Jahresrückblicke 2018 -2006

Jahresrückblick 2006

Es ist so weit

Peter Rohland Stiftung gegründet

Am 23. April 2006 wurde mit den Unterschriften von Herbert Swoboda – in seiner Funktion als ABW-Vorsitzender – sowie von Joachim Michael und Klaus P. Möller – als den Stiftern – die unselbständige

Peter Rohland Stiftung zur Förderung des Liedes
in der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V.

ins Leben gerufen. Die beiden Stifter brachten nach mehrjährigen Vorbereitungen und Sammlungen 42.331,32 Euro ein. Der Verein stockte den Betrag auf die runde Summe von 50.000 Euro auf, die bei der ABW als Darlehen stehen bleibt und verzinst wird. Ausgaben für Zwecke der Stiftung können von diesen Zinsen getätigt werden. Das Kapital soll durch Zustiftungen möglichst rasch erhöht, mindestens verdreifacht werden. Zustiftungen sind Zuwendungen über 100 Euro; Beträge bis 100 Euro werden als Spenden für die zeitnahe Verwendung entgegengenommen.

Die Stiftung wurde vom Finanzamt Simmern mit Bescheid vom 28. April 2006 steuerlich anerkannt. Sie kann für Spenden und Zustiftungen steuerwirksame Spendenbescheinigungen ausstellen.

Als Zweck der Stiftung nennt die Satzung:

(1) Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts "Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung (A0).

(2) Die Stiftung widmet ihre Tätigkeit dem Anliegen, dem Werk und künstlerischen Nachlass sowie dem Gedenken an die Persönlichkeit von Peter Rohland (Stiftungszweck).

(3) Der Stiftungszweck wird verwirklicht insbesondere durch

(a) die Förderung des Liedes und junger Liedermacher und Chansonniers,

(b) die Förderung des Singens und Musizierens, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, insbesondere vor dem Hintergrund (i) des künstlerischen Nachlasses von Peter Rohland als einem Erneuerer des Volksliedes sowie (ii) der musischen Tradition der Burg Waldeck, sowie

(c) Dokumentation des künstlerischen Nachlasses von Peter Rohland und des musischen Waldeck-Erbes sowie des aktuellen musischen Geschehens auf der Burg in Wort, Bild und Ton, insbesondere in digitalisierter Form.

Die Belange der Stiftung werden vom Stiftungsrat wahrgenommen. Ihm gehören außer dem ABW-Vorsitzenden und den beiden Stiftern derzeit Josef Haverkamp, Helmut König, Ali Kuhlmann, Gisela Möller-Pantleon an.

Während sich der Stiftungsrat in erster Linie als Exekutivorgan der Stiftung versteht, sollen in den noch zu bildenden Beirat der Stiftung Persönlichkeiten berufen werden, die als anerkannte Kenner und Autoritäten der deutschen und/oder außerdeutschen Liedszene ausgewiesen sind.

 

Zunächst geht es darum, der Stiftung ein attraktives Erscheinungsbild zu geben, um sie nach innen und außen präsentieren und für sie werben zu können. Dazu tagt der Stiftungsrat wieder am 8. Juli 2006 auf der Waldeck. Gäste mit Projektvorschlägen und Umsetzungs-Energie sind herzlich willkommen.

Die Satzung der Stiftung und weitere Dokumente werden auf www.burg-waldeck.de veröffentlicht.

Zustiftungen und Spenden sind jederzeit möglich, und zwar auf das ABW-Konto 012/113 643 bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, Zweigstelle Kastellaun, BLZ 560 517 90.
Bitte den Vermerk „Peter-Rohland-Stiftung“ nicht vergessen!

molo

Köpfchen 2/2006, Seite 3

 

 


 

 

Die „Peter Rohland Stiftung“ – A Work in Progress

Was bisher geschah:

Wie schon im vorigen Köpfchen berichtet, wurde die Stiftung Ende April gegründet und auch im gleichen Monat vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Seitdem hat der Stiftungsrat, das beschlussfassende Organ der Stiftung, mehrfach getagt.

