also auf den Klartext verzichten.“

Auch kritsche Fragen spricht Gerd Schinkel an:

  • „Schließlich hast Du ja ‘ne Botschaft, eine „Message“, ein Anliegen. Dass Du auf diese Weise oft den Leuten, die sowieso schon Deiner Meinung waren, nur nach dem Munde gesungen hast, ist Dir nie aufgefallen, was? Hauptsache, ein klares Feindbild... Schwarz-weiß gemalt werden Konturen ja auch deutlicher.“
  • „ ‚Ich werde niemals mehr marschiern’ hast Du gesungen, mit 25 – gleichzeitig warst Du aber auch dagegen, dass Völker auf den Knien lagen, dass Gewalttäter über sie hinwegziehen konnten. Das ist doch ein Widerspruch... – einer von vielen.“

 

Da es sicherlich vielen im Publikum so ging wie mir, dass sie die ganze Fülle des gedanklichen Gehalts dieser Vorstellung nicht in vollem Umfang nachvollziehen konnten, ist es gut, dass Gerd Schinkel den ganzen Text auf seine Homepage gestellt hat, so dass man ihn in aller Ruhe nachlesen kann.

Es lohnt sich. Phil Ochs kann nicht mehr antworten. Aber die Fragen bleiben aktuell.

GMP

1 www.gerdschinkel.de. Dort auch Angaben zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen. – Wer sich für Gerd und Martina Schinkels „Besenkammer-Konzerte“ interessiert, sei auch auf den Bericht im „Folker!“ 03.08, Seite 36, verwiesen.

Köpfchen 2/2008, Seite 24f.

 

 


 

 

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Dr. Karl-Heinz Rueß Foto: mike

„Göppinger Köpfe“

Pitter zum Fünfundsiebzigsten

Peter Rohland wäre dieses Jahr 75 Jahre alt geworden. Dies nahm die Peter Rohland Stiftung zum Anlass, die Stadt Göppingen, in der Pitter und seine Freunde aufgewachsen sind, auf ihre Peter-Rohland-Ausstellung aufmerksam zu machen. Wolfgang Züfle (dex) vermittelte den Kontakt zu Dr. Karl-Heinz Rueß, dem Leiter von Archiv und Museum Im Storchen, der den Gedanken aufgriff und vertrat.

Zusammen mit dem Göppinger Geschichts- und Altertumsverein im Museum wurde die Ausstellung aufgebaut und ergänzt durch Originaldokumente und Gegenstände aus Pitters Nachlass bei seiner Familie, darunter auchseine Gitarre. Ansprechpartner und Mitorganisator von Seiten der Waldeck war vor allem Wolfgang Züfle, der einst zusammen mit Peter Rohland zur Göppinger Fraktion der Schwäbischen Jungenschaft gehörte, zu der seinerzeit auch Reiner Kraetsch (brummel), Wolfram Wette und Detlef Hilmer (floh) zählten.

Die Ausstellung fand regen Zuspruch beim Publikum. Sowohl bei der Eröffnungs- wie bei der Schlussveranstaltung fassten die Ausstellungsräume in dem schönen alten Fachwerkhaus, das 1536 als Wohnsitz der Freiherren von Liebenstein erbaut worden war und das alle Unbilden der Jahrhunderte überstanden hatte, nur mit Mühe das herbei geströmte Publikum.

Zur Eröffnung am 8. Juli 08 erklärte der Peter-Rohland-Biograf Eckard Holler mit Liedbeispielen dessen Bedeutung für die deutsche Liederszene, und dex sprach über pitters Leben und über die gemeinsame Jugend in Göppingen und auf der Waldeck.

Den Schlusspunkt setzte am 10. August die Finissage mit einem Konzert von Thomas Friz, der vor allem Peter-Rohland- und andere Lieder rund um die bürgerliche Revolution von 1848 sang. Er hatte sich so intensiv in Pitters Lieder hineinversetzt, dass mir der Gedanke kam, pitter selbst hätte die Interpretationen von Thomas Friz als Weiterentwicklung seiner eigenen empfinden können. Das Publikum dankte ihm mit großem Applaus.

Das Museum verkaufte während der Dauer der Ausstellung Produkte der Peter Rohland Stiftung, insbesondere die CD mit seinen frühen Liedern, die Biografie von Eckard Holler und die Broschüre mit den Bild/Text-Tafeln der Ausstellung. So kam außer einer guten Resonanz in der Lokal- und Regional-Presse auch ein erfreuliches finanzielles Ergebnis für die Stiftung zustande.

Mit der Aufnahme in die Ausstellungsreihe „Göppinger Köpfe“ wurde Pitter in die Liste von Göppinger Persönlichkeiten aufgenommen, in der so klingende Namen wie Matthias Erzberger, Willi Bleicher und Hermann Hesse verzeichnet sind. Die Freunde Peter Rohlands danken der Stadt Göppingen, Herrn Dr.Rueß und allen Beteiligten für diese ehrende Erinnerung an den früh verstorbenen Sänger, Liedermacher und Volksliedforscher.

