Wer war Peter Rohland?

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Pfingsten 1964 fand das erste Festival statt. Noch war die Zahl der Sänger und Zuhörer klein, aber in den darauf folgenden Festivals explodierte sie, bis sie 1968 bei rund 5000 Zuschauern lag und die Sänger aus ganz Europa, besonders aus Spanien, Italien, Belgien, England, Frankreich sowieso, und aus Amerika kamen, ein deutsches "Woodstock" gewissermaßen, mehrere Jahre, bevor in Amerika das berühmt-berüchtigte Woodstock stattfand.
1964 und 1965 war Peter Rohland als einer der wichtigsten Sänger dabei gewesen und hatte die Landstreicherballaden, die Lieder des Francois Villon und vor allem die jiddischen Lieder vorgetragen. Im Januar danach erkrankte er plötzlich und starb, kaum 33 Jahre alt, am 5. April 1966.
Seine Lieder leben weiter.
Vor allem aber lebt eines weiter: als einer der ersten hatte Pitter gezeigt, dass es auch nach dem Missbrauch des Volksliedes durch die Nazis noch Möglichkeiten des deutschen Liedes gab, und er zeigte, dass Chanson und Folksong auch in Deutschland mehr sein können als das bloße Nachahm en der kommerziellen Chansons, Folksongs und Protestlieder. Er suchte kein schönes Gegenbild zur "modernen Welt", er sah vielmehr im Lied das Zeugnis menschlichen Leidens und Frohseins. Er löste das Volkslied aus der romantisierenden Ideologie und machte es zum Bestandteil eines progressiven Bewusstseins und zu einem "modernen Lied", das Armut, Verfolgung und Ungerechtigkeit als Themen nicht ausklammert. Seine Landstreicherballaden stellen geradezu eine neue Gattung des Folksongs dar; mit seinen Interpretationen jiddischer Lieder erschloss er mehr als ihren exotischen Reiz; mit seinen Liedern deutscher Demokraten deckte er eine vergessene Tradition des deutschen politischen Liedes wieder auf (Stephan Rögner 1976).
Damit hat Peter Rohland aber auch den bündischen Gruppen, aus denen er seinen Ursprung hatte, etwas gegeben, das sich gleich gewichtig neben die Anregungen und Liedschöpfungen von Werner Helwig, von tejo, von olka, Roland Eckert und anderen stellt und das auch dem Singen in den Gruppen einen neuen, viel weiteren Horizont gab.