Thema war unter anderem ein einheitliches und überzeugendes Erscheinungsbild der Stiftung in der Öffentlichkeit. In Broschüren, auf Briefköpfen usw. wird die Stiftung künftig durch das Waldeck-Vögelchen in Verbindung mit dem Namenszug „pitter“, einer Kopie von dessen Original-Handschrift, vorgestellt. Idee und Entwurf stammen von Goly Münchrath, der sich damit sehr verdient gemacht hat.

Ebenfalls auf den Weg gebracht wurde die Idee, bei potentiellen Zustiftern mit einer CD zu werben, die Beiträge von solchen Künstlern enthält, die in den letzten Jahren auf der Waldeck aufgetreten sind. Außerdem wird es eine „Dankeschön-CD“ geben mit bisher wenig veröffentlichten Liedern von Pitter für solche Menschen, die gespendet haben. Hierfür ist Helm König schon aktiv.

Für die Film-Dokumentation des aktuellen Waldeck-Geschehens wurde eine leistungsfähige digitale Kamera beschafft, die teils vom Verein, teils von der Stiftung finanziert wird. Annika hat bereits an Pfingsten und im letzten Köpfchen für das Projekt „Vorsicht Kamera“ geworben. Die Aufforderung zur aktiven Beteiligung gilt weiter! Kontakt über Dido/Burg Waldeck.

Was ansteht:

  • Der Stiftungsrat wird zur ABW-MV im November die Ziele und das Erscheinungsbild der Stiftung präsentieren mit Flyer, Dankeschön-CD (für kräftige Spender) etc.
  • Er wird über die Stiftungsprojekte und die Bildung des Beirates berichten. Der Beirat hat laut Satzung beratende Funktion.
  • Der Öffentlichkeit wird er die Stiftung dann zu Pfingsten 2007 vorstellen.
  • Und vor allem wird er sich um das Einwerben von Spenden und Zustiftungen bemühen. Ein Anfang dazu ist im August auf der Geburtstagsfeier von mike gemacht worden, bei der eine bedeutende Summe auf das Spendenkonto einging und vom Geburtstagskind noch erhöht wurde.

Zur Nachahmung empfohlen!

Eine gute Gelegenheit, sich einen Platz im Kreis der Stifter zu sichern, ist z.B. auch die diesjährige ABW-Mitgliederversammlung am Sonntag, 19. November.

Inzwischen ist bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück ein eigenes Konto für die Peter Rohland Stiftung eingerichtet worden. Ab sofort kann direkt überwiesen werden an:

Konto 0012 177 770, Kreissparkasse Rhein-Hunsrück BLZ 560 517 90

Bitte den Spendernamen deutlich schreiben! Die Stiftung stellt Zuwendungsbestätigungen aus, die steuerlich günstig und separat von sonstigen Spenden absetzbar sind.

ali

Köpfchen 3/2006, Seite 12

 

 


 

 

Peter Rohland Stiftung – Bericht 2006

Stiftungsgründung
Die Peter Rohland Stiftung zur Förderung des Liedes (PRS ) wurde als unselbständige (treuhänderische) Stiftung am 23. April 2006 auf Initiative der beiden Stifter Joachim Michael (mike) und Klaus P. Möller (molo) im Einverständnis mit dem Verwaltungsrat gegründet.

Die Jahres-Mitgliederversammlung der ABW am 19.11.2006 hat den Bericht der beiden Stifter mit Beifall zur Kenntnis genommen.

Die PRS ist eine selbständige Organisationseinheit unter dem Dach der Rechtsperson ABW. Die Geschäfte führt der Stiftungsrat unter dem Vorsitz von molo und Josef Haverkamp. Die Gemeinnützigkeit und damit die Berechtigung, steuerlich abzugsfähige Zuwendungsbestätigungen über Spenden und Zustiftungen auszustellen, wurde vom Finanzamt noch im April 2006 erteilt. Alles Nähere zu den Zielen der Stiftung, zur Besetzung von Stiftungsrat und Beirat und auch zu Leben und Bedeutung von Peter Rohland steht in dem Flyer, der auf der Waldeck ausliegt, auf Anforderung aber auch gerne zugeschickt wird. Außerdem informiert www.peter-rohland-stiftung.de.