GMP

Die Peter-Rohland-Ausstellung wird vom 6. bis zum 26. Juni 09 im Foyer des Landtags Rheinland-Pfalz zu sehen sein.

Köpfchen 3+4/2008, Seite 23f.

 

 


 

 

Theatertreffen auf der Waldeck

Erste „Summer Stage Waldeck“

Auf der Waldeck soll es in Zukunft jährlich ein Internationales Theater- und Musik-Treffen geben für junge Künstler zwischen 17 und 27 Jahren. Heißen soll das ganze Summer Stage Waldeck.

Vom 25. Juli bis 3. August 2008 wird diese zum ersten Mal stattfinden. Bereits fest zugesagt haben Gruppen aus Großbritannien, Spanien, Schweden, Polen, Italien, Ungarn und Frankreich. Es handelt sich um Theater-, Musik- oder Tanzgruppen, die an den Abenden ihre Produktion zeigen werden. Morgens wird es Workshops geben, und nachmittags wird an einer gemeinsamen Abschlussaufführung gearbeitet, die für den 2. August auf der Waldeck vorgesehen ist.

Die Summer Stage wird geleitet vom Team der Waldecker Magdalena Jakubowska, Anita Wiersch und Hotte Schneider. Anita hat langjährige Erfahrung als Leiterin von „PlöngCity“, der Erfolgsveranstaltung des BDP Rheinland-Pfalz, die schon seit den Achtzigern immer während der Osterferien auf der Waldeck stattfindet. In Magdalena Jakubowska hat Hotte eine junge freischaffende Managerin aus dem Hunsrück gefunden, die schon einige erfolgreiche europäische Projekte organisiert hat und die sich hier zuverlässig um EU-Zuschüsse kümmert. Hotte ist bei der Summer Stage zuständig für die Gestaltung der Aufführungen.

Die Idee ist, die Waldeck für junge, kreative Leute aus Ländern interessant zu machen, die durch den Flughafen Hahn neuerdings sehr leicht erreichbar sind. Veranstalter ist der BDP Rheinland-Pfalz. Die Peter Rohland Stiftung hat für die osteuropäischen Jugendlichen einen Teilnehmer-Zuschuss von 1 500 Euro zugesagt. Mehr Infos bei Hotte Schneider, Tel.: 0049 (0) 6763 309264.

Hotte

Köpfchen 4/2007, Seite 14f.

 

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Das Forum-Theater aus Wroclaw

BDP Rheinland-Pfalz und Hotte

Summer Stage Waldeck 2008

25. Juli bis 3. August 2008

Bei der Summer Stage Waldeck 2008 treffen sich junge Theater-, Musik- und Tanzgruppen aus England, Polen, Ungarn, Italien, Frankreich, Spanien, Schweden und Deutschland auf der Burg. Jeden Abend wird eine andere Gruppe eine „Produktion“ zeigen.

Morgens wird es Workshops geben. An den Nachmittagen sind Programme vorgesehen, die das gegenseitige Kennenlernen fördern. Außerdem ist Erkundung der Umgebung angesagt. Alle arbeiten auch an einer gemeinsamen Abschluss-Aufführung, die am Ende über die Waldecker Bühne gehen soll.

Das alles haben sich jedenfalls die Organisatoren Anita Wiersch und Hotte Schneider so gedacht. Ob es so sein wird und vor allen Dingen wie es sein wird, muss sich erst noch zeigen. Die Vorbereitung war jedenfalls schon sehr abenteuerlich: Falsche Erwartungen und Mentalitätsunterschiede führten am Anfang zu erheblichen Missverständnissen, was auch dazu führte, dass Gruppen absagten oder Gruppen ausgeladen wurden. Geduldiges und beharrliches Management war angesagt – mit dem Ergebnis, dass von den geplanten acht Gruppen nur noch drei dieselben geblieben sind wie am Anfang. Fast ein kompletter Austausch, der der Summer Stage allerdings zuletzt in jeder Hinsicht geeignetere Gruppen beschert hat. Aus Ungarn wird zur Zeit noch eine neue Gruppe gesucht (Infos zu den Konditionen bei Hotte).

Was die „Länderaufführungen“ unter der Woche anbetrifft, wissen die Waldecker selber noch nicht richtig, was da kommt. Deshalb wird für diese Überraschungen auch keine öffentliche Werbung gemacht. Wenn jemand aus dem Waldecker Umfeld zugucken will, ist er abends herzlich willkommen. Detail-Infos dazu wird es zudem kurzfristig auf der Homepage oder am schwarzen Brett geben.

Um viel Publikum wird dagegen für die gemeinsame Abschluss-Aufführung am Abend des 2. August geworben:

Rendez-vous“

Ein Tanztheater mit 42 Künstlern aus acht Ländern
am Samstag, dem 2. August, Beginn: 19.00 Uhr

Gastgeber für die Summer Stage Waldeck 2008 ist der BDP Rheinland-Pfalz e.V. c/o Anita Wiersch www.bdp-rlp.de.

Summer Stage Waldeck 2008 wird gefördert durch die EU-Kommission im Rahmen des Programms „Jugend in Aktion” und die Peter Rohland Stiftung.

