Wer war Peter Rohland?

Peter Rohland trug in seinem bis heute nachwirkendem Schaffen dazu bei, den traditionellen Volksliedbegriff so zu erweitern, dass auch die Lieder der deutschen Freiheitsbewegungen und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus Platz fanden. Dazu belebte er unterdrückte und verschüttete Traditionen im deutschen Volkslied. Mit seinen Liedern deutscher Demokraten deckte er eine vergessene Tradition des politischen Liedes der Revolution von 1848 wieder auf.

Peter Rohland war Sänger, Liederforscher und Liedermacher.

Geprägt wurde er durch die Jugendbewegung im Nachkriegsdeutschland. Wegweisend waren seine Auftritte in den Jahren 1964 und 1965 bei den Festivals Chansons Folklore International auf Burg Waldeck im Hunsrück, die von ihm mitinitiert und geprägt worden waren. Bekannt wurde Peter Rohland in den 1960er Jahren durch seine Konzertreisen in der Bundesrepublik.

Viele interessante Einzelheiten zu Peter Rohland finden sich in dem folgenden Aufsatz von Helm König:

( (C) Copyright Helmut König, Eichhornweg 11, 30900 Wedemark, Oktober 1999 )

Immer wieder hören wir, sei es bei Liedern, bei bündischen Schallplatten, auf der Waldeck oder auf dem Ludwigstein, von Peter Rohland. Wer aber war er?
Pitter, wie ihn seine Freunde nannten, kam aus der  Schwäbischen Jungenschaft in Göppingen. Pimpf, Hortenführer, früh lernte er, die Klampfe zu spielen - eine ganz "normale" Entwicklung in "unseren" Kreisen in den fünfziger Jahren. 1933 geboren, wuchs er gewissermaßen gerade zur richtigen Zeit hinein in das Wiederaufleben der Jungenschaften in der Bundesrepublik nach dem Kriege. Früh fiel aber auf, dass er eine ihm von der Natur geschenkte ausgeprägte und tragende schöne Stimme hatte, die ihn dazu brachte, in den Hortengesängen nicht nur mitzusingen, sondern auch Lieder vorzutragen. Man hörte ihm gern zu. Aber das war noch nichts Besonderes, das gibt es öfter unter Bündischen.
Die Fahrten brachten ihn auch mit fremden musikalischen Welten in Kontakt. Vor allem die griechischen Lieder mit ihren fremden Rhythmen zogen ihn in ihren Bann. Er nahm sie auf und brachte sie mitreißend "unters Volk", in die Gruppen und Horten. Und so wurde er einer der Väter der "griechischen Welle" im Gesang der Bündischen der 50er Jahre.
Man hörte ihm aber auch sonst zu. Er hatte ein natürliches Charisma, das viele in seinen Bann zwang. Bald war die Schwäbische Jungenschaft ohne ihn nicht mehr zu denken. Dazu kam die Begegnung mit der Waldeck, diesem merkwürdigen, fast mythischen Ort im Hunsrück, legendärer Ort der frühen Nerother, den Werner Helwig so einprägsam beschrieben hat, auch in den fünfziger Jahren trotz mancher Querelen ein Ort des Singens und der Begegnung. Die Schwaben fühlten sich dort bald wie zuhause, bauten ein eigenes Haus, das "Schwabenhaus".
Pitter fing in Berlin ein Jurastudium an, darin seinem Vater folgend, der Opernsänger hatte werden wollen, aber, die Brotlosigkeit dieses Berufes für sich erkennend, Rechtsanwalt geworden war. Berlin musste es sein, weil Berlin damals die aufregendste Stadt der Bundesrepublik war. Die Studenten wurden aufmüpfig gegen alle Staatsreglements, und Folklore- und Protest-Sänger aus aller Welt trafen sich vor allem dort in den Kneipen. Zuvor aber hatte Pitter mit seinem Freund Fred Kottek noch eine große Trampfahrt in den Orient unternommen - sie kamen bis Kuweit.
Pitter war in Berlin aber weniger in den Hörsälen und Seminaren zu finden, sondern mehr unter seinen studentischen Freunden, die zumeist aus den Bünden kamen. Bald bildete sich auf der Waldeck ein studentischer Arbeitskreis, der über das engemjugendbewegte Denken hinausstrebte und sich in die gesellschaftlichen Diskussionen der ausgehenden Restaurationszeit des Nachkriegs kritisch einschaltete.