Kurz gefasst werden mit der Stiftungsgründung vor allem zwei Ziele angestrebt:

  • Sammlung von Geld für den Kapitalstock der Stiftung, um über die anfallenden Zinsen für musische Projekte auf der Waldeck eine zusätzliche Finanzierungsquelle aufzubauen.
  • Über eigene Projekte auf der Basis freiwilliger, ehrenamtlicher Mitarbeit sollen hier oben wieder mehr interessante Angebote entstehen, die vor allem auch junge Leute anziehen und dem Platz und am Ende auch dem Verein wieder frisches Blut zuführen.

Also: Sowohl Geld als auch Mitarbeit ist gefragt!

Finanzen
Gegründet wurde die Stiftung mit einem Kapitalstock von 50 000 €. In zwei Schritten, im Oktober und zum Jahresende 2006, konnte das Kapital auf 75 000 € erhöht werden.

Das Kapital der PRS bleibt bei der ABW. Sie bezahlt dafür Zinsen an die PRS. Damit ist beiden Seiten gedient: die PRS hat ein Zinseinkommen für Projektfinanzierungen, und die ABW hat ein günstiges Darlehen für die ständig anstehenden Investitionen.

Der Vorteil einer Spende oder Zustiftung an die PRS: bis zu 20 450 € pro Jahr können steuerlich unbegrenzt abgesetzt werden. Im ersten Jahr nach der Gründung sogar bis zu 307 000 €, wobei die steuerliche Absetzung auf mehrere Jahre verteilt werden kann. Damit werden Zuwendungen an die Stiftung vom Finanzamt steuerlich günstiger behandelt als solche an gemeinnützige Vereine, die beim Spender nur bis zu maximal 5 % des Einkommens abgesetzt werden können.

Aktivitäten und Projekte der Stiftung

  • Die organisatorischen Vorarbeiten wie Logo, Briefkopf, Flyer, Konto-Eröffnung, Geschäftsführungsregeln, sind abgeschlossen. Für die graphische Gestaltung des werblichen Gesichts der Stiftung danken wir Goly Münchrath herzlich.
  • CD 1: „Peter Rohland, die frühen Lieder“
    Helm König, unser erfahrener Kämpe im Plattengeschäft, hat die erste CD mit frühen Liedern des Namensgebers Peter Rohland samt Booklet mit allen Liedertexten produziert. Sie lag zur Jahres-Mitgliederversammlung vor und ist als Gegengabe an Zustifter und Spender gedacht.
  • CD 2: „Waldeck 21“ – Die musikalische Visitenkarte der Waldeck zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
    Auf der zweiten CD soll ein musikalischer Querschnitt durch Höhepunkte der Waldeck-Konzerte der letzten Jahre angeboten werden, etwa aus den Pfingstkonzerten, von Theodor Kramer bis hin zu den Monsters of Liedermaching sowie aus den Peter-Rohland-Singewettstreiten seit dem Jahr 2000. Hier ist noch eine Menge an Archivarbeit, Auswahl und Korrespondenz wegen der Rechte zu leisten, ehe dann die Produktion ansteht
  • Filmthema „Waldeck“ – Workshop von 16. - 22. Dezember 2006 auf der Waldeck. Bestandsaufnahme, Digitalisierung einschließlich Bild- und Ton-Optimierung, DVD-Gestaltung in Text und Bild, Archivierung von Filmen mit Thema und Ausgangspunkt Waldeck. Dies geschah in Kooperation mit dem Waldeck-Archiv (Peer Krolle und Archiv-Team) und Freundinnen und Freunden der ABW wie vom BDP, die technisches Know-how und persönliches Engagement einbrachten. Dringlich ist die Sache, weil die zahlreich vorhandenen, wertvollen VHS-Filme rapide altern und bald nicht mehr benutzt werden können.