Köpfchen 2/2008, Seite 23f.

 

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Foto: molo

Theatertreffen international

Summer Stage Waldeck 2008

2. August 2008. Es ist Samstagabend. Vor dem Café-Bus auf der Waldeck sammeln sich mehr Zuschauer als erwartet zu einem Theaterereignis der besonderen Art. 35 Künstler aus sieben verschiedenen Ländern warten an zwölf Stationen kreuz und quer durchs Gelände mit Tanz, Pantomime und Theater auf. Unter dem Titel „rendez-vous“ besetzen da „Waldmonster“ die Salamander- Hütten, entgehen Fluggäste einer Bombe, landen „Außerirdische“ auf der Freilichtbühne und im Strohhaus klopfen drei „Geliebte“ gleichzeitig zum „candle-light-dinner“ auf der davor liegenden Festival-Wiese an. Auf der Terrasse des Mohrihauses sehen wir dann grundlos eifersüchtige Ehemänner mit beschwichtigenden Frauen in einer „histoire d’amour à la française“. Die Themen sind banal. Das Niveau der Darbietungen ist hoch.

Zehn Tage waren die jungen Künstler, zumeist Schauspielschüler, auf der Waldeck zusammen, um unter der Regie von Hotte Schneider eine zweistündige Performance auszuarbeiten. An den vorangegangenen Abenden dieser Summer Stage-Woche hatten die einzelnen „Länder-Gruppen“ bereits komplette Stücke präsentiert, die sie zu Hause vorbereitet hatten. Elemente daraus flossen in die hier gebotene gemeinsame Abschluss-Aufführung ein. Zudem waren viele Spiel-Stationen angereichert mit Ergebnissen aus mehrtägigen Workshops, die von den wohlausgesuchten Spezialisten Cécile Démonchy aus Frankreich (Theater), Józef Makocki aus Polen (Pantomime) und Tina Lindberg aus Schweden (Tanz) geleitet wurden. Alles in allem war es eine vielsprachige, mit Musik gewürzte Melange für ein einmaliges, ästhetisches Erlebnis.

Zehn Tage präsentierte sich die Waldeck ihren internationalen Gästen in strahlendem Sonnenschein. Pünktlich zum lang anhaltenden Schluss-Applaus setzte dann am Ende der Regen ein. Angesichts der perfekt abgewickelten Show könnte man meinen, es war so geplant.

Und es kam wie es kommen musste: Den Regentropfen folgten Tränen des Abschieds. Schon zwei Stunden nach Ende der Show mussten die vielgefragten Polen die Heimreise in ihrem Auto antreten. Um zwei Uhr morgens saßen die Franzosen in ihrem Tourneebus, um vier Uhr waren die Engländer auf dem Flughafen Hahn. Und ein paar Stunden später saßen Italiener, Schweden und Spanier im Flugzeug.

Es zeigt sich, dass über den Flughafen Hahn junge Menschen aus ganz Europa unkompliziert zu Treffen der besonderen Art auf der Waldeck zusammenkommen können. Man muss es einfach nur anpacken. So wie es hier Anita Wiersch vom Gastgeber „Bund Deutscher PfadfinderInnen, Landesverband RLP“ und das Leitungsteam in vorbildlicher Weise getan hat. Außer den ABWlern Anita Wiersch und Hotte Schneider gehörten zu diesem Leitungsteam noch Anna Zelno aus Valencia.

Das Projekt wurde gefördert durch die EU-Kommission im Rahmen des Programms „Jugend in Aktion” und die Peter Rohland Stiftung.

Hotte Schneider

Hierzu aus dem Gästebuch der ABW:

„Wie lange hatte ich mir schon vorgenommen, ‚Die Waldeck’ zu besuchen! Und wie genial, zur "Summer Stage" des Weges zu kommen.

Das komplette Gelände bietet sich mit seiner vielfältigen Gestaltung als Naturbühne nur so an. Überall wurde Theater, Gesang, Musik, Pantomime und Tanz bis in die Nacht hinein studiert und (spontane) Darbietungen gegeben: Auf einer Hütte in malerischer Hanglage tauchten plötzlich staunende Waldgeister auf. Die weitläufige Wiese mutierte für Badende zum Strand. Eine lautstarke Eifersuchtsszene fand auf einer Terrasse ihre musikalische Lösung - und irgendwo vergaß wer einen dubiosen Koffer ...

Dieses bunte Neben- und Miteinander europäischer Sprachen. Auch für fremdsprachlich Ungeübte super nett. Wenn das nicht mal ein gelungenes Stück Europa ist!

Und zum Abschied gab es von Peer für einige Interessierte eine nächtliche Führung durch das Archiv – vielen Dank!“

Dirk Makoschey, Köln

Aus: http://www.burg-waldeck.de/gaestebuch-index.htm.

Video, Fotos und Pressebericht zur Summer Stage siehe http://www.bdp-rlp.de/summerstage.html.

Köpfchen 3+4/2008, Seite 24f.

