Wer war Peter Rohland?

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Früh hatte Pitter, der Erzmusikant unter ihnen, begriffen, dass Lieder nicht nur so einfach da sind, sondern dass jedes gute Lied einen Hintergrund hat, einen menschlichen, einen sozialen oder einen politischen Hintergrund, und dass dieser Hintergrund durchscheinen muss, wenn man singt. So kam es, dass Pitter früh anfing, mit seinen Liedern auch Stellung zu beziehen. Er fing an, Liedforschung zu betreiben. Ihn interessierten besonders die Lieder der Ausgegrenzten, der Landstreicher und Landstörzer, die er bereits auf seiner großen Orientfahrt kennen gelernt hatte, die er nun bewusst suchte, aufzeichnete und die er dort, wo er nur Texte fand (z.B. in Ostwalds "Lieder aus dem Rinnstein"), in passende Melodien setzte. Damit kamen ihm auch die Lieder des frühen Dichters der Ausgegrenzten, Francois Villon, nahe, dessen deutsche Nachdichtungen von Paul Zech er kongenial vertonte. Ganz besonders aber berührten ihn die Lieder der Juden, deren grauenhaftes Schicksal unter den Nazis in jenen Jahren erst nach und nach in seinem vollem Umfang bekannt wurde. Hier waren es nicht nur ausgegrenzte Menschen, sondern ein ganzes Volk, seine Kultur und damit auch seine Lieder waren so gut wie ausgerottet worden. Pitter lernte in Berlin einige dieser Lieder kennen, erkannte bald, dass es mit einem bloßen Nachsingen hier nicht getan war, und begann nun, die jiddische Sprache intensiv zu lernen und nach den verlorenen und vergessenen Liedern der geschundenen Juden zu suchen. Diese Lieder wollten vorgetragen werden. Mit seinen Freunden Gesine Köhler und Hanno Botsch bildete er eine Gruppe, die in Konzerten auftreten konnte. Seine Landstreicherballaden sang er zusammen mit dem Concertina-Spieler Schobert Schulz, der später im Duo Schobert und Black bekannt wurde. Allein trug er die "Lieder deutscher Demokraten" vor, die er aus Archiven und wissenschaftlichen Publikationen ausgegraben und zu neuem Leben erweckt hatte.
Es traf sich gut, dass sich in diesen Jahren um 1960 herum überall und vor allem in studentischen Kreisen um die überall neu auftauchenden Folk-Sänger und "Liedermacher" (der Ausdruck entstand in dieser Zeit) Auditorien bildeten. Folklorekneipen und andere Treffpunkte entstanden, in so genannten Kleinkunsttheatern wurde gesungen. Die heute wohlbekannten Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey, Hannes Wader und viele andere hatten hier ihr erstes Auditorium. Die Polit- und Protestsänger traten auf. Und ebenso wurde natürlich auf der Waldeck gesungen, wo die Sangeskunst der Vaganten und die Folklore fremder Völker immer schon eine Heimstatt hatten. Überall in diesen Auditorien war Peter Rohland zu Hause, und seine Stimme, die sich inzwischen geschult hatte, war unter den vielen Sängern nicht zu überhören, sie war bei weitem die musikalischste unter ihnen.
Hier auf der Waldeck wurde, stark unter Pitters Einfluss, im Studentischen Arbeitskreis der ABW (Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck) die Idee zu den inzwischen legendären Festivals für Chanson und Folklore geboren. Das finanzielle, aber auch das organisatorische Risiko, in Deutschland, aber auch international zu einem solchen Festival einzuladen, war damals immens groß. Unterstützungen gab es nicht und wären auch nicht gewünscht worden. Das Risiko wurde von der ABW und ganz persönlich auch von ihrem Vorsitzenden, dem unvergesslichen Rudi Schmaltz, übernommen.