Peer, unser unermüdlicher Archivar, entdeckt immer neue Quellen für historische Waldeck-Filme, die zu beschaffen und dauerhaft zu archivieren sind. Letztlich geht das nur auf digitaler Basis.

Die großen Bestände der Rundfunkarchive zum Thema „Waldeck“ sind eine weitere Herausforderung, die für die Zukunft ansteht.

Ebenso soll das Archivmaterial in Verbindung mit aktuellen Aufnahmen zur ansprechenden filmischen Präsentation der Waldeck genutzt werden.

Bericht vom Workshop siehe unten.

  • Vorsicht Kamera!“ – Film über die aktuelle Waldeck, über Leben, Gäste, Veranstaltungen, Events übers Jahr.
    Annika hat schon an Pfingsten und im Köpfchen 2/06 für das Projekt geworben. Kamera-Equipment ist beschafft. Leider fehlen noch einige – vor allem junge – Leute, die sich mit Annika für das Projekt engagieren, ein Konzept entwickeln und dann zu lohnenden Gelegenheiten vor Ort mit der Kamera aktiv sind, z.B. für Interviews, Aufnahmen von Veranstaltungen etc.
  • Jours fixes
    Die PRS ist bereit, sich an der Ausrichtung von Jours fixes mit relevanten Themen zu beteiligen, etwa mit Portraits von bekannten Liedermachern oder mit einem Blick auf wahlverwandte private Filmemacher.
  • Digitales Waldeck-Archiv
    für Text, Bild, Ton und Film. Ein Langfristprojekt. Erste Bausteine liegen vor, etwa mit der Ton- und Datenbank-Dokumentation der alten Festivals 1964-69, und einer Foto-Sammlung. Mitarbeit, sowohl konzeptionelle wie praktische, ist gefragt.
  • Pfingsten 2007: Liederfest
  • Singe-Training für Gruppen
    und manche weiteren Themen wären adäquat für die Waldeck und die Stiftung.

Die Stiftung ist noch am Anfang. Sie ist offen und dankbar für Vorschläge, insbesondere, wenn auch praktische Mitarbeit angeboten wird. Die Stiftung ist ein Angebot, ein Organisationsrahmen, in den sich Leute einklinken können mit dem Ziel, die Waldeck auf ihrem ureigenen Gebiet, dem Singen, der Musik, der musischen Betätigung weiter zu entwickeln.

Gefragt sind weiterführende Ideen, Mitarbeit und Geld.

Für den Stiftungsrat

molo

KPF 4/2006, Seite 16

 

 


 

 

Peter Rohland Stiftung PRS – Erste Zwischenbilanz

Mit 50 000 € konnte die Stiftung im April 2006 starten. Seither fanden zwei Feste mit Bezug zu runden Geburtstagen statt, jeweils verbunden mit der Bitte, statt Geschenke Spenden bzw. Zustiftungen für die PRS zu tätigen:

  • mike feierte Mitte August in Frankfurt. Anschließend konnte das Stiftungskapital auf 60 000 € erhöht werden. Rund 100 steuerlich wirksame Zuwendungsbestätigungen waren auszustellen.
  • Das andere Fest „Abend für m.“ fand mit förmlicher Einladung durch den ABW-Verwaltungsrat im November am Vorabend der Jahresmitgliederversammlung auf der Waldeck statt und löste gut 5 000 € an Spenden aus, für die 30 steuerliche Bestätigungen auszustellen waren.

Auf der Mitgliederversammlung der ABW proklamierte mike dann in einer engagierten Rede das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahreswechsel über weitere Spenden den Kapitalbetrag von 100 000 € zu erreichen. Und er ging mit gutem Beispiel voran: Er verpflichtete sich, die stattliche Differenz vom bis dahin erreichten Stiftungskapital zur angestrebten Summe zur Hälfte selber beizutragen, wenn die andere Hälfte aus den Reihen des Vereins und der Freunde und Freundinnen der Waldeck kommen werde. Durch einige beherzte Spender sind als Resonanz bislang rund 4 000 € zusammengekommen. mike hat daraufhin die Hälfte seiner Zusage realisiert.