 

 


 

 

 

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Zugvogel mit Skynnie an pitters Bassbalalaika Foto: molo

Neunter Peter-Rohland-Singewettstreit

Der Vorabend – Erinnerungen an pitter

Es war damals eine gute Idee, dem Peter-Rohland-Singewettstreit am Vorabend einen Kultur- oder Musikabend voranzustellen. Dieses Mal war der von Peer organisierte Abend dem Namensgeber des Wettstreits gewidmet.

In der überfüllten Bühne, mit der großartigen Wanderausstellung über Peter Rohland als Kulisse, lauschte das Publikum zunächst pitters Schulfreund Brummel – die etwas zögerliche Annäherung an pitters Jungenschaftsgruppe. Auch über den Schulfreund pitter waren so manche Stories zu erzählen, z. B. wie pitter zu seinem Abitur ein leeres Blatt in Mathe abgab. Das Abi erhielt er aber trotzdem, wegen seines „sozialen Engagements“, wie dies die Schule begründete. Goldene Zeiten!

Zwei Filme wurden gezeigt, bei denen pitter mitwirkte. Einer über eine Griechenlandfahrt und dann der schon legendäre Spielfahrt-Film von Karl Mohri, in dem der Landstreicher pitter (zusammen mit fred) sich in den Zwang der fahrenden Theatergruppe nicht einordnen will. Wer hätte damals gedacht, dass pitter die Landstreicherlieder später so erfolgreich bekannt machen würde!

Pitters Gesang rundete den Abend ab. Wer pitter gut gekannt hat, dem war jede Nuance seines Gesangs eine Spiegelung seines Wesens. Pitter sang mit Seele – ich glaube, das war an diesem Abend besonders spürbar!

 

Nach Abschluss des Peter-Rohland-Singewettstreits stellte molo pitters wiederhergestellte Bass-Balalaika vor. Pitter hatte seinerzeit die schöne Geschichte erzählt, wie er einen russischen Grenzer in Berlin leicht düpierte, als der fragte, was dieses in Hülle gepackte Gerät denn sei. „Na, eine Bass-Balalaika natürlich, was sonst?“

Dem Bassisten vom Zugvogel, Skinny, wurde das Instrument leihweise zu treuen Händen übergeben. Auf dem Kochshof wird er daran den musikalischen Nachwuchs des Zugvogel schulen. Spontan stellte Skinny – in Begleitung der anwesenden Sänger vom Zugvogel – sein Können an der Bass-Balalaika unter Beweis.

Wir hoffen, dass wir dieses schöne Instrument noch oft beim Singewettstreit hören werden! An russischen Liedern fehlt es dort jedenfalls nicht.

Hanno Botsch

Köpfchen 3+4/2008, Seite 16

 

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molo präsentiert pitters Bassbalalaika - Foto: Horst Sommer

Bass-Balalaika für Unterricht mit Jugendlichen

Hanno hat es in seinem Bericht über den Peter Rohland gewidmeten Vorabend des Singewettstreits 2008 schon erwähnt: die legendäre Balalaika ist zurück auf der Waldeck.

Im Köpfchen 3/2002, Seite 7f., wurde die bisherige Geschichte der Balalaika beschrieben.1957 von Peter Rohland nach Erwerb – der Legende nach in Ost-Berlin – auf die Waldeck gebracht, schmückte sie jahrelang den Kaminraum des Schwabenhauses, war 1958 mit auf der Spielfahrt an der Mosel, wurde irgendwann danach von Pitters Schwester Ingrid in Obhut genommen und im Jahr 2000 zum ersten Peter-Rohland-Singewettstreit zurückgebracht. Heiner Kröher stellte erhebliche Schäden fest, nahm sie mit nach Pirmasens, ließ sie von einem befreundeten Restaurator gegen sein gutes Geld herrichten und trennte sich diesem Sommer schweren Herzens vom zeitweiligen Schmuckstück seines Wohnzimmers.

Jahrelang hatte die Waldeck keinen rechten Platz und keine Verwendung für das Instrument. Schwaben- oder Säulenhaus eignen sich wegen der wechselnden Belegung nicht für eine Aufstellung. Das Archiv ist selbst in Raumnot. Also war Heiners Wohnzimmer ein guter Platz.

Nun hat sich die Peter Rohland Stiftung eingeschaltet. Parallel zu den in diesem Heft geschilderten Ausbildungsaktivitäten für das Singen von Kindern und Jugendlichen wird die Balalaika für die Schulung von Jugendlichen eingesetzt. Skinny vom Zugvogel, fit auf vielen Instrumenten, wird das übernehmen. Zuvor lässt die Stiftung von einem pensionierten Sattlermeister im Hunsrück noch eine stabile Hülle für das Instrument schneidern, dieses wird adäquat versichert und dann, verbunden mit einem Leihvertrag, zweckbestimmt und befristet an den Zugvogel ausgeliehen.

molo

Köpfchen 3+4/2008, Seite 22

 

 


 

 

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Martin Sommer Foto: molo

Einladung: 26. – 28. September 2008

Workshop: Eigene Lieder schreiben

Tolle Lieder gibt es viele, aber selber eines schreiben?

