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Margit Haas: Wer war eigentlich Peter Rohland?

Aus: Stadtmagazin Göppingen, August 2021
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Wer war eigentlich Peter Rohland?

Ein Nachwuchs-Musikwettbewerb auf Burg Waldeck, der nach ihm benannt ist, eine gleichnamige Stiftung – bis heute wirkt der Sänger, Liedermacher und Volksliedforscher Peter Rohland nach. Es war seine Tragik, dass er zu dem Zeitpunkt, an dem seine Karriere als Sänger begann, eine Gehirnblutung erlitt und verstarb, 1966 im Alter von nur 33 Jahren. Musikhistoriker bezeichnen ihn als einen der ersten Sänger der Bundesrepublik, der den Mut fand, „das bleierne Schweigen der Nachkriegszeit“ zur Zerstörung jüdischen Lebens durch die Nationalsozialisten zu durchbrechen.

Peter Rohland war in Berlin geboren, entstammte einer großbürgerlichen schlesischen Familie, die 1945 nach Göppingen zog. Er besuchte die Hohenstaufen-Oberschule (heute Freihof-Gymnasium), machte dort 1954 das Abitur – obwohl er in Mathe, weil er ein leeres Blatt abgegeben hatte, eine sechs bekommen hatte. Die Prüfungskommission stellte ihm das Reifezeugnis dennoch aus, unter anderem wurde ihm von seinen Lehrern „menschliche Reife“ zugesprochen und auch sein Engagement als Leiter einer Jungschar bei der Schwäbischen Jungenschaft (Jugendbund der freien bürgerlichen Jugendbewegung) wurde anerkennend genannt.

„Pitter“ studierte zunächst Jura, zog dann aber nach Berlin, trat dort in Kneipen und kleinen Bühnen auf. 1962 übersiedelte er nach Paris, lernte jüdische Intellektuelle kennen und trat nach seiner Rückkehr mit jiddischen Liedern auf, die er auch für den Südwestrundfunk einspielte. Damit verband er den Anspruch, etwas zur Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts beizutragen. Er fand Anerkennung bei den jüdischen Medien und Gemeinden in Deutschland. „So vollendet vorgetragen habe er nur selten jiddische Lieder gehört, auch in New York, wo mehr Juden leben als in Israel, singt man sie nicht besser“, sagte etwa der Holocaust-Überlebende und Historiker Joseph Wulf.

Am populärsten wurde Peter Rohland zusammen mit Schobert Schulz mit den „Landstreicherballaden“, die 1965 herauskamen. Von seinen Freunden auf Burg Waldeck wurde „Pitter“ vor allem mit diesen Liedern identifiziert, da ihr antibürgerliches und anarchistisches Lebensgefühl als ein authentischer Ausdruck seiner Persönlichkeit empfunden wurde. Zum politischen Liedermacher wurde Peter Rohland ab 1965 mit den „Liedern deutscher Demokraten“. Beim zweiten Festival auf Burg Waldeck an Pfingsten 1965 stellte er das Programm erstmals vor und sorgte damit für Aufsehen. Es sollte sein wichtigster Beitrag zur Neubestimmung des deutschen Volkslieds sein.

„Ich glaube, es ist an der Zeit, den Nebel auseinander zu blasen, mit dem die Romantiker und die völkischen Ideologen unsere Volkslieder umgeben haben. Es ist an der Zeit, neben den Liedern von Schwartenhälsen, der armen Jüdin und dem Deserteur auch die Lieder der Revolution von 1848, der Arbeiterkämpfe und die Lieder aus den Konzentrationslagern mit dem Begriff des ‚Deutschen Volkslied‘ zu verbinden. … Es sind einfach Lieder, die den ganzen Aspekt menschlichen Lebens umfassen, von der äußersten Sentimentalität bis zur harten und derben Darstellung.“
-Peter Rohland