Gut 4 000 € wurden von der Stiftung bislang ausgegeben. Einerseits für Basisarbeiten wie Logo, Werbeflyer, Peter-Rohland-Dankeschön-CD, Briefpapier etc. Andererseits konnte die Stiftung bereits konkrete Projekte unterstützen wie die Kamera-Ausstattung der Waldeck und die Digitalisierung von Teilen des ABW-Film-Archivs. (Siehe unten).

Nach Abzug der bisherigen Ausgaben konnte damit das Stiftungskapital auf dreiviertel des angestrebten Ziels, also 75 000 € angehoben werden.

Der Appell an die Mitgliederversammlung und darüber hinaus ist also weiterhin akut:

Fördert die Peter Rohland Stiftung, damit sie durch steigende Zinseinnahmen den kulturellen Auftrag der Waldeck unterstützen kann! Im Köpfchen wird dazu regelmäßig berichtet.

Für Spender und Zustifter liegt die CD mit dreißig frühen Liedern von Peter Rohland bereit.

Das Konto der Peter Rohland Stiftung lautet:

12 177 770 bei KSK Rhein-Hunsrück, Kastellaun, BLZ 560 517 90

Köpfchen 4/2006, Seite 17f.

 

 


 

 

2006 4 Seite19
Werkstatt Kaminraum - Foto: molo

Arbeitswoche Digitalisierung

Auf der Waldeck hatten sich in der Woche vor Weihnachten 2006 keine Gäste eingebucht. Und so war Platz, um im Kaminraum ein Video-Studio mit PCs, Notebooks, TV-Schirmen, Druckern, externen Speichern und Bergen von Video- und DVD-Kassetten aufzubauen. Der altehrwürdige Beamer der Waldeck konnte allerdings nicht mehr in Gang gebracht werden.

Anlass für den Technik-Aufmarsch war der von der Peter Rohland Stiftung initiierte Workshop zur Sichtung und Digitalisierung von Videofilmen, die Archivar Peer über die Jahre im Archiv beschafft, bewahrt und gegen manche Zugriffswünsche verteidigt hatte.

 

Das Archiv-Team um Peer mit Hathy und Sken hatte in einer Liste von 76 Filmen einen Überblick über die Schätze des Archivs zusammengestellt. Das fängt an mit historisch interessanten Filmen des Nerother Wandervogel aus den Jahren ab 1930, die Kameramann Karl Mohri auf Fahrten zum Balkan, nach Afrika, Südamerika und nach Asien drehte. Filme, die dann zum Teil an die Filmfirma Ufa verkauft werden konnten und in den Kinos als „Kulturfilme“ im Vorspann zu Spielfilmen liefen. Zum Teil wurde das Bildmaterial von den Nazis mit neuem Ton zu Propaganda-Filmen verarbeitet, etwa „Deutsches Land in Afrika“. Dieser Film diente im Dritten Reich der Propaganda zur Rückgewinnung der früheren deutschen Kolonien.

Auch aus der Nachkriegszeit sind Filme von Karl Mohri erhalten, etwa über die Frankreichfahrt von Schwäbischer Jungenschaft und Pfadfindern um Rudi Rogoll 1952, über die erste jungenschaftlichen Griechenlandfahrt 1953, mit ähnlichen Aufnahmen von den Meteoraklöstern, wie sie von Mohri schon im Film von 1930 gedreht wurden. Auch der Film über die Spielfahrt der „Jungenschaft der Burg“ von 1958 ist darunter. Ebenso zwei schöne Filme von Großfahrten des Panduren-Ordens 1961 und 1963 nach Mazedonien und Griechenland.

Weitere Schwerpunkte der Filmsammlung sind Streifen aus der Festival-Zeit der Sechzigerjahre und aus der Zeit der Theater-Aktivitäten von Hotte in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts.