Das ist nicht schwer, weder für den Solo- noch für den Gruppengesang nach dem Workshop „Eigene Lieder schreiben“ auf der Burg Waldeck (www.burg-waldeck.de):

  • Für wen ein Lied schreiben?
  • Wie anfangen? (Ideen sammeln und umsetzen)
  • Was macht einen Sologesang und was ein gruppenfähiges Lied aus?
  • Wie Verse und Strophen schreiben?
  • Rhythmus und Reim einsetzen?
  • Wann und wie Wiederholungen in Liedern einsetzen?
  • Welche Wege und Tipps und Tricks gibt es?
  • Welche Hilfsmittel gibt es? (Reimlexikon …)

Der Lieder-Workshop ist für Einsteiger gedacht, die eigene Lieder schreiben wollen, die einzeln oder in der Gruppe gesungen werden können. Ein Instrument muss nicht unbedingt beherrscht werden, ein Bezug zu Melodie und Rhythmus sollte aber schon vorhanden sein. Eventuell wird es später noch einen zweiten Workshop für Fortgeschrittene geben.

Als fachkundige Referenten leiten Martin Sommer (Liedermacher, www.martin-sommer.net) und Lutz Eichhorn (BDP, Rhythmus global, (www.bdp.org/mtk „Rhythmus Global“) den Workshop auf der Burg Waldeck.

  • Mitbringen: Soweit vorhanden, Entwürfe von eigenen Liedern, Instrumente wie Gitarren etc. und für die Übernachtung Schlafsack und Laken! Wir werden in der Berliner Hütte übernachten (sehr schön, aber einfacher Standard, u.a. Mehrbettzimmer!)
  • Termin: 26. - 28. September 2008
    Freitag ab 18.00 Uhr bis Sonntag 16.00 Uhr
  • Anmeldung über: Lutz Eichhorn rhythmus.global@gmx.de
  • Der Workshop kostet inklusive Übernachtung und Verpflegung nur 20 € pro Person, da wir einige Sponsoren gefunden haben. Das Geld muss spätestens vier Wochen vor dem Workshop auf folgendes Konto überwiesen werden:
    Empfänger: BDP Main-Taunus,
    Bank: Taunus-Sparkasse
    BLZ: 512 500 00, Konto Nr.: 38000136
    Betrag: 20 €
    Stichwort: Workshop Eigene Lieder

Hinweis: Bis 14 Tage vor dem Workshop ist eine kostenfreie Absage durch Teilnehmende möglich, danach kann die Teilnahmegebühr leider nicht mehr zurückerstattet werden.

Dieser Workshop wird veranstaltet und bezuschusst von der Peter Rohland Stiftung (www.peter-rohland-stiftung.de) und Rhythmus Global (www.bdp.org/mtk/ Stichwort: „Rhythmus Global“).
Finanzielle Unterstützung gibt es zudem durch die Landesarbeitsgemeinschaft „anderes lernen“.

Köpfchen 2/2008, Seite 25.

 

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Maite & Flo Foto: Lutz Eichhorn

Kreativ-Werkstatt

Vom Lieder schreiben

Vom 26. 9. bis einschließlich 28. September, eines der schönsten Herbstwochenenden diesen Jahres, war der Hunsrück Schauplatz für ein gut hundertfünfzig Grünhäute und Ritter umfassendes LARP (Life Action Role Playing – dt.: Waschechtes Abenteuer-Rollenspiel). Die ganze Burg Waldeck war besetzt!

Das ganze Gelände? Nein, es gab ja noch die Berliner Hütte – Treff-, Schlaf- und nicht zuletzt Arbeitspunkt für den Workshop „Eigene Lieder schreiben“. Platz für fünfzehn Liedermacher (wortwörtlich, nicht historisch) in spe inklusive den Workshopleitern – Lutz Eichhorn (BDP „Rhythmus global“) und Martin Sommer (ich) – und einem zwei Mann bzw. Frau starken Verpflegungsteam.

Die Ausschreibung richtete sich an Einsteiger, Interessierte und Austausch-Suchende, woraus sich letztlich auch die Teilnehmergruppe zusammensetzte: Ein Sammelsurium unterschiedlicher Voraussetzungen und Ansprüche, von jungen Pfadfindern über langjährig erfahrene Musiker bis hin zu alten Hasen (historisch, nicht wortwörtlich) des Lebens.

Erklärtes Ziel war es, allen Teilnehmern mit viel Anregung und ein wenig Unterstützung zum Schreiben eines, vielleicht sogar ersten, eigenen Liedes an diesem Wochenende zu verhelfen.

Es begann dabei am Freitagabend mit einer geselligen Kennenlern-Runde, wozu auch ein Reim- und Sinnsuchendes Kreativspiel von Lutz beitrug: Dabei bekam man nicht mehr als einen Reim vom Vordermann, hatte genau eine Zeile Platz, eine eigene Assoziation zum vorgegebenen Thema – es war „Unterwegs sein“ – gereimt niederzuschreiben, um den Zettel dann technisch geschickt gefaltet an den Nächsten weiterzuleiten, damit dieser nur wieder den Endreim zu Gesicht bekam. Das Ausrollen der Zettel am Ende brachte die verschiedenen Ansichten, Gedanken und Gefühle ans Tageslicht, die jeder Einzelne mit dem Thema verband: Aufbruch, Heimat, Unbefangenheit, Sehnsucht, Ankunft etc. – jeweils verpackt in eine kurze Zeile. Ganz ähnlich ist auch der Anfang beim Schreiben eines Liedtextes!

