WaldeckKulturStipendium 2026: Erfahrungsbericht Rotgeld

Im Folgenden der Erfahrungsbericht von Rotgeld, die als Stipendiaten des WaldeckKulturStipendiums im September 2026 auf Burg Waldeck waren.

„Unsere Reise zu unserem Stipendium beginnt eigentlich schon auf dem Weg zur Waldeck. Die Gitarre auf dem Beifahrersitz und bei jeder Pause, zum Beispiel in der Autobahnkirche, wird Musik gemacht!

Unser oft geträumter Traum wird Tatsächlichkeit. Als wir ankommen sind wir noch genau rechtzeitig zum Konzert der Liederwerkstatt von Paula Linke. So werden wir von tollsten Musiker*innen empfangen, die ihre selbst komponierten Werke einem kleinen feinen Publikum präsentieren. Auch sonst wird unsere Zeit auf der Waldeck durchweg mit feinster Live musik geschmückt sein.

Die ersten zwei bis drei Tage verbringen wir erst mal damit, auf der Waldeck anzukommen, die Natur zu erkunden und in die wunderschöne herbstnahe Atmosphäre einzutauchen. Im Mohrihaus richten wir uns ein kleines provisorisches Studio ein, da der Platz im Schwabenhaus mit der feineren Akustik noch belegt ist. So haben wir Zeit zum auszuprobieren und verfeinern unserer Lieder, sowie uns mit unserer neuen Freundin Luna (dem Audioprogramm) vertraut zu machen, die uns hilft so manchen Spaß festzuhalten. Gegen Ende der ersten Woche finden wir heraus, dass unser mikrodosierter Rotwein Konsum gar nicht so gut für die Stimmbänder ist – naja, was solls! Rotgeld und Rotwein passt einfach sehr gut zusammen.

Wir laufen allerlei spannenden Menschen übern Weg und verbringen sehr lustige und gute Zeit mit Waldeckern und Bufdis. Auf dem Weg zum Einkaufen machen wir Strassenmusik in Kastellaun, Kinder tanzen zur Musik und wir bespielen die Ruine im Herbstlicht.

Am Montag brechen wir, noch im Morgengrauen für einen kleinen Trip nach Köln auf, um dort die optimale Besaitung zu erwerben. Diese finden Melinda und Jaq im größten Musikgeschäft der Region während Mare von Zirkuskindern dringend einberufen wird, sie auf ihren großen Auftritt vorzubereiten. Abends lauschen wir in einer Kneipe zur Dichterstunde obskuren Gestalten, die ihre neusten Werke zum Besten geben.

Die Rückkehr markiert zugleich den Beginn der Studiozeit mit Hein, mit dem wir es uns im Schwabenhaus, bei guter Akustik und mit allerlei Aufnahmeequipment gemütlich machen. Gemeinsam beginnen wir die Aufnahmen und lassen auch den Spaß dabei nicht zu kurz kommen. Mit Kamera und Mirko lässt sich ordentlich Schabernack machen und so drehen wir unser erstes mini Musikvideo gleich im Studio mit Special effects.

Die Stimmbänder umsorgen wir mittlerweile mit Salbeitee und Honig, denn: So langsam geht es ans Eingemachte. Nach und nach entwickelt sich das erste Gefühl dafür, wie dieses Album klingen will. Lied für Lied gewinnt es an Gestalt und wird zu dem was es nun ist – eine pure, ganz eigene Momentaufnahme unserer Lieder. Auch ein bisschen Krankheit hat darin mitgespielt, aber lässt die Erkältung auf sich warten bis alle Lieder im Kasten sind.

Am letzten Tag holen wir alle Leute vom Platz die wir finden können ins Studio und verzieren gemeinsam eines unserer Lieblingslieder durch Gesinge, Gegröle, Gelächter. Über die Zeit haben wir uns sehr wohlgefühlt, welch genialer Ort um zu musizieren, schreiben und ein Album aufzunehmen. Sicher gab es im Gemüt Hochs und Tiefs, aber es ist nun mal auch nicht ohne, seine eigene Musik in eine Version zu schnipseln, die dann in dieser Form für immer auf einer CD hörbar wird. Besonders für uns. Da unsere Musik davon lebt, in jeder Straßenecke und mit jedem Moment der verstreicht anders zu klingen, ein sich wandelndes Momentum, dass sich auch mit jedem Mensch der zuhört neu erfinden mag. Doch bleibt uns dieses wunderbare Album, und wir sind mehr als froh darüber. Danke für die Zeit, für den Ort, für die Möglichkeit das möglich zu machen.“