Die Filme sind wichtige Bausteine zur Dokumentation der Waldeck-Geschichte, die inzwischen als Teil der neueren Zeit- und Kulturgeschichte anerkannt ist. Peer registriert dies immer wieder, wenn bei ihm von Funkhäusern und Universitäten nach Aussagen und Dokumenten, insbesondere auch nach Filmmaterial für zeitgeschichtliche TV-Dokumentationen gefahndet wird.

 

Die Umsetzung der bislang auf Video-Kassetten gesammelten Filme auf digitale Datenträger ist dringend, da die analogen Band-Kassetten durch Zeitablauf leiden und am Ende unbrauchbar werden. Auch eine Weiterverwertung, z.B. von Ausschnitten für Info-Filme über die Waldeck ist nur auf Basis von digitalisiertem Material vernünftig machbar.

Eine Vergabe der Aufgabe an externe Dienstleister ist nicht sinnvoll und auch nicht machbar, da die Filme bei der Umsetzung nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich zu überprüfen sind, z.B. auf Doppel und Überschneidungen. Außerdem wäre eine externe Vergabe nicht bezahlbar.

Dabei erfordert die Arbeit nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch erhebliche Kenntnisse und Erfahrung. Die digitale Video-Welt ist differenzierter und vielseitiger als digitales Fotografieren.

 

Voraussetzung für den Workshop war ein erstes Treffen an Ostern 2006, auf dem unser Experte Marcin ein durchdachtes mehrstufiges Speicherkonzept für die digitale Video-Zukunft vorstellte. Und vor Weihnachten brachten dann aus dem fernen München Margarete und Carsten außer vielfältiger Ausrüstung Kenntnisse, Erfahrung und großes Engagement in die praktische Arbeit ein. Das neue ABW-Mitglied Fram sowie Hotte gesellten sich ebenso engagiert dazu.

Nach etwas zögerlichem Anlauf wurde es eine sehr intensive und produktive Woche. Zentrales Ereignis jeden Tages war das schmackhaft-opulente Mittagessen, das Dido für Haus- und Filmteam auf den Tisch brachte.

Am Ende des Workshops waren 86 Filme gelistet. (Manche von ihnen sind doppelt oder dreifach da. Es müssen noch die besten Kopien lokalisiert werden.) Davon sind nun 53 Filme auf Festplatten digitalisiert, und 39 sind überdies auf DVDs gebrannt und beschriftet.

Für einige notwendige Beschaffungen, die dringendsten Reisekosten sowie Unterkunft und Verpflegung fielen Kosten von rd. 980 € an, die aus Mitteln der Peter Rohland Stiftung beglichen werden konnten.

Ein Anfang ist gemacht. Die Arbeit muss unbedingt weitergehen, um das wertvolle und interessante filmische Waldeck-Erbe zu sichern. Es ist beeindruckend, wie stark Aufnahmen aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also von Ereignissen, an die viele noch persönliche Erinnerungen haben, bereits historische Qualität erreichen. Etliche der Akteure leben nicht mehr. Ihre Berichte und Erzählungen wirken umso mehr.

Es wäre gut, wenn das nunmehr eingespielte Digitalisierungs-Team, ggf. ergänzt um weitere Freiwillige, sich auch weiterhin zusammenfinden könnte.

 

Die historischen Bilder zeigen, wie rasch Gegenwart in die Vergangenheit wandert und Filme als Stütze der Erinnerung an Gewicht gewinnen. Deshalb sollte über aller Pflege der alten Bestände die aktuelle Dokumentation nicht vergessen werden. Zum Schluss sei an das Projekt „Vorsicht Kamera!“ erinnert, zu dem Annika in Köpfchen 2/06 aufgerufen hat. Die Peter Rohland Stiftung hat auch dazu einen finanziellen Beitrag geleistet. Ideen und Konzepte und die immer wieder mühsame Umsetzung durch Arbeit mit der Kamera und anschließende Weiterverarbeitung müssen aber von anderer, möglichst jüngerer Seite kommen.

molo

Köpfchen 4/2006, Seite 19