Am frühen Samstagmorgen dann traf ich in der Dusche auf einen LARPer und fragte ihn, wen oder was er den spiele. Er meinte, er sei ein NSC (ein Nicht-Spieler-Charakter), welcher die Aufgabe hat, in Gestalt verschiedener Personen – er war am Vorabend erst Bauer und später Priester – die Spieler mit Informationen zu versorgen. Dafür habe er sich am Donnerstag noch bis tief in die Nacht Sätze und Spielweisen überlegt, allerdings wurde er am Freitag dann nicht einmal angesprochen und konnte seine Sätze nicht ein einziges Mal zum Besten geben. Sehr schade!

Nach einer Einführung in die Arbeit an Liedtexten am Samstagvormittag und dem dazugehörigen Überblick zu Songaufbau und -struktur nach dem Mittag – Details zu den beiden Themenbereichen wie auch zum Mittagessen selbst würden diesen Rahmen sprengen – war der Rest des Tages sowie der Sonntagvormittag für die Umsetzung der Lied-Ideen der Teilnehmer bestimmt.

Themenvorgaben gab es dabei nicht. Mitgebrachte Fragmente, spontane Einfälle sowie lange mit sich herumgetragene Ideen waren das Fundament für die entstehenden Lieder. Lutz und ich dienten dabei als stete Ansprechpartner, um bei individuellen Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Was in dieser Form manchen vielleicht an Waldorfschule erinnert, ist tatsächlich wohl der schwerste Teil beim Liederschreiben: Sortieren und vor allem Aussortieren, einzelne Textideen in Verse fassen, Metrik und gegebenenfalls Reimstruktur festlegen, Harmonien und Melodien finden sowie sich immer wieder fragen „Wohin soll es gehen und wie komme ich da hin?!“.

Am Sonntag wurde weiter an den Liedern gearbeitet, was bei manchen bedeutete, ein Reimwort zu ändern oder einen Satz umzustellen, andere tauschten komplette Strophen aus. Ein Teilnehmer verwarf gleich alle bis dahin angestauten Text- und Melodiefragmente, über die er viele Stunden gebrütet hatte. Wie befreit von dem Ballast schrieb er binnen einer guten Stunde sein Lied, welches nichts gemein hatte mit dem, was er sich bis dahin vorgenommen hatte. Kurz: Das ganz gewöhnliche Prozedere eines Liedtexters von sonst zwei bis vier Wochen Arbeit zusammengefasst an einem Sonntagvormittag.

Mehr Zeit war dafür an diesem Workshop-Wochenende leider nicht drin, aber die Abschlussrunde war nicht nur für uns Workshop-Leiter mehr als befriedigend: Die vorgestellten Lieder waren für ihre Entstehungszeit von einem halben Wochenende phantastisch! Sie wurden von Lutz erstmal auf Mini-Disc bzw. Festplatte aufgezeichnet, um eine Bestandsaufnahme von den Liedern in Rohform zu bekommen.

Selbstverständlich müssen diese Kleinodien noch nachgeschliffen und poliert werden, um sie dann bestenfalls im Vergleich mit den Aufnahmen erneut zu präsentieren. Dies ließ unter anderem bei den Teilnehmern ob des erfolgreichen Wochenendes den Wunsch nach einem Folgeworkshop aufkommen.

Bis es soweit ist, bleibt mir nur zu wünschen, dass es den Teilnehmern nicht so wie meinem duschenden LARP-Freund ergeht, wobei ich glaube, für alle an diesem Workshop-Wochenende Anwesenden zumindest das Eine behaupten zu können: Wir sind keine Nicht-Spieler-Charaktere!

Also viel Spaß beim Liederschreiben und -singen, Freunde!

Martin Sommer

Teilnehmer erinnern sich

Ich kam spontan, aus Neugier, wie die Mutter zum Kind. Seit langer Zeit singe ich, auch öffentlich. Eigene Sachen sind mir stets schwer gefallen. Es mangelte nicht an Ideen, aber – Verstopfung!

Es gab hier viele nützliche Informationen zu dem, wie so ein Lied von der Idee bis zum fertigen Lied wird. Ich hätte nicht geglaubt wie viele Ansätze möglich sind. Ich empfand die Dozenten als sehr kompetent in ihrer Sache, aber auch darin, diese Sachen zu vermitteln.

Liebe Leute, ihr habt mir motivierend durch sanftes Hinstoßen, Ratschläge und gleichzeitig genügend Freiraum geholfen, die „Verstopfung“ zu lösen. Ich habe mein zweites Lied seit vielen Jahren vollendet, und mein Koffer ist voll mit Ideen und Entwürfen.

Die Atmosphäre war locker, auch gemeinsames Musizieren kam nicht zu kurz.

Ein schönes und produktives Wochenende!

Pjotr Latalas

Bei uns Pfadfindern spielt das Musizieren und Singen eine große Rolle. So kommt es auch schon einmal vor, dass man sich selbst an einem Lied versucht. Allerdings ohne sich großartige Gedanken über den Aufbau und das Reimschema oder das Abzählen von Silben zu machen. Man achtet einfach auf sein Gefühl, das einem sagt, wie sich etwas anhört.

Als wir von dem Workshop auf der Waldeck erfuhren waren, wir natürlich neugierig. Wir hatten keine großen Vorstellungen – wir waren offen.

Es war ein sehr schönes Wochenende! Besonders das Gleichgewicht eines anfänglichen theoretischen Teils und einer Menge Zeit am Nachmittag, um selbst produktiv zu sein.

Es sah so aus, dass wir uns am Samstagnachmittag auf dem Gelände rund um die Berliner Hütte verteilten. Allein oder auch zu zweit. Jeder hat natürlich seine eigene Methode, an das Schreiben eines Liedes zu gehen.

Wir setzten uns auf eine Decke in die Sonne und machten uns erst einmal Gedanken über den Inhalt. Wovon sollte das Lied handeln? Und hatte man vielleicht irgendeine Zeile im Kopf, die man unbedingt integrieren wollte?!

Und blieb man doch einmal hängen – es bedurfte nur eines kleinen Hilferufs, und schon war ein Retter da; für Melodie oder Text, das was eben benötigt wurde.

Bemerkenswert war die große Unterschiedlichkeit der entstandenen Lieder, bei nur fünfzehn (?) Leuten.

Flo und Maite

Köpfchen 3+4/2008, Seite 25ff.

 

 


 

 

Viertes A-cappella-Seminar auf Burg Waldeck

am Wochenende vom 17. bis zum 19. Oktober 2008 unter der Leitung von Helmut Alba

Freitag. Als wir nach zweistündiger Fahrt mit Autobahn-Stau und entlang der Mosel gegen 18 Uhr zur Burg Waldeck kamen, zeigte das Thermometer trotz herbstlichen Sonnescheins gerade mal 8°C. Voller Erwartung bezogen wir unser Quartier im Haupthaus. Dann ging es für die (noch) neun Sänger zum gemeinsamen Abendessen, das Georg gekonnt auftrug.

Viertel nach acht ging's dann im Kaminzimmer los. Helmut sang seine acht Teilnehmer (vier Frauen und ebenso viele Männer) ein, es folgten einige schöne Tags, an denen intensiv gearbeitet und gefeilt wurde. Gegen 22 Uhr stießen noch Annette und Conny zu uns.

Viertel nach elf waren wir zwar schon etwas müde, hatten aber noch Lust auf ein gemütliches Zusammensein bei leckeren Getränken, Knabbereien und Musik (Annette sang einige sehr schöne Lieder zu Connys Klavierbegleitung). Nach ein Uhr zogen sich die letzten Unermüdlichen auf ihr Lager zurück.

Der Samstag begann um neun mit dem gemeinsamen Frühstück, und ab halb elf wurde im Kaminzimmer wieder gesungen. Das gemeinsame Mittagessen von eins bis halb drei bot auch eine Pause und somit reichlich Zeit zum Gedankenaustausch. Danach sangen wir uns noch eine Stunde hungrig, denn gegen halb vier gab es, von Helmut spendiert, Strudel mit Soße. Anschließend konnten wir Ton- und Filmaufnahmen von Barbershop-Events hören und sehen.

Von fünf bis halb acht wurde nochmals gesungen, dann ging es zum gemeinsamen Abendessen. Die auch auf der Burg weilende Jugendgruppe hatte zu viel gekocht und lud uns ein, von ihrem Essen zu probieren, damit nichts übrig bleibt. Zum Dank sangen wir der Jugendgruppe ein Ständchen.

Von halb neun bis elf stieß Daniel noch zu uns und bot uns ein Solo der Extraklasse. Der abendliche Ausklang mit viel Musik endete erst um eins.

Sonntag. Neun bis halb elf gemeinsames Frühstück, lecker und reichlich wie immer. Dann wurden bis ein Uhr Bild- und Tonaufnahmen der einstudierten Stücke gemacht.

Packen, Getränke mit Dido abrechnen, noch ein wenig Konversation, und gegen halb vier begann die Heimfahrt bei immer noch herrlichem Herbstwetter, wieder entlang der Mosel.

Es war ein ganz besonderes Wochenende mit interessanten Begegnungen bei einem hervorragenden Seminar – Danke, Helmut!

Das fünfte A-cappella-Seminar auf Burg Waldeck findet von 23. bis 25. Januar 2009 statt, wieder unter der Leitung von Helmut Alba.

Ludwig Bechtloff

Köpfchen 3+4/2008, Seite 28

 

 


 

 

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Foto: mike

Zweiter Singeworkshop mit Kerstin & Plauder

„Hilfe, meine Gruppe singt nicht!“

Die einen feiern Halloween, andere Reformationstag. Auf der Waldeck traf man sich an dem ersten November Wochenende zum zweiten Peter Rohland Singeworkshop. Mit ein paar Tönen, sinnvoll aneinander gereiht, und einer Gitarre für den Rhythmus haben es Kerstin und Plauder geschafft, uns alle zu begeistern. Einfache Fahrtenlieder weckten die Stimme, und später wurde sie dann mit Liedern aus dem Balkan zum Beben gebracht.

Am Freitagabend trudelten die Teilnehmer aus dem BdP und der Freischar zum liebevoll angerichteten Abendessen ein. Noch wusste keiner so recht, was ihn genau erwartete. Die Sipplinge erzählten mir schon im Auto, wie nervös sie seien und dass sie sich die ganze Woche schon auf die Waldeck und den Workshop freuten.

Strahlende Gesichter und große Ohren saßen anschließend in der Runde, als Kerstin und Plauder den Workshop einleiteten. Jeder lauschte nun aufmerksam den Worten und freute sich auf die Liedblätter, die im Kreise rund gingen. Gespannt darauf, was denn das erste sein würde. „ Kenn ich nicht, kann ich nicht, kann ich nicht aussprechen, bzw. lesen. Welche Sprache ist das? – Fahrtenlieder!“ Ohne eine weitere Sprache erlernen zu müssen, begann das Wochenende mit schönen Fahrtenliedern zu später Stunde.

Nach einem lockeren und gemütlich ausgeklungenen Singeabend traf man sich pünktlich am Samstagmorgen zum Frühstück. Keiner wollte zu spät sein, man könnte ja was verpassen. Für den Tag stand einiges mehr auf dem Programm: Fremdsprachige Lieder und Mehrstimmigkeit.

Bis zum Mittagessen wurden die neuen Lieder in der großen Gruppe erlernt. Besonders die fremdsprachigen Lieder – aus Griechenland, Tschechien und Russland – fanden großes Interesse. Kerstin und Plauder gingen die Lieder gemeinsam mit uns durch, so dass selbst die Kleinsten die Aussprache verstanden. Beim anschließenden Singen konnte man bei allen erste Erfolgserlebnisse feststellen, die sich durch einfaches und ausdruckstarkes Lächeln kundtaten. Damit der Kopf wieder bisschen abkühlen konnte, vergnügte sich jeder auf seine Art nach dem Essen an der frischen Luft.

Im Anschluss daran ging es in getrennten Gruppen weiter. Der große Haufen erlernte mit Kerstin eine einfache Mehrstimmigkeit zu den Liedern, wohingegen ein kleiner Kreis um Plauder das entsprechende Gitarrenspiel erlernte.

Am Abend trafen wir uns dann alle wieder im Kaminraum, um die beiden Elemente zusammen zu fügen. Mit dabei: ein kleines Aufnahmegerät, das uns stets begleitet hat. Es hielt die einzelnen Lieder und Stimmen fest, um uns später an Hand einer CD wieder daran zu erinnern. Es wurde zwar kein langer, dafür aber ein schöner Samstagabend. Die Runde erweiterte sich noch um ein paar Besucher, und das Programm ging in einen offenen Singabend über.

Der Sonntag diente der Wiederholung des neu Erlernten und der Vervollständigung unserer CD-Aufnahme. Zwischendurch besuchte uns noch mike von der Peter Rohland Stiftung, überreichte den Gruppen kleine Präsente und erzählte aus alten Tagen.

Fazit: Ein gelungenes Wochenende mit vielen neuen und guten Liedern. Auch mit einigen Ohrwürmern, die immer noch durch unsere Köpfe wuseln. Unsere Sipplinge können gar nicht genug bekommen und haben den Spaß am Singen an diesem Wochenende neu entdeckt. Das Musizieren stärkt auch die Gruppe und hat uns neue Impulse gegeben.

Danke nochmal an Kerstin und Plauder, ihr habt das wirklich gut geleitet und uns die Lieder mit viel Ruhe und Gelassenheit näher gebracht! Neugierig warten wir schon auf die CD, um die eine oder andere Melodie/Stimme wieder in den Kopf zu bekommen.

Mit Musik lebt sich ’s einfach besser.

Herzlich Gut Pfad

fisch (alias Flo[rian] Schön)

 

hallo molo!

es war wieder ein sehr schönes wochenende. unsere jungs und mädels haben sehr viel gelernt. plauder und kerstin sind zwei sehr angenehme zeitgenossen, die auch im musikalischen bereich nach oben fast keine grenzen haben. als menschen durfte ich sie an diesem wochenende auch kennen lernen, was mich ebenfalls sehr freute.

natürlich werde ich gerne etwas werbung für den singworkshop der jüngeren werbung betreiben.

nun gilt es, das erlernte liedgut weiter zu entwickeln und vielleicht in der zunkunft einmal selbst als referent etwas anbieten zu können.

macht weiter so!

gut pfad und herzlichste grüsse

bossi (Boris Fier)

Köpfchen 3+4/2008, Seite 28f.